Brunner-Prozess

06. September 2010 13:59; Akt: 06.09.2010 14:57 Print

Richter Baier - mit harter HandRichter Baier - mit harter Hand

von S. Dobel/A. Klingenfuss, DPA - Reinhold Baier verurteilte vor zwei Jahren bereits die sogenannten Münchner U-Bahn-Schläger. Sein Urteil heute war hart. Auch die Schweizer Schläger von München werden im Gericht vor ihm stehen.

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Er gilt als einfühlsam, doch mangelt es seinen Entscheidungen nicht an Strenge: Richter Baier. (Bild: Keystone/AP)

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Er gilt als einfühlsam, doch mangelt es seinen Entscheidungen nicht an Strenge. Der Vorsitzende Richter der Jugendkammer am Münchner Landgericht Baier hat seit Juli den Prozess um den gewaltsamen Tod des 50-jährigen Managers geführt. Am Montag verurteilte er die beiden Angeklagten zu hohen Haftstrafen.

«Das kann ich absolut nachvollziehen, dass Ihnen nicht wohl in Ihrer Haut ist», hatte sich Baier zum Prozessauftakt fast väterlich an den 18-jährigen Mitangeklagten gewandt. Trotzdem liess der Richter nicht locker. «Auf geht's, Herr L.», munterte er den Angeklagten zur Aussage auf.

Immer wieder fragte er nach, als der Angeklagte stockend beschrieb, wie er und sein Freund tranken, kifften, vier Schüler bedrohten und schliesslich deshalb mit dem 50-jährigen Mann in die tödliche Schlägerei gerieten.

Einsatz für Gewaltprävention

Vor zwei Jahren hatte Baier schon die sogenannten Münchner U-Bahn-Schläger zu langen Haftstrafen verurteilt. Die beiden hatten einen Rentner lebensgefährlich verletzt, nachdem er sie auf das Rauchverbot in der U-Bahn hingewiesen hatte.

Mit zwölf Jahren Haft für den zur Tatzeit 20-jährigen Täter und achteinhalb Jahren Haft für den 17-Jährigen ahndete das Gericht die nach Baiers damaligen Worten «völlig sinnlose Tat auf sittlich niedrigster Stufe».

Baier, der die Jugendkammer seit vier Jahren leitet, ist auch Vizepräsident des Bayerischen Fussballverbandes (BFV). Dort hat der gebürtige Münchner ebenfalls mit der Verhütung von Gewalt zu tun. Er führt beim BFV die Arbeitsgemeinschaft «Gemeinsam und fair» mit dem Schwerpunkt Gewaltprävention.

Richter der Schweizer Schüler

Parallel zu dem Prozess gegen die S-Bahn-Schläger leitet Baier auch die Verhandlung gegen drei Schüler aus dem Kanton Zürich. Im vergangenen Sommer hatten die damals 16-Jährigen auf einer Klassenfahrt wahllos fünf Passanten brutal zusammengeschlagen.

Der Fall der S-Bahn-Schläger, aber auch die Tat der Schweizer Schüler oder der Überfall auf den Pensionär in der U-Bahn vor nunmehr fast drei Jahren erregten viel Aufsehen. Dennoch will Baier sie nicht herausgehoben sehen: Die Verfahren, die seine Kammer verhandelt, seien letztlich «Prozesse wie alle anderen».