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Das bizarre Abschiedsvideo des Amokläufers

Wenige Stunden vor seiner schrecklichen Tat drehte Bastian B. ein ausführliches Video, in dem er die Gründe für seine Tat nennt. Das Abschiedsvideo gibt Einblick in die kranke Seele des jungen Mannes, der kurz darauf 37 Menschen verletzte und hunderte traumatisierte.






Der spätere Amokläufer steht schwarz gekleidet im gutbürgerlichen Wohnzimmer und spricht in gutem Englisch in die Kamera. Wahrscheinlich hat er das Video am Morgen vor seiner Tat in der Wohnung seiner Eltern gedreht, wie «Spiegel online» berichtet. Darin erklärte er sich seinen Freunden: «Ich habe angefangen, das Massaker an der Geschwister-Scholl-Schule zu planen. Ich will alle töten, weil sie in mein Leben eingegriffen haben. Das Leben war schön, bis ich in die Schule kam». Er besitze Bomben und Molotov-Cocktails. «Ihr seid im Krieg, das ist Krieg», sagt der Täter. Und er macht klar, dass er keine Komplizen hatte: «Dies war mein Plan und meine Vorbereitung. Ich hab das allein gemacht, ganz allein.» Weiter nennt er zwei Hauptgründe für seine Tat: «1. Grund: Die Schule, die Lehrer, die Mitschüler. Alles in dem Scheiss-Gebäude. 2.: die Politik. Ich will Anarchie. Das ist das Einzige, wo du wirklich, wirklich frei bist.»

Die Staatsanwaltschaft Münster wollte zu dem Video keinen Kommentar abgeben. 15 Polizeibeamte seien derzeit damit beschäftigt, die Spuren des 18-Jährigen im Internet und auf Videos zu recherchieren, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Wolfgang Schweer. Es gebe mehrere Videoaufzeichnungen im Internet. Der Polizei liege aber auch weiteres, nicht veröffentlichtes Videomaterial vor, das noch ausgewertet werden müsse.

Unterdessen befanden sich die bei dem Amoklauf Verletzten weiter auf dem Weg der Besserung. Drei Schüler seien am Donnerstag aus dem Krankenhaus in Emsdetten entlassen worden, erklärte eine Sprecherin der Stadt. Ein viertes Kind sei inzwischen von der Intensivstation auf eine normale Station verlegt worden. Auch der Hausmeister der Schule liege inzwischen auf einer normalen Station.

Die Geschwister-Scholl-Schule wurde am Donnerstag erstmals von Gutachtern besichtigt, die sich ein Bild von den Schäden am Gebäude machen sollen. Unter anderem gehe es um Schäden durch die Rauchbomben, sagte die Sprecherin. Zudem hätten die Einsatzkräfte zahlreiche Scheiben eingeschlagen. Unterdessen wurden die Schüler in den Räumen anderer Schulen untergebracht, was gut angelaufen sei. «Die Kinder der anderen Schulen sind sehr aufgeschlossen und bemühen sich, ihnen ein heimisches Gefühl zu geben.» Vertreter von Stadt, Schulleitung, Eltern und Schülern haben zudem einen Runden Tisch gegründet, der täglich zusammenkommen soll.

Amokläufer soll Todesliste erstellt haben

Der 18-Jährige, der am Montag in seiner ehemaligen Schule 37 Menschen verletzt und dann sich selbst erschossen hatte, hatte nach einem Zeitungsbericht eine handschriftliche Todesliste mit den Namen mehrerer Lehrer angelegt. Schwer bestätigte zwar, dass es eine Liste mit Namen gegeben habe. «Wir nennen das aber nicht eine Todesliste», sagte er.

Im Video hat der 18-Jährige auch gesagt: «Ich war kein Mensch mehr, ich war göttlich.» Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, nannte diese Selbsterhebung in einem Interview des Senders erschreckend. «Und das mit einer Absage zu verbinden an alles, was ihm eigentlich heilig sein könnte und müsste, zum Beispiel auch das Leben anderer, aber auch Gott selber, das ist eine Dimension, die uns alle sehr nachdenklich machen muss.»

(ddp)
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