1500 Tote in Pakistan

02. August 2010 12:26; Akt: 16.08.2010 12:47 Print

2,5 Mio. Menschen von Fluten betroffen2,5 Mio. Menschen von Fluten betroffen

Über 1500 Tote, ganze Dörfer überflutet und dazu Angst vor Seuchen: Das ist die vorläufige Bilanz der verheerendsten Überschwemmungen in Pakistan seit rund 80 Jahren.

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Das Dorf Sarjani im Distrikt Thatta (28. August 2010). Dämme brechen bei der südpakistanischen Stadt Thatta . Bei Thatta (26. August 2010). Flüchtlinge stehen bei einer weggespülten Anlegestelle einer Fähre bei Thatta (26. August 2010). 2,3 Millionen Menschen flüchten allein in dieser Region vor dem Wasser (26. August 2010). Weite Gebiete in der Region sind überschwemmt (26. August 2010). Flüchtlinge bei Thatta (26. August 2010). Flüchtlinge bei Thatta (26. August 2010). 25. August: Die UNO meldet, dass 800 000 Menschen für Hilfslieferungen nur über den Luftweg erreicht werden können. Mindestens 40 Schwerlasthubschrauber seien nötig, «um die grosse Zahl zunehmend verzweifelter Menschen mit lebensrettenden Hilfsgütern zu versorgen». Bei Thul in der Provinz Sindh warten die Menschen auf Hilfe aus der Luft. Auch die afghanische Armee unterstützt die Hilfsaktionen mit Helikoptern und Personal. Aus einem afghanischen Helikopter werden Nahrungspakete über Thul abgeworfen. Ein Helikopter landet im Quba Saed Khan nahe Shadad Kot in der Provinz Sindh. Dutzende Bewohner wurden von der pakistanischen Armee auf dem Luftweg aus der isolierten Gegend evakuiert. 23. August: Flüchtlinge sitzen zwischen den Autostrassen in Peshawar. Schwimmend mit Hab und Gut durch Sukkur. Poulet, mit Fliegen überzogen: Schwieriges Essen im Flüchtlingslager in Nowshera. 19. August: Das Elektrizitätswerk in Muzaffargarh unter Wasser. Staatschef Zardari zeigt sich mit Überlebenden der Flutkatastrophe. Eine Farm wird zur Insel: Hochwasser in der Sindh-Provinz. 16. August: Eine pakistanische Familie in Shekarpur schützt sich vor dem Monsun-Regen. Sauberes Wasser ist ein knappes Gut in den zerstörten Gebieten, wie hier in Nowshera in der Provinz Khyber-Pakhtunkhwa. (16. August 2010) Wasserausgabe in Shikarpur: Die UNO warnte, dass 3,5 Millionen Kinder von Krankheiten bedroht sind, die durch verunreinigtes Wasser übertragen werden. In Sukkur und anderen Orten haben wütende Flutopfer Strassen blockiert, um gegen die zögerliche Hilfe der Regierung zu protestieren. Nach UNO-Angaben haben viele der betroffenen Menschen noch keinerlei Unterstützung erhalten. Die Versorgung mit Nahrungsmitteln stellt die Helfer aus dem In- und Ausland immer noch vor grosse Probleme. Die UNO erklärte, wegen der Hochwasserkatastrophe drohe vielen Menschen Unterernährung. Wird Essen ausgegeben, kommt es regelmässig zu Verteilkämpfen, wie hier in Shekarpur. Hunger und Verzweiflung lässt die Menschen handgreiflich werden. Nahe der Stadt Dera Alayar werden Lebensmittel und Wasserflaschen über gestrandeten Flutopfern abgeworfen. Viele Überlebende können nur durch die Luft versorgt werden. Von der Überschwemmungskatastrophe in Pakistan sind 20 Millionen Menschen direkt oder indirekt betroffen. Hunderttausende leben unter prekären Bedingungen in Flüchtlingslagern wie hier in Pathan Wala. Flüchtlinge in einer Schule in Sukkar. Traurige Heimkehr: Flutopfer kommen in ihre zerstörten Häuser im Nowshera District in der Provinz Khyber-Pakhtunkhwa zurück. Ein zerstörter Schienenweg in In Sultankot, in der Provinz Sindh. Die Zerstörung der Infrastruktur Pakistans ist gewaltig. Die UNO rechnet damit, dass die Schäden in die Milliarden gehen. Ein Pakistani nutzt die defekten Schienen als Brücke in Sultan Kot Eine Familie im Muzaffargarh-Distrikt im Punjab ist mit ihren Habseligkeiten auf dem Weg in ein trockenes Gebiet. Überlebende im Muzaffargarh-Distrikt, Punjab. Flüchtlingscamp in Razzakabad. Eine Frau in Khangarh, nahe Multan, nutzt eine grosse Pfanne, um sich in Sicherheit zu bringen. Gemäss zahlen der UNO wurden Hektar Ernte vernichtet. Hier ein Bild des Überschwemmungsgebiet im Punjab nahe der Millionenstadt Multan. Und die pakistanischen Behörden befürchten weitere Überflutungen durch den Fluss Indus. In der Nähe von Multan sind ganze Dörfer verschwunden. Ein Helilandeplatz ist im Khyber-Pakhtunkhwa Gebiet unter Wasser. Binnenflüchtlinge in Sukkur erhalten rudimentäre medizinische Hilfe. 14. August 2010: Ein pakistanischer Soldat hält einen Sack mit Hilfsgütern im Helikopterflug über Jacobabad. Abwurf von Hilfspaketen über Jacobabad. Das Elend ist gross. Ein Mann mit seinen Habseligkeiten in Sukkar. 13. August 2010: Ein Mann sitzt auf den Trümmern seines Hauses in Aza Kheil in der Nähe von Peshawar. Exodus aus Muzaffargarh in der Nähe von Multan (13. August 2010). Nach Angaben der Regierung sollen 20 Millionen Menschen ihr Zuhause verloren haben. Die Jahrhundertflut hat in Pakistan grosse Not ausgelöst. Flüchtlingslager in Risalpur. Die USA haben Kriegsschiffe und Helikopter entsandt, um Hilfe ins Land zu bringen. Kreative Selbsthilfe in Shah Jamal. Zahlreiche Dörfer sind seit Tagen von ihrer Umwelt abgeschnitten. Die Bewohner können nur noch aus der Luft evakuiert werden. Die Zerstörung ist immens. Viele Pakistaner haben alles verloren. Jeder versucht zu retten, was er kann. Eine Nähmaschine... ...einen Fernseher... ... oder eine Kuh, wie Bauer Rasool Bux. Schätzungen der UNO zufolge sind mindestens 14 Millionen Menschen von den durch heftige Regenfälle ausgelösten Überschwemmungen betroffen. Es fehlt an allem, die Überlebenden sind auf fremde Hilfe angewiesen. 1800 Tote haben die verheerenden Überschwemmungen bereits gefordert. Essen und Trinken werden verteilt. Von Helikoptern aus aufgenommene Bilder des pakistanischen Fernsehens zeigten Menschen, die in ihren Dörfern auf den Dächern beschädigter Häuser Schutz vor den reissenden Fluten suchten. Luftaufnahmen zeigten, dass die Fluten ganze Dörfer weggespült hatten. Mit Militärhubschraubern und mehr als 100 Booten versuchten Rettungskräfte, zu rund 27 300 noch immer von Wasser eingeschlossenen Einwohnern der Provinz vorzudringen. Menschen, die sich mit ihren Habseligkeiten auf dem Rücken zu Fuss einen Weg durch die Wassermassen bahnten. Nach Angaben des UNO-Büros für humanitäre Hilfe in Pakistan konnten sich die Rettungskräfte noch immer kein klares Bild vom kompletten Ausmass der Flutkatastrophe machen. Viele Kommunikationswege sind zusammengebrochen. Die Behörden würden in Schulen Notunterkünfte errichten, um die Menschen mit Nahrungsmitteln und Medikamenten zu versorgen. Doch aufgrund schlechter hygienischer Verhältnisse steigt in den Massenunterkünften die Gefahr von Seuchen. Ärzte berichteten bereits aus Notlagern von Ausschlägen und Durchfallerkrankungen. Zudem gebe es Engpässe bei der Versorgung mit Lebensmitteln. Aus dem Distrikt Swat wurden mehrere Cholera-Fälle bekannt, wie der Informationsminister der Provinz, Mian Iftikhar Hussain, erklärte. Hussain sprach von der «schlimmsten Flut in Khyber Pakhtunkhwa in der Geschichte des Landes». Die Provinz Khyber Pakhtunkhwa grenzt im Nordwesten des Landes an Afghanistan. Viele Menschen dort wohnen in abgelegenen Bergdörfern. Mehr als 27000 Menschen waren am Sonntag noch immer von den Fluten im Nordwesten des Landes eingeschlossen, ... ... wo nach heftigem Monsunregen zahlreiche Flüsse über die Ufer traten.

Die Angst vor Seuchen wächst. Dorfbewohner im überschwemmten Nowshera bei Peshawar.

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Zehntausende von der Aussenwelt abgeschnittene Menschen warten nach den schwersten Überschwemmungen in der Geschichte Pakistans immer noch verzweifelt auf Hilfe. Nach Angaben des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) sind insgesamt 2,5 Millionen Menschen von den Fluten betroffen.

Die Rettungskräfte konnten nach Angaben der Vereinten Nationen (UNO) am Montag in viele Abschnitte des Katastrophengebiets kaum vordringen, da zahlreiche Strassen unpassierbar und mehrere Brücken eingestürzt sind. Teilweise erreichten sie die Opfer nur per Helikopter oder Boot, um wenigstens Zelte und Hygiene-Sets abzuliefern.

Zehntausende Häuser sind zerstört. Eine Entspannung der Lage war nicht abzusehen. Meteorologen sagten für den an Afghanistan grenzenden Nordwesten weitere heftige Monsun-Regenfälle voraus.

Die Behörden gingen daher davon aus, dass die Opferzahl steigen dürfte. Bislang gebe es allein in der Nordwest-Grenzprovinz 1116 bestätigte Todesfälle, sagte der Sprecher des privaten Rettungsdienstes Edhi, Mujahid Khan, am Montag.

Die benachbarten Stammesgebiete Khyber und Mohmand hätten bislang gar keine Hilfe erhalten. «Erst wenn wir dorthin vordringen, wird das ganze Ausmass der Zerstörung deutlich», betonte Khan.

30 000 Rettungskräfte

Mehr als 30 000 Rettungskräfte und Soldaten sind in der Katastrophenregion im Einsatz. Nach Armeeangaben wurden bislang etwa 27 000 Menschen aus überfluteten Bergdörfern gerettet. Die meisten davon seien in Notunterkünften untergebracht worden.

Die Regierung in Islamabad geriet unterdessen immer stärker in die Kritik. Ihr wird mangelndes Krisenmanagement vorgeworfen. Experten zufolge verfügen die Behörden weder über die Mittel, noch über eine echte Strategie, um eine Krise diesen Ausmasses zu meistern.

Der Politikwissenschaftler Riffat Hussein sagte, die Regierung sei wie gelähmt. Auch Flutopfer zeigen immer weniger Verständnis für die schleppende Versorgung. «Wir haben alles verloren. Wir konnten gerade einmal unser Leben retten. Niemand ist zu uns gekommen. Wir sind zu Bettlern geworden, die um Brot bitten müssen,» sagte ein Lehrer aus dem besonders betroffenen Swat-Tal.

Nach Angaben von Hilfsorganisationen stellt die Versorgung der Betroffenen mit sauberem Trinkwasser das grösste Problem dar. Die Schweiz stellte bereits Lebensmittel, Trinkwasser und Zelte zur Verfügung, wie der DEZA-Delegierte in Islamabad, André Huber, in der Sendung «Rendez-vous» von Radio DRS sagte.

Da der Boden in der Region aus Tonerde besteht, richte die DEZA dort zudem seit Jahren ein Schleusensystem ein, welches das Wasser in Flussläufe leite. Er gehe davon aus, dass solche Systeme längerfristig vermehrt eingesetzt würden.

Mehr Gelder der UNO

Inzwischen zeigte sich UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon angesichts der vielen Opfer tief betroffen und kündigte die Freigabe weiterer Hilfsgelder an. Ban habe dem pakistanischen Volk und der Regierung in Islamabad sein Beileid ausgesprochen, sagte ein Sprecher des Generalsekretärs in der Nacht zum Montag in New York.

Zugleich habe er den Behörden die Unterstützung bei der Versorgung der Flutopfer zugesagt. Über die bereits zugesagten Mittel hinaus habe Ban die Auszahlung weiterer zehn Millionen Dollar aus einem Nothilfeetat freigegeben.

(sda/dapd)