Ihre Story, Ihre Informationen, Ihr Hinweis?
feedback@20minuten.ch 
15. Oktober 2007 11:42; Akt: 15.10.2007 14:50 Print
Silikon für die Füsse
Ein bisschen Silikon in die Fussballen gespritzt und schon tanzt man die Nächte schmerzfrei auf High-Heels durch. Die Amerikanerinnen stehen auf den neusten Kick aus der Spritze. Fachärzte warnen bereits vor dem neuen Trend.
Die Ballsaison rückt näher. Schon am kommenden Freitag wird zum Kispi-Ball ins Zürcher Kinderspital geladen und danach können Tanzfreudige praktisch jedes Wochenende im Walzerschritt übers Parkett wiegen. Dann ist wieder Durchhaltevermögen gefragt – vor allem von Frauenfüssen. Diese werden für solche Anlässe bekanntlich nicht einfach nur in bequeme Treter gesteckt, sonder meist in edlen High-Heels zur Schau getragen. Ganze Nächte in solchen Edelschuhen können eine höchst schmerzhafte Angelegenheit sein.
Schmerzen in High-Heels müssen nicht sein.(Bild: Keystone)
Infografik: Ersatzteillager Mensch
Der Fuss passend zum Schuh
Amerikanische Schönheitschirurgen haben das Problem bereits erkannt. Dort wird der Fuss passend zum Schuh angeboten: Sie verkleinern Zehen, entfernen Halluxe, sie spritzen Silikon in den Fussballen und setzen Implantate ein. Bald können auch Europäerinnen diese Dienstleistungen in Anspruch nehmen, damit lange Ballnächte auf hohen Hacken erträglicher werden.
Die Probleme sind garantiert
«Laut meinen Informationen ist es in der Tat so, dass dieser Trend aus Amerika nun auch auf Europa überschwappt», bestätigt Dr. med. Urs Graf, Fusschirurg in der Klinik Pyramide am See in Zürich. In den Staaten werde das Silikon aus kosmetischen Gründen in die Fussballen injiziert, aber auch um beschwerdefrei höhere High Heels längere Zeit tragen zu können, weiss der Facharzt. Er lehnt diese Eingriffe jedoch kategorisch ab, weil inzwischen bekannt ist, dass sie ernsthafte Komplikationen bis hin zu Invalidität zur Folge haben. «Durch derartige verantwortungslose Eingriffe in ein so komplexes Gefüge, wie es der menschliche Fuss darstellt, riskiert man mit Sicherheit sehr unerwünschte Komplikationen!»
Noch deutlichere Worte Findet Dr. med. Enrique Steiger, Facharzt FMH Plastische Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie: «Also wir dürfen nicht jeden Mist aus Amerika übernehmen. Das ist medizinisch nicht haltbar.» Er habe im Laufe seiner Karriere schon alle Körperpartieen vom Kopf bis zur Zehe behandelt. Eingriffe im Fuss würde er zuletzt vornehmen: «Der Fuss ist eine extrem heikle Körperpartie, die Probleme sind garantiert.»
«Wir berücksichtigen die Bedürfnisse der Kunden»
Dr. Sascha Dunst von der Artemedic AG, einer Klinik für Dermatologie und Plastische Chirurgie in Olten, sieht der Entwicklung weniger skeptisch entgegen. «Wenn man in der Ästhetischen Chirurgie tätig ist, dann muss man auch auf die Trends eingehen und die Bedürfnisse der Kunden berücksichtigen», meint er pragmatisch. «Wenn ich es vertreten kann, würde ich einen solchen Eingriff nicht ausschliessen.»
Trotz aller Vorbehalte muss Frau von Welt nicht ganz auf Silikon verzichten. Die Rettung kommt in Form von Einlagen, die man sich bequem in die Schuhe kleben kann. Die Silikonkissen, wie zum Beispiel «Scholl Party Feet», können in jeder Apotheke gekauft werden. So bleibt das Ballvergnügen ganz ohne schmerzhafte Spätfolgen – es sei denn, man handelt sich einen Kater ein.
Tina Fassbind, 20minuten.ch

























