Erwin Sperisen

01. September 2010 17:24; Akt: 01.09.2010 18:06 Print

Schweiz soll Ex-Polizeichef überführenSchweiz soll Ex-Polizeichef überführen

von D. Karst und S. Maillard, sda - Für die UNO ist der Schweizer Erwin Sperisen für aussergerichtliche Hinrichtungen verantwortlich. Nun soll die Schweiz gegen den Ex-Polizeichef von Guatemala ermitteln

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Ex-Polizeichef Erwin Sperisen werden schwere Vorwürfe gemacht. (Bild: Keystone)

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Die Schweizer Sektion von Amnesty International (AI) und die Organisation gegen Straffreiheit TRIAL haben die Schweizer Behörden aufgerufen, in der Untersuchung der Vorwürfe gegen Ex-Polizeichef Erwin Sperisen mit den guatemaltekischen Behörden zusammenzuarbeiten.

Die UNO-Kommission gegen die Straflosigkeit in Guatemala (CICIG) sieht den schweizerisch-guatemaltekischen Doppelbürger als Drahtzieher aussergerichtlicher Hinrichtungen. Sperisen war von Juli 2004 bis März 2007 Polizeichef in dem mittelamerikanischen Land. Nach seinem Rücktritt floh Sperisen in die Schweiz und lebt seither in Genf.

Die Schweiz müsse schnell und umfassend an der an der Aufklärung der schwerwiegenden Vorwürfe mitarbeiten, forderten AI und TRIAL am Mittwoch. Der Fall sei ausserordentlich wichtig im Kampf gegen die Straflosigkeit und für die Stärkung des Rechtsstaates in Guatemala.

Schweiz soll Vorwürfe untersuchen

«Deshalb ist es unerlässlich, dass die Schweiz, wie alle Staaten, ihren völkerrechtlichen Verpflichtungen nachkommt und dafür sorgt, dass solche Vorwürfe untersucht und die Verantwortlichen vor Gericht gestellt werden», heisst es in der Mitteilung der beiden NGO's weiter.

Die guatemaltekische Generalstaatsanwaltschaft sucht seit dem 6. August nach Sperisen und 18 weiteren ehemaligen Angehörigen der Polizei und des Innenministeriums. Dies im Zusammenhang mit Morden, die während Sperisens Amtszeit begangen wurden. 9 der Verdächtigen wurden bis heute verhaftet.

Mitglied der Genfer EVP

Sperisen, der Mitglied der Genfer EVP ist, hatte sich in der Schweiz erstmals in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur SDA zu den Vorwürfen geäussert. Er bezeichnete sich als Opfer einer Diffamierungskampagne.

Die Schweiz darf Schweizer Bürger nicht ausliefern, könnte jedoch auf Antrag Guatemalas einen Prozess gegen Sperisen führen oder ihn in der Schweiz befragen lassen. Ein Rechtshilfegesuch liegt bisher jedoch nicht vor, wie der Sprecher des Bundesamtes für Justiz, Folco Galli, sagte.