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In 70 Jahren gibt es keine Gletscher mehr

Die Schweizer Gletscher sind in diesem Jahr fast so stark geschmolzen wie im Hitzesommer 2003. In 70 bis 100 Jahren dürften Gletscher aus dem Landschaftsbild der Alpen praktisch verschwunden sein.

Der Triftgletscher am 30. Juni 2004 und am 30. Juni 2005.
Der Triftgletscher am 30. Juni 2004 und am 30. Juni 2005. (Bild: Keystone)

Rund 50 Meter ist beispielsweise der Aletschgletscher (VS) dieses Jahr kürzer geworden, wie die neuesten Daten der ETH Zürich zeigen. Noch sind die Glaziologen daran, die Messdaten auszuwerten. Bereits steht aber fest, dass die Werte fast so dramatisch sind wie im Rekordsommer vor drei Jahren, wie ETH-Glaziologe Martin Funk am Freitag zu einem Bericht des Nachrichtenmagazins «10vor10» des Schweizer Fernsehens bestätigte. Zwischen drei und vier Prozent der Eismassen seien 2006 verloren gegangen.

Wo früher noch Gletscherzungen lagen, haben sich mittlerweile an vielen Orten Seen gebildet. Dies führt laut Funk zu unterschiedlichen Problemen. So bestehe etwa beim Triftgletscher (BE) die Gefahr von Flutwellen, weil die Eismassen unkontrolliert ins Wasser fallen können. Auch beim Grindelwaldgletscher (BE) drohten Überschwemmungen, wenn das Wasser plötzlich durchs Eis breche. Und beim Rhonegletscher (VS), dessen See sich gemäss Funk in den nächsten Jahren voll ausbilden wird, könnte es zu einem Rückstau kommen, wenn Eisblöcke den Abfluss verstopfen. Werden die Eismassen weggeschwemmt, drohen auch hier Überflutungen.

Angesichts dieser Entwicklung geht Funk davon aus, dass in zehn Jahren 20 Prozent der Schweizer Gletscher geschmolzen sein werden. Und in 70 bis 100 Jahren dürften sie praktisch ganz verschwunden oder lediglich noch oberhalb von 4.000 Metern zu finden sein. Aufhalten lasse sich diese Entwicklung kaum. Gletscherabdeckungen, wie sie beispielsweise im Wallis gemacht würden, seien zwar sehr wirkungsvoll, aber grossflächig nicht umsetzbar. Als einzig realistische Massnahme bezeichnete Funk die Reduktion der Treibhausgasemissionen. «Aber auch wenn heute damit begonnen wird, wirkt das nicht schon morgen», gab er zu bedenken.

Allerdings seien Langzeitprognosen auch schwierig, weil immer etwas Unvorhersehbares geschehen könne. Dabei könnte es sich etwa um einen massiven Vulkanausbruch handeln, wie Funk weiter ausführte. Dadurch würde sehr viel Feinstaub in die Atmosphäre geschleudert werden, der wie ein Schirm wirken und so die Sonnenenergie reduzieren würde.

(ddp)
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