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Nach dem Erdbeben
18. Januar 2010 13:38; Akt: 18.01.2010 17:16 Print
Luxusschiffe nehmen Kurs auf Haiti
Amerikanische Kreuzfahrt-Schiffe bringen auch nach dem Erdbeben Passagiere für Luxus-Ferien nach Haiti. Nicht alle fühlen sich dabei wohl, doch die Reederei verteidigt sich: Haiti brauche das Geld.
Das RCI-Schiff «Mariner of the Seas» ankert in der Bucht von Labadee. (Bild: Keystone/joe Kafka)
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Das Luxusresort Labadee an der vom Beben verschonten Nordküste der Insel wurde von der Reederei Royal Caribbean International (RCI) in Florida gepachtet. Regelmässig ankern ihre Luxusschiffe vor der Küste und ermöglichen den Passagieren einen unbeschwerten Tag beim Baden in der scharf bewachten Anlage. Auch am letzten Freitag, drei Tage nach dem verheerenden Erdbeben im rund 100 Kilometer entfernten Port-au-Prince, legte die «Independence of the Seas» in Labadee an, am Montag folgt die «Navigator of the Seas».

Der Luxustourismus angesichts des Elends kommt nicht bei allen Kreuzfahrtgästen gut an. «Ich kann mich nicht am Strand amüsieren, während zehntausende Leichen in den Strassen gestapelt werden und die Überlebenden nach Nahrung und Wasser suchen», schrieb ein Passagier auf der Website «Cruise Critic». Ein anderer befand, in Labadee zu picknicken sei schon vor dem Erdbeben schwierig gewesen angesichts der vielen hungernden Haitianer: «Ich kann mir nicht vorstellen, jetzt dort einen Burger herunterzuwürgen.»
Hunderte leben vom Resort
Andere äusserten die Furcht, verzweifelte Menschen könnten den vier Meter hohen Zaun um das Resort überwinden, und viele gaben an, sie wollten sich die Ferien nicht vermiesen lassen. Die Reederei verteidigte ihre Entscheidung, Haiti weiter im Programm zu behalten. Man habe umfassend darüber debattiert, doch letztlich sei Labadee wichtig für Haitis Wiederaufbau. «Der Lebensunterhalt von hunderten Menschen hängt davon ab», sagte Vizepräsident John Weis gegenüber dem britischen «Guardian».
Royal Caribbean beschäftigt 230 Haitianer im Resort, etwa 300 weitere würden von einem benachbarten Souvenirmarkt profitieren. Erst kürzlich investierte die Reederei zudem rund 55 Millionen Dollar in Labadee, damit in Zukunft auch die «Oasis of the Seas», das grösste Kreuzfahrtschiff der Welt, dort anlegen kann. «Wir können die Haitianer jetzt nicht im Stich lassen, wo sie uns am meisten brauchen», sagte Weis.
Reederei spendet Einnahmen
Die Reederei betonte, sie transportiere auf ihren Schiffen auch Hilfsgüter, die vor Ort vom Hilfswerk «Food for the Poor» verteilt würden, einem langjährigen Partner. Ausserdem versprach sie eine Spende von einer Million Dollar, zudem kamen sämtliche am letzten Freitag erwirtschafteten Einnahmen der Erdbebenhilfe zugute. «Die Gäste waren darüber sehr glücklich», teilte Royal Caribbean mit.
(pbl)

























