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Fasnacht
04. Februar 2010 22:10; Akt: 04.02.2010 21:08 Print
Frömmler gehen auf Kindergärten los
von Deborah Rast - Keine Hexen, keine Zwergli, keine Fasnacht – radikale Christen terrorisieren Kindergärtnerinnen. Viele haben bereits resigniert.
«Nicht Muslime machen uns Kindergärtnerinnen das Leben schwer, sondern radikale Christen», sagt Kindergärtnerin A.M.* Eine Umfrage von 20 Minuten zeigt, dass sehr viele Kindergärtnerinnen schon von radikalen Christen wegen ihrer Unterrichtsgestaltung unter Druck gesetzt wurden. So auch I.B.*, die eigentlich Hexen thematisieren wollte. «Das sollte ganz harmlos sein mit Verkleiden und Zaubersprüche-Lernen», erzählt sie. Doch gleich mehrere Eltern, Mitglieder einer radikalen Freikirche, sahen dies anders: «Sie meinten, dass Hexen in enger Verbindung mit dem Teufel stünden», so I.B. Sie gab dem Druck nach und änderte das Thema. In einem anderen Kindergarten versuchten Eltern ein bestimmtes Buch zu verbieten. Grund: Da es von zwei männlichen Hasen handelte, verdächtigen sie diese, schwul zu sein.
Mitglieder radikaler Freikirchen wollen gewisse Bräuche im Kindergarten verbieten. (Bild: AP)
Auch christliche Bräuche wie Fasnacht oder Samichlaus sind im Kindergarten keine Selbstverständlichkeit mehr – auch diese gelten als heidnisch. «Anfangs versuchte ich die Eltern zu überzeugen, ihr Kind trotzdem in den Kindergarten zu schicken, doch mit der Zeit machte sich eine gewisse Resignation breit», erzählt A.M. Dazu gesellt sich oft Ratlosigkeit: Viele vermissen exakte Direktiven von ihrem Unterrichtskanton.
Auch bei der zuständigen Kommission des Lehrerverbandes kennt man das Problem: «Hexen, Feen, Zwerge, Kerzen – Mitglieder radikaler Freikirchen wollen alles verbieten», so Präsidentin Marie-Hélène Stäger. Den Kindergärtnerinnen rät sie, den Eltern die Stirn zu bieten und nicht ihr ganzes Lehrprogramm umzustellen. «Geht es nur um einzelne Dispensen, darf man schon mal kulant sein», so Stäger.
*Namen der Redaktion bekannt

























