Botellón-Debatte

19. August 2008 14:56; Akt: 21.08.2008 13:24 Print

Massen-Flirt statt kollektives BesäufnisMassen-Flirt statt kollektives Besäufnis

von Adrian Müller - Bereits im vergangenen Sommer verabredeten sich in Bern und Luzern via Internet hunderte Studierende zum gemeinsamen, allerdings harmlosen Grillabend. Der Flirtfaktor war hoch. Und auch hinter den aktuellen Botellones steckt mehr als nur der Wille zum Saufen.

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In Genf, Zürich, Bern, Schaffhausen und neu auch in Basel: Überall verabreden sich tausende Jugendliche via Facebook zum gemeinsamen Kampftrinken. Die kleine, schüchterne Schwester dieses aus Spanien kommenden Massenbesäufnisses namens Botellón fand bereits im vergangenen Sommer statt; in Form einer idyllischen Massengrillade oberhalb von Luzern. Rund 200 Studierende trafen sich damals auf dem idyllisch gelegenen Hügel beim Musik-Konservatorium und feierten bei Wurst und Dosenbier das grösste Grillfest der Luzerner Geschichte. Wie beim Botellón hatten sich die Teilnehmer via eines Social-Networks («studiVZ») zur gemeinsamen Gartenparty verabredet.

«Es ist so friedlich hier»

Trotz der riesigen Anzahl an Grillmeistern* kam es damals zu keinen Auseinandersetzungen: «Es ist so friedlich hier, dieser Anlass erinnert mich an die Campus-Filme aus den USA», freute sich eine Studentin gegenüber dem Luzerner Studentenmagazin «Schuelheft». Selbst als die Polizei aufkreuzte und den Park um 22 Uhr schloss, blieb es ruhig. Dies gilt auch für einen ähnlichen Anlass, der wenig später im Berner Eicholz stattfand. Und dort drückten die Behörden sogar beide Augen zu: trotz 300 trinkfreudiger Studenten gab es keine Intervention seitens der Stadt.

Man kommt sich leicht näher

Die Faszination solcher Internet-Treffen liegt primär darin, Leuten aus den Social-Networks einmal im realen Leben zu begegnen – und neue Bekanntschaften zu knüpfen. Der Flirtfaktor dieser Studenten-Treffen erwies sich jedenfalls als ausserordentlich hoch: «Hier ist es wie an Openairs, man lernt sehr leicht neue Leute kennen», meinte ein Luzernern HSW-Student.

Bei «normalen» Streifzügen durch das Nachtleben fällt dies schwerer: In Diskotheken ist es vielfach zu laut, um ein vernünftiges Gespräch zu führen. Zudem weilen meist deutlich mehr Männer als Frauen in den Clubs, was die Partnersuche erheblich erschwert.

«Hohes Risiko, flachgelegt zu werden»

Das Verlangen nach dem anderen Geschlecht dürfte also mit ein Grund sein, wieso sich in Zürich via Facebook bereits 5000 Menschen für das Massenereignis angemeldet haben. «Unter den Feiernden wird es sicherlich viele Frauen haben, betrunkene Frauen. Ein einfacher Fang», freut sich ein Teilnehmer und reibt vermutlich schon die Hände.

Die Botellones, von denen aktuell die Rede ist, stossen diesbezüglich allerdings in völlig neue Dimensionen vor: Das Trinken im Übermass steht dort klar im Zentrum, die Teilnehmer sind mehrheitlich sehr jung – und haben klare Absichten: «Saufen erhöht das Risiko, flachgelegt zu werden», steht auf der Webseite des Berner Botellón-Veranstalters. Der plumpe Spruch zieht allerdings nicht wirklich: In Bern haben sich erst 300 Personen zum gemeinsamen Trinken verabredet.

Zur grossen Umfrage «Botellón - Ärgernis oder grosser Spass» geht es hier.

*Der 20 Minuten Online Reporter kehrte an der Riesen-Grillade seine Würste

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  • Sarah am 31.08.2008 15:50 Report Diesen Beitrag melden

    =)

    Ich war gestern da und es war gemütlich. Es ist nirgeds wirklich aus dem Ruder gelaufen und niemand hat grossen Schaden davon getragen. Ausserdem habe ich dort sehr viele neue Leute kennen gelernt!

  • Joggeli vo Züri am 30.08.2008 08:43 Report Diesen Beitrag melden

    Prost

    S'neu Rivella isch vill besser als ALK und häsch kein schwere Chopf am Morgä!

  • Hansjürg am 29.08.2008 21:42 Report Diesen Beitrag melden

    Halb so wild

    Wenn die harte Drogenszene auf der Schützenmatte toleriert wird, ist es irrwitzig die Versammlung von Jugendlichen, die auf einem öffentlichen Platz preiswerten Alkohol konsumieren wollen, zu verbieten. Wenn sich alle schön orange anziehen, wird auch der Herr Tschäppät wieder Freude haben...