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Erfinden und betrügen
21. April 2010 13:37; Akt: 21.04.2010 13:53 Print
Der Magneto-Mann
von Joel Bedetti - Keine seiner Erfindungen funktioniert. Dafür zeigte er als Betrüger grosses Talent. Vor einigen Wochen ist Michael B. in Wollerau SZ verhaftet worden.

Falsche Ambitionen: Michael B. (Bild: ZVG)
Hätte Daniel Düsentrieb einen erfolglosen, aber kriminellen Bruder – dann wäre das Michael B., Erfinder der stickstoffbasierten Feuerlöschanlage, des Magnetmotors - und mutmasslicher Millionenbetrüger.
Keine Geldnöte: B.'s letzte Heimat, das Millionärsdorf Wollerau.(Bild: Keystone)
Werbung für die Wundermotoren: Michael B. mit «Kunde».
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Michael B. wurde am Morgen des 29. März in seinem Haus an der Studenbergstrasse in Wollerau SZ verhaftet. Draussen wartete neben zwei heimischen Polizeiautos auch ein Wagen mit deutschem Nummernschild. Noch am selben Tag wurde er der Münchner Staatsanwaltschaft ausgeliefert, die den gebürtigen Südafrikaner zur Verhaftung ausgeschrieben hatte. Dies bestätigt das Verhöramt des Kanton Schwyz.
Vom Polizisten zum Erfinder
Dort hat B. mutmasslich 41 Personen um ingesamt eine Million Euro erleichtert, indem er mit seiner Firma Perendev Power gegen Anzahlung inexistente oder unbrauchbare «Magnetmotoren» oder deren Verkaufslizenzen in diversen Ländern verkauft hat. Dies berichtet das Münchner «Abendblatt».
Obwohl B. und seine «Wundermotoren» mehrere Internet-Foren füllen, gibt es kaum gesicherte Fakten über sein Leben. Gemäss dem Eintrag in einem Esoterikforum wurde B. 1949 in Südafrika geboren, war erst Polizeioffizier, wandte sich aber bald den angewandten Wissenschaften zu und nannte sich fortan «Erfinder» und tüftelte allerlei Sachen aus.
Verwirrte Ingenieure
Den Fortgang seiner Vita stellt Michael B. auf der Website von Perendev Power etwa so dar:
Er war ein genialer Erfinder, wurde aber von der ganzen Welt übers Ohr gehauen. Erst erfand er ein Wasserstrahlvortriebssystem – das klaute ihm ein neuseeländisches Unternehmen. Dann erfand er ein Ortungssystem für gestohlene Autos – das klaute ihm ein südafrikanischer Elektronikkonzern. Dann erfand er ein Batterieaufladesystem – das war so genial, dass es sogar die Ingenieure verwirrte habe und deshalb keinen Erfolg hatte. Dann erfand er eben den Magnetmotor, der die Erdanziehungskraft nutzt und deshalb quasi von selbst laufen soll.
Geht man die Einträge in den Foren durch, drängt sich aber ein Verdacht auf: Niemand scheint je eine Erfindung von B. gesehen zu haben, die auch tatsächlich funktioniert.
Stattdessen scheint sich der erfolglose Tüftler in den letzten Jahren aufs Betrügen verlegt zu haben.
Gemütlich in Grünwald
Seine Masche war recht simpel: Er verkaufte seine Magnetmotoren, die er auch mit Youtube-Videos vermarktet. Er kassierte die Hälfte als Anzahlung, und damit war das Geschäft für ihn erledigt. «Der Liefertermin verschob sich Monat um Monat mit immer neuen Begründungen», schreibt ein betrogener Kunde in einem Forum. Den Motor habe man nie gesehen.
2004 zog der Südafrikaner nach Deutschland – gemäss eigener Darstellung, weil die Lage in Südafrika politisch ungewiss war. Vielleicht war aber die Lage eher für ihn persönlich ungewiss, weil er im Heimatland bereits zu viele seiner «Kunden» erzürnt hatte.
B. machte es sich im Villenviertel Grünwald gemütlich und vertrieb seine Magnetmotoren. Bald hatte er sich auch dort einen gewissen Ruf erworben, die deutsche Justiz wurde eingeschaltet. B. fand: Wieder mal Zeit für einen Tapetenwechsel.
Maserati und Range Rovers
Er kam in die Schweiz. Finanziell scheint es nicht schlecht um B. gestanden zu sein.
2007 bezog er in der Millionärsenklave Wollerau SZ ein Einfamilienhaus. Ein Nachbar erinnerte sich an die Ankunft des neuen Nachbars mit Vokuhila und blondem Schnurrbart: «Er kam mit einem gigantischen Möbelwagen; er brauchte zwei Tage, um ihn zu entladen.» Gemäss Nachbarn bestand sein Fuhrpark aus einem Maserati, mehreren Range Rovers, einem VW-Bus, einem Hybrid-Toyota, einem schweren Motorrad sowie einem Golf-Elektromobil.
Michael B. sei ein angenehmer Nachbar gewesen, erinnert sich ein Wollerauer. Nur: «So sympathisch er uns war - wir haben uns alle gefragt, was der Typ eigentlich macht.»
Fabrik in der Schweiz
Immerhin scheint der Betrüger nicht die Füsse auf den Tisch gelegt zu haben – stattdessen ging er wieder seinem Hobby als glückloser Erfinder nach. «Von früh bis spät werkelte er an seinen Motoren herum», erzählt ein Nachbar, beim Schwatz habe er auch von seinen Experimenten berichtet. «Sogar als Laie merkte man, dass der alleine gar nicht zustande bringen konnte, was er wollte», erinnert sich der Nachbar. Überrascht sei man deshalb irgendwie nicht gewesen, als eines Morgens die Polizei aufkreuzte.
Dabei hatte der grosse Erfinder Michael B. gemäss Website von Perendev Power noch einiges vor in der neuen Heimat: Er plante, hier eine Produktionsstätte seiner inexistenten beziehungsweise unbrauchbaren Magnetmotoren aufzubauen. Zudem wollte er bald ein neuartiges, wasserstoffbetriebenes Fahrzeug präsentieren.
Darauf wird die Menschheit wohl verzichten müssen. B. sitzt in München in U-Haft. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen B. wegen gewerbsmässigen Betrugs. Wird er verurteilt, muss er bis zu zehn Jahre sitzen.


























