Roma-Kriminalität

07. September 2010 09:35; Akt: 07.09.2010 10:24 Print

Wie Roma-Sippen funktionieren

von Ronny Nicolussi - Brutale Zuhälter, Zwangsprostituierte und neunjährige Diebe: In der Schweiz geraten Roma vermehrt negativ in die Schlagzeilen. Ein Dok-Film zeigte weshalb.

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Lassen sich nur durch heftige Gegenwehr einschüchtern: Roma-Mädchen beim Stehlen. (Bild: Screenshot SF)

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Wo sie hinkommen, da stossen sie auf Misstrauen, Ablehnung und Intoleranz. Auch nach tausend Jahren in Europa sind die ursprünglich aus Nordindien stammenden Roma im Abendland nicht angekommen. Oft scheitern sie an ihren mangelnden Integrationsbemühungen. Meistens ist ihre Mentalität einfach nicht mit der einer zivilisierten Gesellschaft vereinbar. Während in Letzterer Arbeit, Planung und hierarchische Strukturen einen wichtigen Stellenwert haben, leben die meisten Roma im Hier und Jetzt. Eine Unterordnung unter einen Chef fällt vielen schwer, weshalb Anstellungen meist nur von kurzer Dauer sind. Was bleibt ist der Gang in die Kleinkriminalität und immer mehr auch in die organisierte Kriminalität.

Seit der Erweiterung des Schengenraums sind die Probleme auch in der Schweiz augenfällig geworden. Meldungen über neunjährige Mädchen, die aus dem grenznahen Elsass in die Schweiz auf Einbrechertouren geschickte werden und Bettler, die früh morgens über ganze Städte verteilt werden, häufen sich. Daneben zementieren die jungen Roma-Prostituierten auf dem Strassenstrich und die brutalen Machenschaften von Zuhältern, die jüngst in einem Aufsehen erregenden Prozess vor dem Zürcher Bezirksgericht aufgedeckt wurden, das negative Image der Roma.

Das Schweizer Fernsehen zeigte gestern Abend einen bemerkenswerten Dokumentarfilm, der sich mit den kriminellen Strukturen der Nomaden befasste. Im Film «Im Auftrag der Sippe – Wie Roma-Kinder zu Dieben werden» legte der britische Filmemacher mit rumänischen Wurzeln, Liviu Tipurita, den Fokus auf die Ausbeutung junger Roma in Spanien und Italien. Die Kinder sind gleichzeitig Täter und Opfer. In aufwendigen Überwachungen folgte Tipurita den Kindern von ihren Lagern in die Städte, filmte sie versteckt, während sie Menschen bestahlen, bettelten und von ihren Peinigern geschlagen wurden.

Zum Betteln und Stehlen nach Spanien gereist

Daneben besuchte er Roma-Sippen in ihren Camps. Offen sprechen die Kinder und Jugendlichen im Film über ihre Taten und darüber, was passiert, wenn sie von der Polizei geschnappt werden. Das Roma-Mädchen Daniela sagt, sie sei zum betteln und stehlen nach Spanien gereist: «Wenn uns die Polizei erwischt, nehmen sie uns das Geld weg, stecken uns in ein Tageszentrum und lassen uns dann wieder gehen.» Dabei wird klar, dass nicht nur die Strukturen der Clans, sondern auch die fehlenden Eingriffsmöglichkeiten der westlichen Behörden die Ausbeutung junger Roma begünstigen. In Spanien können Kinder unter 14 Jahren für ihre Verbrechen nicht verantwortlich gemacht werden und werden deshalb von den Sippen gezielt eingesetzt. 95 Prozent der unter 14-jährigen Kinder, die in Madrid beim Stehelen erwischt werden, sind rumänische Roma.

Tipurita wird Zeuge einer Roma-Hochzeit. Die Braut ist keine 14 Jahre alt. Ein Roma erzählt, dass die Eltern des Mädchens für die Hochzeit 7000 Euro erhalten hätten, weil diese eine sehr gute Diebin sei: «In ein paar Wochen sind die 7000 Euro wieder amortisiert.» In Madrid haben sich die jungen Roma auf Diebstähle an Bancomaten spezialisiert. Stundenlang lungern die Mädchen und Knaben vor den Geldautomaten herum. Immer wieder versuchen sie Menschen, die Geld abheben, die Scheine zu entreissen. Dabei gehen sie auch gegen gestandene, kräftige Männer äusserst aggressiv vor und lassen sich nur durch heftige Gegenwehr einschüchtern.

12 000 Euro in einem Monat

In Mailand wurde seit der EU-Osterweiterung ein sprunghafter Anstieg von Handtaschendiebstählen verzeichnet. Francesco Messina, Leiter einer Sondereinheit der Polizei, sagt: «Ein Kind verdient in einem Monat damit 12 000 Euro.» Das Geld gehe immer an die Erwachsenen. Laut Messina sind die Clans auf drei Stufen organisiert. Auf der ersten Stufe stünden junge Erwachsene, die die Kinder beim Stehlen beaufsichtigten. Auf der zweiten Stufe seien Leute, häufig Familienangehörige, welche die Kinder rekrutierten und auf der dritten Stufe befinde sich die Kommandozentrale in Rumänien. Dort sässen die Bosse, welche das Geld neu investieren würden.

Immer wieder werden in Italien illegale Roma-Siedlungen von den Behörden dem Erdboden gleichgemacht. Immer wieder bauen Roma die Siedlungen auf. Nur wenige akzeptieren Angebote der Fürsorge. Bei einer Razzia in der Nähe von Mailand entdeckten die Behörden 2007 15 acht- bis zehnjährige Kinder, die in einer Baracke an Ketten gefesselt waren. Die Kinder waren zuvor schon unzählige Male beim Stehlen erwischt worden. Am Ende sagte jedoch nur ein Kind gegen seine Peiniger aus. Die anderen flüchteten aus der Obhut und leben heute wieder auf demselben Gelände.

«Rumänien aus EU ausschliessen»

Riccardo De Corato, stellvertretender Bürgermeister Mailands, spricht offen aus, was viele denken, aber nicht zu sagen wagen: «Ein starkes Zeichen wäre es, Rumänien aus der EU auszuschliessen.» Für den Politiker würde das viele Probleme lösen. Denn Roma wüssten nicht, was Arbeit bedeute. «Sie schicken die Frauen arbeiten, auch als Prostituierte und die Kinder schicken sie zum Stehlen auf die Strasse.» Die Männer würden hingegen den ganzen Tag Karten spielen, so De Corato, der sich fragt: «Wie soll ich ihnen unser Lebenskonzept von Arbeit erklären, wenn Arbeit bei ihnen nicht vorkommt?»

In Rumänien trifft der Filmemacher schliesslich Breliant, einen wichtigen Roma-Anführer. Dieser erzählt stolz, dass in seiner Familie alle als Diebe tätig waren. Breliant zeigt Tipurita die Villen, die sich Roma-Anführer mit dem gestohlenen und erbettelten Geld von Kindern in Westeuropa finanziert haben. Ein Kind ruft auf der Strasse in die Kamera, was gefilmt werde und Breliant antwortet: «Wie du in den Knast kommst. Dort lernst du dann Geschäfte machen.»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peschä am 07.09.2010 15:00 Report Diesen Beitrag melden

    12'000 Euro im Monat?!?

    Eigentlich müssten da sogar die Linken etwas dagegen haben - welcher Arbeiter hier verdient schon annähernd soviel? Wenn unsere Gesetze nichts dazu taugen mit minderjährigen Kriminellen umzugehen, dann müssen wir sie eben ändern - z.B. durch die Ausschaffung krimineller Familien.

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  • Sarah am 07.09.2010 14:50 Report Diesen Beitrag melden

    Wehren

    Wenn man sich in der Schweiz gegen die Romas wehren würde, wäre man sofort ein Rassist und ein Kinderschläger... Was ist nun fair? Entweder man wird ausgeraubt, oder man wehrt sich und behält das Geld, wird aber als rassist und Kinderschläger dargestellt! Sarkozy macht das richtige... Hart aber es muss sein...

  • Powidl am 07.09.2010 13:50 Report Diesen Beitrag melden

    Frankreich schmeisst sie raus...

    ...wird anderswo auch so kommen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Theoretiker am 21.10.2013 12:42 Report Diesen Beitrag melden

    Problem wird sich von selbst lösen

    Menschen, die grösstenteils in sehr ärmlichen Verhältnissen leben und keine Möglichkeit sehen, eine anständig bezahlte Arbeit zu finden, werden kriminell. Dies sind keine neuen Probleme. Das gab und gibt es in der Geschichte immer wieder. Eine leichte Verschärfung des Jugendstrafrechts und eine bessere Registrierung der jungen Straftäter wird vermutlich genügen. Vor allem junge Menschen sind oftmals bereit aus bestehenden Strukturen auszubrechen, wenn man ihnen dazu die Möglichkeit gibt. Man könnte im Schengenraum zum Beispiel versuchen, gezielt Lehrstellen für Roma-Jugendliche anzubieten.

  • aleks feldkirch am 23.09.2012 20:27 Report Diesen Beitrag melden

    roma integration

    willkommen im 21Jhd., man "publiziert!" nur diejenigen roma die aus sowieso armen länder kommen, richtige rumänen,bulgaren,albaner etc...sind genau solche menschen (siehe bordell,straßenstrich),..nur der unterschied ist das in berichterstattungen alle roma so sind, und andere natis nur manche...(es gibt sehrwohl integrierte roma ich bin einer davon)

  • Giovanna am 17.09.2010 03:50 Report Diesen Beitrag melden

    Chapeau, Monsieur Sarkozy !

    "Während eines Treffens mit französischen Senatoren liess Sarkozy die Bemerkung fallen, Luxemburg also." (welt-de). Unverständlich für mich, dass gerade Luxemburgs Aussenminister den Vorschlag als "bösartig" empfand, anstatt mit gutem Beispiel voranzugehen und die Roma in Luxemburg willkommen zu heissen. Sollte "La Grande Nation" auch bald aus der EU austreten....dann finito mit d. EU...! Die wackelt ja ohnehin. Liberté, Egalité, Fraternité, wo bleibt der Kamillentee?

  • Alex am 16.09.2010 15:18 Report Diesen Beitrag melden

    Wie schön

    Wie schön dass man nun , nach fast 20 Jahren merkt was die Rumänen im eigenen Land mit den Zigeunern durchgemacht haben. Anfangs gab es unzählige Rügen seitens der EU an Rumänien, die würden mit der "Integration" der Roma nicht zurechtkommen !? Wo bleiben nun diejenigen die noch vor einigen Jahren Rumänien wegen des ungelösten Roma-Problems so in die Mangel genommen haben?? Wo bleibt ihre Stimme? Bitte, Ihr lieben, gebt doch ein paarRatschläge, soll Präsident Basescu, ähnlich wie Sarkosy reagieren und alle Roma abschieben??

    • Giovanna am 17.09.2010 13:20 Report Diesen Beitrag melden

      @Alex

      Wir beide wissen, dass die Rumänen ihre Abschiebung allzugerne begrüssen würden, aber wohin mit ihnen? Niemand will sie haben, u.die Roma selbst wollen auch niergendwo auf die Dauer sich niederlassen. Warum schlägt die EU nicht Lösungen, die für beide Seiten annehmbar sind? Richtig, jetzt merken einige, wenn auch nicht alle, was die Rumänen in eigenem Land mit diesen Leuten durchgemacht haben un noch durchmachen müssen. Das ist keine Diskriminierung, sondern bittere Realität.

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  • Giovanna am 15.09.2010 10:56 Report Diesen Beitrag melden

    EU-Grundrecht auf Niederlassungsfreiheit

    Lellouche hat recht: EU-Grundrecht auf Niederlassungsfreiheit gut und recht, aber nicht unter solchen Umständen, die die Roma praktizieren und die für das Gastland unzumutbar sind. Da soll EU bei den Roma selbst anfangen, Kritik zu üben und bei den Geschödigten.

    • Arnold Laine am 15.09.2010 13:50 Report Diesen Beitrag melden

      Niederlassungsfreiheit...ja, aber...

      ...will die EU allen Ernstes behaupten, irgendwelche wild parkierten Wohnwagen auf öffentlichem Grund und Boden seien bereits eine "Niederlassung"? Tja, wozu sollte man dann noch erst ein Grundstück kaufen, wenn man sich ein Haus bauen will..? In der EU kann man sich ja scheint's überall einfach so niederlassen...

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