Eine Dorf- und Porno-Posse

08. Juli 2008 15:45; Akt: 08.07.2008 17:07 Print

Auf der Riederalp da gibts koa SündAuf der Riederalp da gibts koa Sünd

von Marius Egger - Bekannt ist die Riederalp primär als Tourismusregion. Aber nicht nur: Die Gemeinde ist auch vermeintliche Spielwiese von «6 heissen Walliserinnen». Und die bringen nicht nur das Blut von Pornoliebhabern in Wallung.

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«7 saugeile Kapitel und 6 heisse Walliserinnen» erregen derzeit die Gemüter auf der Riederalp. Mit diesen einführenden Worten wird auf der Homepage des Erotikversandhandels Libosan der Sexfilm «Neues von der Riederalp» beworben. Der Film dauert 180 Minuten und kam im Februar in den Handel. 3000 Exemplare gingen bisher über den Ladentisch. Weil sich inhaltlich jedoch nichts um lokale Neuigkeiten, dafür alles um den Austausch von Körperflüssigkeiten dreht, sieht nun die ganze Tourismusgemeinde Riederalp rot.

«Ganz schlechte Werbung»

«Dass unser Name in Zusammenhang mit einem solchen Film gebracht wird, wollen wir nicht tolerieren», sagt Helen Jeitziner, Gemeindeschreiberin der Gemeinde Riederalp, auf Anfrage. Auf die ungewollte Publicity könne man gerne verzichten. «Für uns ist das ganz schlechte Werbung und hinterlässt einen faden Nachgeschmack», sagt Jeitziner.

Das finden offenbar auch die Gäste auf der Walliser Alp. Auf den schlüpfrigen Pfad gebracht wurde die Gemeindeverwaltung nämlich von einem aufmerksamen Feriengast. Dieser habe ein Inserat in einer Zeitung gelesen und die Verantwortlichen informiert. Danach seien «weitere Meldungen» eingegangen, sagt Jeitziner. Den Gemeindeverantwortlichen ging das bunte Treiben schnell zu weit.

Gemeinderat prüft rechtliche Schritte

«Das Thema wurde im Gemeinderat beraten. Darauf wurde ein Anwalt eingeschaltet», sagt die Gemeindeschreiberin weiter. Gestern nun wurde ein Brief an den Inhaber des Erotikversandhandels von Libosan geschickt. Die Tourismusgemeinde Riederalp fordert den Libosan-Chef darin «unmissverständlich auf, den Namen Riederalp im Zusammenhang mit der Firma libosan.ch nicht mehr zu nennen». Den Libosan-Verantwortlichen gibt man zehn Tage Zeit, um die Sache zu bereinigen. Jeitziner: «Wir sind uns sicher, dass wir recht haben. Wir werden nun kontrollieren, ob der Zusammenhang entfernt wird.» Ansonsten wolle man rechtliche Schritte einleiten.

Anders sieht das der Inhaber von Libosan. «Beim Namen Riederdalp handelt es sich klar um einen Flurnamen», sagt Thomas Scheurer. Solche seien als Marken nicht schützbar, glaubt er. «Und da wir in einer anderen Branche tätig sind, gibt es auch keine Verwechslungsgefahr», findet Scheurer und fügt an: «Das ist wasserdicht».

Der Konflikt kommt nicht ungelegen

Allerdings handelt es sich beim Filmtitel um einen Marketingtrick. Scheurer macht keinen Hehl daraus: «Der Film wurde nicht auf der Riederalp gedreht.» Kulisse für das bunte Treiben bildete das Salzburgerland. Regie führte ein gewisser Hans Möstl. Wirklich Neues von der Riederalp gibt es also nicht zu sehen. Scheurer sagt mit Blick auf den entflammten Konflikt: «Es ist nicht unerfreulich, dass es jetzt um den Film solchen Wind gegeben hat.» Klar ist auch, weshalb: In seinem Büro lagern noch 2000 DVDs mit «7 saugeilen Kapiteln».