Vermisste Zwillinge

27. Januar 2012 21:32; Akt: 27.01.2012 21:34 Print

«Ich behalte die Hoffnung»«Ich behalte die Hoffnung»

Ein Jahr nach ihrem Verschwinden fehlt noch immer jede Spur von den Zwillingen Livia und Alessia. Die Suche geht weiter – auch wenn sich ein weiterer Hoffnungsschimmer in Luft auflöste.

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Seit dem 30. Januar 2011 werden die Zwillinge Livia und Alessia vermisst. Ihr Vater Matthias S. hatte die beiden von zuhause mitgenommen. Am 3. Februar nahm er sich das Leben. Die Zwillinge sind seither nicht aufzufinden. Laut einem Zeugen sollen die beiden anfangs Juli am Strand von Termoli in Zentralitalien gesehen worden sein. Sie sind sechs Jahre alt. (Auf diesem Bild: Livia) Die Eltern hatten sich wenige Monate vor ihrem Verschwinden getrennt. (Auf diesem Bild: Alessia) Der letzte Grosseinsatz der Waadtländer Polizei auf der Suche nach den Mädchen: Am 14. und 15. April wurde die Gegend zwischen Morges und Saint Prex VD abgesucht. Gesucht wurde auch auf und im Genfersee. Rund 140 Polizisten, Zivilschützer und Spürhunde durchkämmten die Gegend. Darunter waren auch Beamte mit Spürhunden aus Frankreich und Österreich. Die Gegend wurde minutiös durchsucht. Ein Zeuge hatte in dem Gebiet am 30. Januar, dem Tag des Verschwindens von Alessia und Livia, einen Mann mit einem Koffer gesehen. Doch die grossangelegte Suche blieb ohne Ergebnis. Die Suche nach den Zwillingen dauert schon lange. Die Mutter Irina L. lässt nichts unversucht, um die Mädchen zu finden. Am 13. Februar trat sie in Korsika vor die Medien und bat die Bevölkerung um Mithilfe. Unzählige Spuren werden seit der Vermisstmeldung ausgewertet. So bestätigt etwa ein Bild von Matthias S. an der Autobahnzahlstelle von Nizza vom 2. Februar, dass die Mädchen zu jenem Zeitpunkt nicht mehr im Auto waren. Die Bank auf dem Rücksitz ist leer. In der italienischen Sendung «Chi l'ha visto» vom 23. Februar 2011 werden Zeichnungen von den dreckigen Stiefeln von Matthias S. gezeigt. Die Stiefel soll er am Sonntag, 30. Januar getragen haben - am Tag, an dem Livia und Alessia verschwanden. Schlammspuren fanden sich auch am schwarzen Audi, den Matthias S. am 3. Februar in Cerignola I auf einem Parkplatz abgestellt hatte. Danach warf er sich vor einen Zug. In der Villa von Matthias S. gibt es weitere Spuren: Es fehlen zwei Koffer. Ein grosser schwarzer Rollkoffer und ein mittelgrosser dunkelblauer. Im Badezimmer der Villa fanden die Ermittler zudem zwei abgetrennte Gepäckkleber und die zwei Zahnbürsten der Mädchen - alles lag zuoberst in einem Abfalleimer. Bilder einer von Überwachungskameras aus Marseille zeigen den Vater der Zwillinge, wie er an Bankomaten Geld abhebt. Auf den Bildern, die vom 31. Januar stammen, ist der Vater ohne die beiden Zwillinge unterwegs. Die Polizei in Marseille hat weitere Fotos veröffentlicht, mit denen nach den beiden Zwillingen gesucht werden soll. Will die Zwillinge auf Korsika gesehen haben: Olga Orneck. Weitere Fotos der vermissten Zwillinge Alessia (links) und Livia. Livia und Alessia. Die beiden sind zweieiige Zwillingsschwestern. Der Fluchtweg von Matthias S. und den beiden entführten Mädchen Alessia und Livia zeichnet sich immer deutlicher ab: Gesichert ist, dass der Vater die Fähre von Marseille nach Korsika nahm. Ob die Kinder dabei waren ist bereits hier ungewiss. Sicher ist: Matthias S. kehrte alleine wieder aufs französische Festland zurück und reiste mit seinem Auto vermutlich Richtung Süden weiter. In Vietri sul Mare, südlich von Neapel, wurde er in einer Pizzeria gesichtet. Am gleichen Abend nahm sich Matthias S. im süditalienischen Cerignola das Leben. Jean-Christophe Sauterel von der Kapo Waadt erklärt den Medienvertretern die Route von Matthias S. Die Mutter, begleitet von ihrem Bruder, hat am 9. Februar im italienischen Staatsfernsehen einen verzweifelten Aufruf gemacht. Valerio Lucidi, der Onkel der Zwillinge, gibt in St-Sulpice den Medien Auskunft über die Ermittlungen. Das Medieninteresse ist gewaltig. Mit diesen Bildern hat die Polizei zu Beginn gefahndet. Ihr Vater Matthias fuhr vermutlich am Sonntagabend mit den Kindern nach Frankreich. Spuren gibt es aus den Städten Annecy, Toulon und Marseille - allerdings nur vom Vater. Er lebt seit September 2010 getrennt von seiner Frau. Sie reichte die Scheidung ein, er wollte offenbar das gemeinsame Sorgerecht. Eine Fähre läuft im Hafen von Marseille Richtung Korsika aus. In der südfranzösischen Stadt kaufte der Vater am Montag, 31. Januar, drei Tickets für die Schifffahrt nach Korsika. Mindestens drei Zeugen wollen Alessia, Livia und Matthias S. auf der Überfahrt gesehen haben. In dieser Kabine sollen sie übernachtet haben. Spuren wurden aber keine gefunden. Am Donnerstagabend, 3. Februar, um ca. 23 Uhr setzte der Vater seinem Leben ein Ende. Er warf sich beim Bahnhof von Cerignola in der Nähe von Bari vor einen Zug. Von den Kindern fehlt jede Spur. Das Auto des Vaters wurde am Bahnhof von Cerignola abgeschlossen aufgefunden. Einen Hinweis über den Verbleib der Töchter fanden die Ermittler nicht. Der Wagen gehört eigentlich der Mutter der Zwillinge. Suchtrupps mit Spürhunden suchten in der Umgebung von Foggia nach Spuren der vermissten Zwillinge. Die Polizei suchte am Wohnort der Zwillinge nach Hinweisen über den Verbleib der Kinder. Gefunden hat sie dort das Testament des Vaters. Als Erben sind seine Töchter aufgeführt: Seine von ihm getrennte Frau sollte nur den Pflichtteil erhalten. Am 5. Februar 2011 versammelten sich dutzende Personen in Saint-Sulpice (VD) zu einem Solidaritätsmarsch. Mit dem Marsch wollten die Teilnehmer der Familie der verschwundenen Zwillinge Trost und Unterstützung signalisieren.

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«Die Situation ist eigentlich hoffnungslos, genauso hoffnungslos wie vor einem Jahr», sagt Irina Lucidi, Mutter der vermissten Zwillinge Livia und Alessia, gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Und doch: «Ich behalte die Hoffnung.» Solange die Ermittlungen weiter gingen, wolle sie diese nicht aufgeben.

Am Montag jährt sich die Entführung der Mädchen zum ersten Mal. Vater Matthias S. hatte die Sechsjährigen damals über das Wochenende betreut und sie danach nicht mehr zurückgebracht. Er fuhr vielmehr mit seinem Auto nach Marseille und nahm die Fähre nach Korsika. Vier Tage später beging er Selbstmord in Süditalien – nicht ohne eine Botschaft zu hinterlassen, dass die Mädchen «nicht leiden mussten».

«Wir haben bis heute keinen einzigen eindeutigen Beweis, dass die Zwillinge auf der ganzen Fahrt des Vaters dabei waren», sagt Kapo-Sprecher Sauterel. Zeugen wollen die drei zusammen auf der Fähre gesehen haben. Hat er die Sechsjährigen gar über Bord geworfen? Auch ein Jahr später bleibt damit die wichtigste Frage, der Verbleib der Mädchen, unbeantwortet.

Help-Line ab Montag

Mutter Irina Lucidi will nun die Wut und die Verzweiflung, die sich in ihr aufgestaut hätten, zugunsten anderer Kinder in etwas Positives umwandeln: «Dies hilft mir, besser zu leben, Hoffnung zu haben auf eine bessere Welt.» Am 7. Oktober 2011, dem siebten Geburtstag der Zwillinge, hat sie deshalb die Stiftung «Missing Children Switzerland» ins Leben gerufen. Die Organisation lebt von privaten Spenden und zählt zwischen 10 und 15 Angestellte und freiwillige Helfer.

Deren Herzstück, eine Help-Line mit der Nummer 0848 116 000, wird am Montag in Betrieb genommen und soll rund um die Uhr funktionieren. Das Angebot will die Behörden bei Ermittlungen unterstützen, aber auch präventiv wirken. «Wir sehen die Helpline keineswegs als Konkurrenz zur Polizeiarbeit, sondern vielmehr als sinnvolle Ergänzung», so Kapo-Sprecher Sauterel zu 20 Minuten Online, der in regelmässigem Kontakt mit der Zwillingsmutter steht.

Hellseher melden sich nicht mehr

Die öffentliche Teilnahme am Schicksal der Zwillinge hat in den letzten Monaten abgenommen: «Seit Anfangs Jahr hat uns zum Beispiel kein einziger Hellseher mehr angerufen. 2011 waren es noch hunderte», so Sauterel. Für die Polizei ist der Fall aber längst noch nicht ad acta gelegt: Die Ermittlungen laufen in Italien, Frankreich und der Schweiz weiter, wie der untersuchende Staatsanwalt, Pascal Gilliéron, bestätigt.

Kürzlich sind gar drei Waadtländer Beamte «in ein europäisches Land» gereist. Wie Sprecher Sauterel sagt, sei auf einem Foto ein Kind gesehen worden, das Livia gleiche. Vor Ort mussten die Polizisten dann aber feststellen, dass es sich um ein anderes Mädchen handelte.

(fum/sda)

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  • Warum die Kinder am 28.01.2012 08:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Riva

    Mein Gott, was haben die sich Gegenseitig angetan, dass Liebe in abgrundtiefen Hass umgewandelt wurde.Nie, einfach nie darf die Rache über unschuldige Kinder laufen.

  • Mr. Doom am 28.01.2012 07:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    An die Familie

    Ich wünsche der ganzen Familie viel Kraft. Mein Vater sagte stets die Hoffnung stirbt zuletzt. Unsere Gedanken sind bei euch.

  • Brumm B am 28.01.2012 07:36 Report Diesen Beitrag melden

    Wahnsinnig

    Dieser Vater hat die Mutter auf die übelste Art und Weise bestraft. Er hat ihr nicht "nur" die Kinder genommen sondern auch die Gewissheit was mit ihnen ist und wo sie sind, ob sie leben oder nicht. Und das scheint sich noch lange so hinzuziehn. Jedesmal wenn wieder ein Artikel über die Kleinen erscheint werde ich fast wahnsinnig weil es wieder nichts Neues zu berichten gibt. Manchmal wäre es mir lieber die Medien würden nicht mehr darüber berichten bis es was Konkretes gibt, andererseits ist es auch wichtig die Geschichte aufrecht zu erhalten. Viel Mut der Mutter!!

    • sweedy am 28.01.2012 08:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      stimmt

      du hast recht es ist bei mir nämlich genauso.

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