Poker-Überfall

17. März 2010 15:38; Akt: 17.03.2010 21:56 Print

«Ich glaube, Ihr sucht mich»«Ich glaube, Ihr sucht mich»

Der spektakuläre Raubüberfall auf ein Pokerturnier in Berlin ist weitgehend aufgeklärt. Einer der Täter hatte sich am Montag selbst gestellt. Nachdem er im Verhör die Namen seiner drei Komplizen genannt hatte, konnte ein weiterer Gangster gefasst werden.

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Von links nach rechts: Bei den Flüchtigen handelt es sich Mustafa Ucarakus, Jihad Chetwie und Ahmad El Awayti. (Bild: REUTERS/Fabrizio Bensch)

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Nach dem Raubüberfall auf ein Pokerturnier in Berlin ist der Polizei ein zweiter Täter ins Netz gegangen. Der am Abend identifizierte, 20-jährige Mann ging den Fahndern am Rosenthaler Platz in Berlin-Mitte ins Netz. Er gehört nach intensiven Überprüfungen zum Räuber-Quartett.

Der Mann habe bei einer Polizeiüberprüfung am Nachmittag selbst auf sich aufmerksam gemacht und sinngemäss geäussert: «Ich glaube, Ihr sucht mich». Wann die Überprüfung des Mannes abgeschlossen sei, stehe noch nicht fest, sagte der Sprecher.

Einer der Täter hatte sich am Montag selbst gestellt und im Polizeiverhör die Namn seiner drei Komplizen genannt. Der 21-jährige Mann hat sich auf Anraten seines Anwalts gestellt. Oberstaatsanwalt Sjörs Kamstra machte den hohen Fahndungsdruck für die Selbstanzeige verantwortlich, nachdem gegen den Mann bereits am Freitag Haftbefehl erlassen worden war.

Die allesamt vorbestraften jungen Männer werden mit internationalem Haftbefehl gesucht. Bei den Flüchtigen handelte es sich den Angaben zufolge um einen 19-jährigen Deutschen, einen 20-jährigen Türken und einen 20-Jährigen, dessen Nationalität unklar ist. Die Polizei gab zunächst nicht bekannt, welchen der beiden 20-Jährigen sie am Mittwochabend verhaften konnte.

Anteil zurückgeben

Wie der zuerst festgenommene Täter der Polizei berichtete, haben die vier jungen Männer ihre Beute von 242 000 Euro nach der Tat aufgeteilt. Bei der Durchsuchung in den Berliner Wohnungen der drei Verdächtigen konnte die Polizei aber kein Geld finden. Der 21-Jährige, der sich gestellt hatte, habe aber in Aussicht gestellt, seinen Anteil zurückzugeben, sagte Kamstra.

Die vier bewaffneten und maskierten Täter hatten am 6. März das grösste Pokerturnier Deutschlands im Luxushotel Grand Hyatt am Potsdamer Platz überfallen. Dabei hatten sie unter den rund 400 Teilnehmern eine Panik ausgelöst. Sieben Menschen wurden leicht verletzt.

Der falsche Mann verhaftet

Die Täter waren mit Schusswaffen und Macheten zur Registratur gestürmt, wo die Spieler ihr Startgeld entrichteten und Geld in Pokerchips umtauschten. Bei der Flucht war es einem Wachmann kurzzeitig gelungen, den inzwischen gefassten Täter zu überwältigen. Ein Praktikant konnte ihm einen Grossteil der Beute entreissen. Doch ein Komplize befreite den Mann. Die Räuber flohen über den Potsdamer Platz.

Eine Woche später war bereits ein 28-jähriger Mann vorläufig festgenommen worden, der die Vorwürfe aber entkräften konnte. Nach Medienberichten war der Verdächtige 2004 an einem Überfall auf ein Berliner Kasino beteiligt. Er wurde deswegen zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt.

(sda/dapd)