Österreich

25. Februar 2009 16:28; Akt: 26.02.2009 08:31 Print

Telekom kündigt Mobbing auf YouTube anTelekom kündigt Mobbing auf YouTube an

Skandal in Österreich: Ein Vorstandsmitglied der Telekom Austria drohte, Mitarbeitern das Leben so lange schwer zu machen, bis sie ihre Kündigung «freiwillig» annehmen. Sein Pech: Die Aussagen wurden aufgenommen und über YouTube verbreitet.

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Ein hausgemachter Skandal sucht die Telekom Austria heim. Das österreichische Unternehmen kämpft seit Monaten mit Politik und Gewerkschaften um den Abbau von 2500 Mitarbeitern. Die Art und Weise des Abbaus sorgt nun für rote Köpfe. Auf YouTube ist ein Video aufgetaucht, dass den stellvertretenden Generaldirektor, Gernot Schieszler, zeigt, welcher auf die Frage eines Investors zum Abbau von angeblich überzähligen Mitarbeitern an einer Veranstaltung im Januar antwortet:

«Dann werden bestimmt einige freiwillig gehen»

«Unsere Aufgabe ist es, ein Telekom-Unternehmen wertsteigernd zu führen, und nicht, in Gärten alter Damen zu graben.» Daher habe man entschieden, Mitarbeiter «aus dem Programm herauszunehmen». Sollte es nicht möglich sein, die Mitarbeiter umzuschulen oder in andere Unternehmensbereiche zu versetzen, würde man anfangen, «sie daheim sitzen zu lassen». Dieser Prozess dauere rund vier Monate. In den ersten vier bis sechs Wochen könnten sich die Leute «offen gesagt noch wohl fühlen». Danach werde man beginnen, die Mitarbeiter anzurufen und sie für ein paar Tage zur Arbeit zu rufen, «und wenn sie dann am Telefon erklären, dass sie krank sind, werden wir ihnen den Arzt schicken. Und wenn der feststellt, dass sie nicht krank sind, dann werden wir Klagen gegen diese Mitarbeiter folgen lassen». Spätestens dann würden schon «ein paar freiwillig gehen».

Empörung bei den Mitarbeitern

Die Belegschaft ist empört und wirft der Unternehmensführung Mobbing vor. Am Mittwoch tagte der Betriebsrat der Telekom und diskutierte die fragwürdigen Aussagen. Laut der österreichischen Nachrichtenagentur APA hat Schlieszer sich umgehend bei den Mitarbeitern entschuldigt und die Aussagen als «missverständlich» bezeichnet. Wohl zu spät.

Schlieszler nicht mehr zuständig für Personalfragen

Die Unternehmensführung hat auf die fragwürdigen Aussagen reagiert und Schlieszler die Zuständigkeit für Personalfragen entzogen. «Die Aussagen von Schieszler sind ein Fehler, in Inhalt und Form», sagte der Telekom-Chef, Boris Nemsic, und bemühte sich um Schadensbegrenzung: «Es gibt kein Mobbing bei der Telekom Austria.» Um dies auch während des Personalabbaus sicherzustellen, will er einen externen Experten in die Überwachung einbinden.

Der Skandal blieb aber nicht die einzige schlechte Nachricht für das Unternehmen: Für 2008 musste das Unternehmen einen Verlust von rund 50 Millionen Euro hinnehmen, wie die Führung an der Bilanzkonferenz am Mittwoch mitteilte.

(amc)