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Hirtenbrief
20. März 2010 12:03; Akt: 22.03.2010 15:24 Print
Missbrauchsopfer vom Papst enttäuscht
Irische Opfer sexueller Gewalt haben sich tief enttäuscht über den Hirtenbrief des Papstes gezeigt, in welchem dieser den Missbrauch von Minderjährigen «aufrichtig bedauert» hat.
Der Brief an die Katholiken in Irland sei weit davon entfernt, die Sorgen der Opfer sexueller Gewalt anzusprechen, erklärte das Bündnis One in Four. Das Schreiben von Benedikt XVI. konzentriere sich zu stark auf die rangniederen irischen Priester ohne die Verantwortung des Vatikans zu unterstreichen. Zudem fordere der Papst das Oberhaupt der katholischen Kirche in Irland, Kardinal Sean Brady, nicht wie von Opfergruppen gefordert zum Rücktritt auf.
Der Papst hat sich in einem Hirtenbrief zu den Vorfällen in der katholischen Kirche Irlands geäussert.(Bild: Keystone)
Der irirsche Kardinal Sean Brady verteilt in einer Messe Kopien des Hirtenbriefs an Gläubige.(Bild: Keystone)
Hirtenbrief
Der am Samstag veröffentlichte Hirtenbrief von Papst Benedikt XVI. geht an die irischen Bischöfe, die ihn in ihren Gemeinden verlesen. Grundsätzlich handelt es sich bei einem Hirtenbrief um ein Rundschreiben von Bischöfen an die Gläubigen. Die Verfassung eines Hirtenbriefes ist also kein Vorrecht des Papstes.
Die Schreiben der Bischöfe als «Oberhirten» befassen sich mit Glaubensfragen, aber auch mit gesellschaftlichen Fragen der Zeit. Regelmässig werden sie zur Fastenzeit veröffentlicht.
Erste Vorläufer waren nach Angaben der deutschen Bischofskonferenz die Apostelbriefe. Unmittelbar gehen die Hirtenbriefe auf den Mailänder Kardinal Karl Borromäus (1538-1584) zurück.
Der Papst selbst schreibt Schätzungen zufolge pro Jahr etwa zehn Hirtenbriefe. Sie sind nicht zu verwechseln mit den Enzykliken des Kirchenoberhauptes. Bei diesen handelt es sich um päpstliche Lehrschreiben, in denen sich der Papst in verbindlicher Weise zu grundlegenden Fragen äussert.
Papst Benedikt XVI. veröffentlichte seit 2005 bislang drei Enzykliken, zuletzt im Juli 2009 eine Sozialenzyklika. Sein Vorgänger Johannes Paul II. veröffentlichte in den 26 Jahren seines Pontifikats 14 Enzykliken. (sda)
Papst Benedikt XVI. hat in
dem Hirtenbrief an die irische Kirche den Missbrauch von Minderjährigen «aufrichtig bedauert» und die Bestrafung der Verantwortlichen gefordert. Er drückte «im Namen der Kirche offen die Schande und die Reue aus, die wir alle fühlen». Es werde manchmal schmerzhafte Hilfsmittel brauchen, um die Wunden zu heilen und die Kirche in Irland in einem langwierigen Prozess zu erneuern. Zu den Missbrauchsfällen in Deutschland, Österreich und der Schweiz äusserte sich Benedikt nicht.
Vertrauen verraten
«Erkennt eure Schuld öffentlich an, unterwerft euch der Rechtsprechung», lautet die Forderung des katholischen Kirchenoberhauptes an die Priester und Ordensleute, die Kinder in Irland missbraucht haben. Sie hätten das in sie gesetzte Vertrauen verraten.
Benedikt kündigte konkrete Initiativen zum Umgang mit dem Skandal in Irland an. So werde er eine apostolische Visitation in einigen Bistümern abhalten.
Die katholische Kirche in Irland war im vergangenen Jahr durch zwei Untersuchungsberichte schwer erschüttert worden: Diese hatten den jahrzehntelangen tausendfachen Missbrauch von Kindern unter dem Dach der Kirche dokumentiert.
Hirtenbrief soll Neuanfang sein
Der Hirtenbrief des Papstes zum Missbrauchsskandal ist nach Ansicht des Oberhauptes der irischen katholischen Kirche, Kardinal Sean Brady, ein zentraler Schritt auf dem Weg zu einer Erneuerung der Kirche.
«Lasst uns beten, dass dies jetzt der Beginn einer grossen Zeit der Wiedergeburt der irischen Kirche wird», sagte Brady am Samstag, nachdem er den Brief in einer Messe im nordirischen Armagh verlesen hatte.
Für den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, enthält der Hirtenbrief «klare Weisungen für die gesamte Kirche». «Was er ihnen sagt, hat Geltung für die ganze Kirche und ist eindeutig eine Botschaft auch an uns in Deutschland», sagte Zollitsch laut einer Mitteilung.
Ohne Wenn und Aber verurteile der Papst die schrecklichen Verbrechen, die an jungen Menschen begangen wurden. Vorrang habe für den Papst die Perspektive der Opfer. «Deshalb kritisiert er den zum Teil übermässigen Täterschutz, den die Kirche häufig praktiziert habe.»
Fehler nicht wiederholen
«Wir wissen, dass auch bei uns in Deutschland Fehler gemacht wurden. (...) Wir dürfen Fehler nicht wiederholen und brauchen auch in Deutschland eine lückenlose Aufklärung und uneingeschränkte Transparenz. Daran arbeiten wir in allen Bistümern», sagte Zollitsch.
Der Skandal sexuellen Missbrauchs sei kein bloss irisches Problem, «er ist ein Skandal der Kirche an vielen Orten und er ist der Skandal der Kirche in Deutschland».
(sda/dapd)


























