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Britische Aktivisten
04. August 2009 15:42; Akt: 04.08.2009 15:54 Print
Der Terror der militanten «Tierfreunde»
von Peter Blunschi - Grossbritannien ist das Mutterland des militanten Tierschutzes. Radikale Gruppen greifen dabei zu immer rabiateren Methoden. Das Repertoire reicht von Brandanschlägen über Leichenschändung bis zu Pädophilie-Vorwürfen.
Mit Protesten und Drohungen versuchten militanten Tierschützer vergeblich, den Bau eines Tierversuchs-Labors an der Universtität Oxford zu verhindern. (Bild: Keystone/Kirsty Wigglesworth)
Hinter den Angriffen auf Novartis-Chef Daniel Vasella stecken vermutlich britische Aktivisten. Das erstaunt nicht, denn nirgends ist der Tierschutz-Gedanke so tief verankert wie auf der Insel. Bereits im 19. Jahrhundert, als sich im Rest der Welt noch kaum jemand für die Rechte des Tieres interessierte, gab es in Grossbritannien eine aktive Bewegung. Sie wurde im Laufe der Zeit immer lautstärker und militanter. Bekannt ist etwa die Organisation PETA, die mit spektakulären und meist friedlichen Aktionen für Aufsehen sorgt.
Plakat der Animal Liberation Front.
Emblem der Animal Rights Militia.
Daneben hat sich eine gewaltbereite Szene entwickelt, für die vor allem die in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts gegründete Animal Liberation Front (ALF) steht. Sie verfolgt ihre Ziele auf zwei Wegen: die Befreiung von Tieren – wie es der Name sagt – aus Labors, Farmen oder auch Zirkussen und Sabotageakte gegen Einrichtungen, die irgendwie mit Tieren zu tun haben. Dazu gehören chemische Betriebe, Schlachthöfe, Tierhandlungen und Restaurants, die tierquälerische Produkte wie Gänseleber anbieten.
Erfolge blieben nicht aus, die ALF brachte etwa die Pelztierzucht in Grossbritannien zum Erliegen. Doch dabei blieb es nicht, vielmehr gerieten zunehmend Menschen ins Visier der militanten «Tierfreunde». 1980 wurde die Garage eines Angestellten des Chemiekonzerns Glaxo Wellcome verwüstet – dies gilt als erster direkt gegen eine Einzelperson gerichteter Angriff der Aktivisten. Allerdings betonte die ALF stets, dass bei ihren Aktionen weder Menschen noch Tiere zu Schaden kommen sollen.
Gewalt gegen Menschen
Dies genügt den noch radikaleren Elementen nicht. In den 80er Jahren tauchte die Animal Rights Militia (ARM) auf. Ihr Emblem erinnert an die deutsche Terrororganisation Rote Armee Fraktion (RAF), nur dass es grün statt rot ist. Ihre Anhänger glauben, dass die ALF «nicht weit genug geht», sie schliessen Gewalt gegen Menschen nicht aus. Gleich der erste Anschlag sorgte für Aufsehen: Im Namen der ARM wurden 1982 Briefbomben an Premierministerin Margaret Thatcher, den Innenminister und die Chefs der drei Oppositionsparteien gesandt. Ein Mitarbeiter Thatchers erlitt leichte Verbrennungen.
Weitere Anschläge folgten, und 1985 liess die ARM gegenüber einer Zeitung verlauten: «Wir werden bis zum Äussersten gehen, um die mörderischen Aktivitäten der Tierschänder zu verhindern. Wenn dies die Tötung eines Menschen bedeutet, werden wir nicht davor zurückschrecken.» So weit kam es allerdings nie, und seit den 90er Jahren haben sich die Aktivitäten der Extremisten vermehrt auf Psychoterror verlagert.
Langjährige Haftstrafen
So wurden zwei Brüder, die Meerschweinchen für das Tierlabor Huntington Life Sciences züchteten, mit einer sechsjährigen Kampagne regelrecht zermürbt. Der Leichnam der Schwiegermutter eines Bruders wurde von einem Friedhof gestohlen und in einem Wald vergraben. Der andere Bruder wurde der Pädophilie bezichtigt. Solche «Erfolge» stacheln die Aktivisten an, und die Familien der «Tierschänder» werden nicht verschont, sie werden Opfer von Telefonterror und anderen Einschüchterungsversuchen.
Die Behörden blieben keineswegs untätig. Zahlreiche militante Tierschützer wurden als Brandstifter oder Bombenleger zu teils langjährigen Haftstrafen verurteilt. Zudem gibt es Bestrebungen in Grossbritannien und den USA, Organisationen wie die ALF als terroristische Vereinigungen einzustufen. Denn längst haben sie in anderen Ländern Nachahmer gefunden, auch in der Schweiz. «Tiermissbrauch geschieht zu jeder Zeit in jeder Ecke der Welt. Wo wir ihn finden, müssen wir ihn bekämpfen», erklärte Greg Avery, Gründer von Stop Huntington Animal Cruelty (SHAC), 2006 aus dem Gefängnis. Seine Organisation gilt als mögliche Urheberin der Aktionen gegen Daniel Vasella.


























