24. März 2006 17:52; Akt: 24.03.2006 20:18 Print

Der alte Kiffer und das KamelDer alte Kiffer und das Kamel

Er findet den «Knie - sooo guet!», dass er gleich da bleibt. Der Kiffer Fredi Hinz, alias Satiriker Viktor Giacobbo, begleitet den Circus Knie auf der 88. Tournee durch die Deutschschweiz.

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Die Generalprobe wurde jubelnd beklatscht. Etwas fehl am Platz wirkt er schon in der Manege, abgespaced wie er ist vom vielen Kiffen, den obligaten schmuddeligen Plastiksack in der Hand, das strähnige Haar bis über die Schultern fallend. Aber er bleibt doch und freundet sich gar mit dem Hängebauchschwein Willy und dem Kamel Suleika an.

Sein Urteil über den Circus ist gleich auch dessen diesjähriges Motto: «Knie - soo guet». Vor allem das erwachsene Publikum genoss seine Sprüche an der Generalprobe vom Freitag in Rapperswil. Es kannte den Fredi schon aus «Victor's Spätprogramm» im Fernsehen.

In der französischen und der italienischen Schweiz übrigens wird Giacobbo von den beiden Komikern Jacky & Roger ersetzt. Sie stellen zwei Grenzwächter dar, und das Tournee-Motto lautet «cirque sans frontières».

Pferde, Elefanten, Lamas

Knie wäre nicht Knie, wenn keine Pferde und Elefanten aufträten: Fredy Knie jun. und seine Tochter Géraldine Katharina Knie präsentieren eine traditionelle Freiheitsdressur mit Palominos, Friesen und Achal-Tekkinern. Entzückten Applaus erntete der kleine Ivan-Frédéric mit seinen kurzen Auftritten. Géraldine Katharina reitet zudem die klassische Hohe Schule.

Vater und Sohn Franco Knie zeigen eine weitere Spezialität des Hauses: Sie stehen mit sechs Elefanten in der Manege. Und mit je fünf Lamas und Guanakos aus Peru bringt Mary-José Knie südamerikanische Atmosphäre ins Zirkuszelt.

In dieser Nummer tritt auch die Compagnie auf. Die sechs jungen Frauen und zwei Männer aus Kasachstan schlüpfen im Laufe des ganzen Programms in verschiedene Rollen und Kostüme. Höhepunkt ihrer akrobatischen Darbietungen ist eine Menschen-Pyramide.

Scharfe Messer, wirbelnde Diabolos

Eine uralte zirzensische Kunst, das Messerwerfen, pflegt das italienische Artistenpaar The Jasters in moderner Form. Unerschrocken blickt Elena Busnelli auf die Messer und Armbrustpfeile, die ihr Mann Giacomo Sterza haarscharf an ihr vorbei wirft und schiesst.

Mit scheinbarer Leichtigkeit wirbeln die Diabolos der sieben Diabolo Girls aus Peking in den verrücktesten Figuren durch die Luft. Nummer und Kostüme erinnern an die traditionelle Peking Oper.

Ebenfalls aus China kommt die Zhenjiang Acrobatic Troupe. Die beiden Artisten zeigen Balance-Kunststücke mit Schirmen, die alle physikalischen Regeln ausser Kraft zu setzen scheinen.

Liebe in der Luft

Romeo und Julia in der Luft inszeniert die Truppe Gvozdetskaya aus Russland. Die Geschwister Svetlana und Konstantin vollbringen mit Hilfe von zwei Untermännern waghalsige Sprünge zu Prokofjews Ballettmusik.

Um Liebe geht es auch bei Sam & Sandra: An der Vertikalstange «tanzen» die Schweizerin Sandra Feusi und der US-Amerikaner Sam Payne zu leidenschaftlichen Tangomelodien.

Risiko im Todes-Rad

Die Navas-Veles Brothers aus Ecuador schliesslich vollführen im Todes-Rad, acht Meter über dem Boden, die waghalsigsten Sprünge. Dass sie dabei völlig ungesichert sind, macht die Kunststücke nicht schwieriger, sorgt aber für mehr Nervenkitzel.

Musikalisch begleitet wird das Programm auch dieses Jahr vom Zirkusorchester unter der Leitung des Ukrainers Ruslan Fil. Nach der Generalprobe vom Freitagnachmittag stieg noch am gleichen Abend die Saisonpremière. Nach Gastspielen an 242 Tourneetagen in 46 Orten der ganzen Schweiz geht die Tournee am 19. November traditionsgemäss in Lugano zu Ende.


(sda)