Appenzeller Starrsinn

17. September 2009 12:40; Akt: 17.09.2009 18:45 Print

«Jugopack»-Jodler: Kanton prüft Strafverfahren«Jugopack»-Jodler: Kanton prüft Strafverfahren

von Katharina Bracher / Annette Hirschberg - Die Appenzeller verstehen die Welt nicht mehr: Schliesslich sei alles nur ein «harmloser Schnupfspruch» gewesen. Doch nun prüft der Kanton ein Strafverfahren. Wegen Verstoss gegen die Rassismus-Strafnorm.

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«Wieso muss man daraus so ein Drama machen?» schreibt das Mitglied des Jodelchörli Urnäsch Werner A.* an 20 Minuten Online. Gemeint ist der angeblich harmlose Schnupfspruch, den einige junge Jodler des Vereins während einer Live-Übertragung des Schweizer Fernsehens zum Besten gaben: «(...)denn in der Bibel steht geschrieben, du sollst deine Feinde lieben, damit ist gemeint der Schnupftabak und nicht das gottverdammte Jugo-Pack.»

SF-Sportchef Urs Leutert selbst hatte den Spruch in seiner Entschuldigung als «obszön, vulgär, ausländerfeindlich und stark religiös verletzend» bezeichnet, und sich für dessen Übertragung anlässlich des Schwingerfests auf der Schwägalp am 16. August entschuldigt (20 Minuten berichtete).

Aufregung um Schnupfspruch «oberlächerlich»?

«Wir Appenzeller sind halt nicht so sensibel und haben eine rauhe Sprache», sagt Werner A. gegenüber 20 Minuten Online. Dass sich der Jodlerchörli-Präsident René Frischknecht weigerte, sich für den Spruch zu entschuldigen, kann Werner A. gut verstehen. Er findet den Spruch (siehe Infobox) nicht bedenklich und den Rassismus-Vorwurf «oberlächerlich».

Appenzeller Staatsanwalt handelt

Das könnte die Staatsanwaltschaft des Kantons Appenzell-Ausserrhoden anders sehen. «Das kantonale Verhöramt prüft derzeit, ob ein Strafverfahren wegen Verstoss gegen die Rassismus-Strafnorm eingeleitet wird», sagte Staatsanwalt Christian Bötschi gegenüber 20 Minuten Online. Bötschi hat nach eigenen Angaben erst heute Morgen im 20 Minuten vom Vorfall gelesen.

Doch die Jodler zeigen sich uneinsichtig. Präsident Frischknecht pocht auf das Recht auf freie Meinungsäusserung und Vereinsmitglied Werner A. versucht den Schnupfspruch zu relativieren: «Wir Urnäscher leben trotz des vermeintlichen Rassismus weiterhin in sehr gutem Kontakt mit den Ausländern.»

* vollständiger Name der Redaktion bekannt