Goldrausch

19. Mai 2009 14:22; Akt: 19.05.2009 14:58 Print

Der Schatz in der Surselva

von Anja Grünenfelder - In Graubünden ist eine grossflächige Suche nach Gold geplant. Doch die Rezession macht den Goldgräbern einen Strich durch die Rechnung: Es fehlen die Investoren.

Fehler gesehen?

In den Bündner Bergen liegt Gold verborgen. So viel, dass sich der professionelle Abbau finanziell lohnen könnte. Davon ist jedenfalls die Genfer Firma MinAlp SA überzeugt. Sie wollte diesen Frühling mit den Bohrungen beginnen, was mehrere Millionen Franken kosten würde. Dies übersteigt die finanziellen Möglichkeiten der MinAlp bei Weitem. Die Genfer Firma hofft auf das Engagement von zwei kanadischen Bergbaufirmen, die Interesse an dem Projekt bekundet haben.

Vielversprechende Bodenproben

In Graubünden im grossen Stil nach Gold zu bohren, scheint im ersten Moment ein seltsames Unterfangen. Bodenproben der MinAlp SA belegen aber Goldmengen zwischen 2 und 14 Gramm pro Tonne Stein. Diese Ergebnisse sind erfolgsversprechend – auch für die kanadischen Interessenten. In Kanada reicht bereits ein Fund von 2 Gramm Gold, um ein Bergwerk zu starten.

Auf grosse Erfolge hoffen lässt auch eine Entdeckung von René Reichmuth. Der Goldsucher spürte in der Surselva vor bald neun Jahren 1,4 kg Berggold in Quarzstein auf. Bis heute gilt der Goldfund als der bedeutendste der Schweizer Alpen.

Trotzdem ist das Goldvorkommen in der Schweiz, verglichen mit Südafrika oder den USA, gering. Gerade darin liegt aber auch die Attraktivität. «Berggold oder generell Gold aus der Schweiz ist wertvoll, weil es selten ist», sagt René Rigoleth, Präsident der MinAlp SA und Rechtsanwalt aus Zürich. Auch werde Gold – ähnlich wie Diamanten – immer häufiger mit einer Herkunftsbezeichnung versehen, um den Kauf von sogenanntem Blutgold aus Afrika zu vermeiden. Die Kunden würden heute Wert legen auf eine umweltfreundliche und sozialverträgliche Produktion.

Gute Preise für Berggold

Das Gold aus den Bündner Bergen soll laut Rigoleth auf dem Weltmarkt verkauft werden. Ein kleiner Teil der Produktion würde als «Surselva Gold» oder «Swiss Gold» gekennzeichnet. Die Idee basiere auf der Erfahrung, dass dafür ein besserer Preis bezahlt werde, so Rigoleth. «Ich stelle mir vor, dass aus Surselva Goldvreneli oder Gedenkmünzen geprägt und Schmuckstücke oder Schweizer Golduhren gefertigt werden könnten.»

Im grossen Stil nach Gold schürfen kann nicht jeder in Wildwest-Manier. An das Vorhaben sind Auflagen der Gemeinden gekoppelt. «Damit ein Bergwerk in der Surselva gestartet werden darf, müssen mindestens acht Gramm Gold im Gestein vorhanden sein», erklärt René Rigoleth. Diese Verordnung ist mit den Goldvorkommen im Tavetscher Zwischenmassiv bereits erfüllt. Auch eine Explorationsbewilligung von den Gemeinden Tujetsch, Medel/Lucmagn, Disentis/Mustér, Sumvitg und Trun hat die Gesellschaft im Jahr 2006 erhalten. Gültig ist sie fünf Jahre lang. Die Zeit drängt – auch wenn die Bewilligung verlängert werden kann.

Projekt stösst bei Pro Natura Graubünden auf wenig Gegenliebe

Die Explorationsbewilligung erlaubt der Firma vorerst, Probebohrungen vorzunehmen. Um das Gold später abzubauen, muss die MinAlp SA bei den Standortgemeinden ein weiteres Gesuch einreichen. Mit dem Abbau können sie frühestens in fünf bis sechs Jahren starten.

Wenn es dann soweit ist, gilt es einiges zu beachten: «Die Mine muss unterirdisch angelegt werden, um die Natur zu schonen», so Rigoleth. Damit sind die Bedenken des Naturschutzes jedoch noch nicht aus dem Weg geräumt. Christian Geiger, Geschäftsführer von Pronatura Graubünden, äussert vor allem Bedenken, was die Deponie des Aushubs angeht: «Der Abraum wird um Potenzen höher sein, als tatsächlich Gold vorhanden ist.» Wohin also mit all dem Schutt?

«Goldaushub gehört auf Sondermüll»

«Der Aushub wird deponiert, in die Stollen zurückgeführt oder als Ausgangsmaterial für Kies verwendet», sagt Rigoleth. Schliesslich ist die Surselva nicht zum ersten Mal mit Deponieproblemen konfrontiert. Der längste Eisenbahntunnel der Welt verursacht ebenfalls eine Menge Schutt. «Im Gegensatz zum Neat-Aushub, der teilweise wiederverwertet werden kann, muss der Goldaushub auf den Sondermüll», erwidert Geiger. In den Stollen zurück gehöre das Material jedenfalls nicht. Das wäre eine Zeitbombe.

Denn beim Goldabbau kommt Chemie zum Einsatz – allerdings erst in einer späteren Produktionsstufe. Das Gestein wird zuerst gesprengt und in Brocken aus dem Berg geholt. Danach wird es zerkleinert und mittels einer Mühle zu feinem Schlamm gemahlen. Das Rohgold wird schliesslich chemisch behandelt, um das Gold herauszulösen. Die letzte Stufe muss nicht vor Ort erfolgen. «Das Rohgold ist bereits in einer handelsüblichen Form, sodass es nötigenfalls über grössere Distanzen zur Weiterverarbeitung transportiert werden kann», erklärt Rigoleth.

Genügend Käufer

Abnehmer dürften schnell gefunden sein, besonders, wenn das Vertrauen in Aktien weiter schwindet und Anleger lieber in Realwerte investieren. So rechnet auch Rigoleth mit Investoren, Notenbanken und Sparern als Käufer der Goldbarren. Solange die kanadischen Bergbaufirmen jedoch in der Wirtschaftskrise stecken, bleibt das viele Gold aus der Surselva für die MinAlp SA ein unerreichbares Gut – ein El Dorado in Graubünden.

Immobilien

powered by

Immobilien finden

PLZ
Preis bis
Zimmer bis

Nachmieter finden? Jetzt bei homegate.ch inserieren