21. November 2006 12:43; Akt: 21.11.2006 15:03 Print

Suche nach Komplizen des AmokläufersSuche nach Komplizen des Amokläufers

Der Amokläufer von Emsdetten hat sich mit einem Schuss aus einer altertümlichen Waffe in den Mund selbst getötet. Derweil sucht die Polizei nach den Waffenlieferanten und möglichen Mitwissern.

  • Artikel per Mail weiterempfehlen
Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Nach dem blutigen Amoklauf in einer Realschule in Emsdetten sucht die Staatsanwaltschaft nach möglichen Komplizen und den Waffenlieferanten des Amokläufers. Der Sprecher der Münsteraner Staatsanwaltschaft, Wolfgang Schweer, sagte am Dienstag, die Internet-Kontakte des 18-jährigen Täters würden darauf überprüft, ob jemand im Voraus von der Tat gewusst habe.

Gesucht wird Schweer zufolge ausserdem nach den Waffenlieferanten. Es gebe Hinweise darauf, dass der 18-Jährige sein Waffenarsenal über das Internet bezogen habe, sagte der Staatsanwalt dem Sender 24. Das Nachrichtenportal Welt.de berichtete, der Amokläufer habe allein in den vergangenen sechs Wochen auf einer Waffen-Website unter seinem Pseudonym «ResistantX» neun Mal eingekauft.

Allerdings waren zwei der drei Schusswaffen des Amokläufers ohnehin frei verkäuflich. Es handelte sich dabei nach Angaben der Polizei um ein Vorderladergewehr mit gekürztem Lauf und Griff sowie eine Vorderladerpistole. Die altertümlichen Waffen könnten ab dem 18. Lebensjahr frei erworben werden.

Mit Schuss in den Mund selbst gerichtet

Bis heute war ungewiss, wie Bastian B. ums Leben kam. Die Obduktion ergab, dass sich der 18-Jährige durch einen Schuss mit einer Vorderladerwaffe mit einem Kaliber von 15 Millimetern selbst gerichtet habe. Die Verbrennung des Schwarzpulvers in der altertümlichen Waffe habe ausserdem zu erheblichen Gesichtsverletzungen geführt, die die Identifizierung erschwert hätten.

Der Amokläufer hatte am Montagmorgen mit Rohrbomben und vier Gewehren die Geschwister-Scholl-Realschule in Emsdetten überfallen und wahllos um sich geschossen. Insgesamt wurden bei dem Überfall rund 30 Menschen verletzt, drei davon schwer. Nach der Tat hatte sich der junge Mann selbst getötet.

Tat von langer Hand geplant

«Das wird euch noch mal leid tun,» sagte der Täter nach seinem Schulabschluss. Die 15-jährige Mitschülerin Lisa Gallner berichtete, die Tat habe er schon lange geplant: «Ich hab mit ihm am 9. Juni die Abschlussfeier gefeiert, und da hat er gesagt: 'Die Lehrer werden schon noch was erleben.'» Was er damit gemeint hat, wäre klarer gewesen, wenn die Verantwortlichen die Videos gesehen hätte, die ResistantX alias Bastian B. schon Monate vor der Tat ins Netz gestellt hat.

Huldigung ans Columbine-Massacker

Auf dem Video das Bastian B. auf das Internetportal YouTube stellte, ist sorgfältig zusammengeschnitten das Massaker an der Schule von Columbine zu sehen. Der Clip ist eine regelrechte Ode an die beiden Schüler und ihren Blutrausch, der 13 Lehrer und Mitschüler das Leben kostete. Unterlegt zu sanfter Musik sind die beiden Attentäter zu sehen, bevor sie sich zum Attentat aufmachten.

Selbst in Sachen Mode wolle B. seinen amerikanischen Vorbildern nicht nachstehen. Wie die beiden Amokläufer von Columbine schritt auch Bastian B. im schwarzen Trenchcoat zur Tat in Emsdetten.

Vorbild Columbine High School: Dieses Video hat Bastian B. ins Internet gestellt.

Bastians grosses Hobby waren Waffenspiele mit Airguns. Für martialische Kriegsspiele im Wald gründete er seine eigene Truppe, die sich in Militäruniformen und mit verblüffend echt aussehenden Automatikwaffen Gefechte lieferte.