72 tote Immigranten

03. September 2010 15:29; Akt: 04.09.2010 13:57 Print

«Sie schossen auf mich und töteten die anderen»«Sie schossen auf mich und töteten die anderen»

Der grausige Mord an 72 illegalen Einwanderern in Mexiko löste in ganz Lateinamerika Erschütterung aus. Nun meldet sich einer der beiden Überlebenden des blutigen Massakers erstmals zu Wort.

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In diesem Haus fand am 25. August die mexikanische Armee die Leichen der 72 illegalen Einwanderer. (Bild: EPA)

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Die Särge mit den 35 ermordeten Honduranern wurden am Mittwoch und am Donnerstag von der mexikanischen Luftwaffe zurück in ihre Heimat geflogen und den Angehörigen übergeben. Auch Luis Freddy Lala, ein junger Ecuadorianer, der das Massaker vom 25. August wie durch ein Wunder überlebt hatte, wurde nach Hause geflogen.

Nach bisherigen Erkenntnissen ist Lala einer von nur zwei Überlebenden - der andere ist ein Honduraner – eines blutigen Massakers, das letzte Woche ganz Lateinamerika erschütterte: Die mexikanische Armee hatte auf einer Farm in der Region Tamaulipas, an der Grenze zu den USA, ein Massengrab mit den Leichen von 72 illegalen Einwanderern gefunden. Jetzt, da er in Sicherheit ist, getraut sich Lala erstmals über den Vorfall zu sprechen.

Bei San Fernando über die Grenze

In einem Interview mit dem ecuadorianischen Fernsehen schilderte Lala Details des Vorfalls. Der 18-Jährige soll demnach mit insgesamt 76 weiteren Einwanderern in Mexiko unterwegs gewesen sein. Er selber war in Ecuador gestartet. Auf seiner langen Reise in die USA sei er in Guatemala und Honduras auf andere gestossen, die in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft in Richtung Norden aufgebrochen waren.

«Alles war da noch in Ordnung», erzählt er. Ab Guatemala sei es dann eine grössere Gruppe Menschen geworden. Sie sollten ganz Mexiko durchqueren, um bei San Fernando, im Bundesstaat Tamaulipas, illegal über die US-Grenze zu gehen. Doch sie kamen nicht weiter.

Es waren die Zetas

Am 21. August seien sie plötzlich von drei Autos umzingelt worden. Acht bewaffnete Männer hätten sie gezwungen, einzusteigen. «Sie haben uns zu einem Haus gefahren, wo sie uns in Vierergruppen die Hände hinter dem Rücken verbunden haben», erzählte Lala. Als die Einwanderer sich geweigert hätten, sich der Bande anzuschliessen, habe die Gang das Feuer eröffnet.

«Ich hörte, wie sie auf meine Freunde schossen. Sie schossen auch auf mich und töteten alle anderen.» Der Ecuadorianer habe zwei Minuten gewartet und sei dann geflüchtet. Er konnte sich anschliessend verletzt zu einen Armeekontrollpunkt schleppen und von dem Massaker berichten. Daraufhin griff die Armee mit Unterstützung aus der Luft die Farm an.
Lala erinnert sich, auf dem Weg zum Kontrollpunkt zwei Männer getroffen zu haben, die sich weigerten, ihm zu helfen.

Nach Lalas Angaben gehörten die Kriminellen der Drogenbande «Los Zetas» an. Bislang ist der Grund für das Massaker nicht bekannt. Der Ecuadorianer gab am Schluss des Interviews allen einen Ratschlag, die wie er aus ihren Dörfer aufbrechen, um das Glück in den USA zu suchen: «Tut das nicht. Bleibt zu Hause. Die «Zetas» töten viele Menschen.»

(kle)