Neuer Vorschlag

23. Februar 2010 16:27; Akt: 23.02.2010 16:52 Print

Kommission will Walfang wieder zulassenKommission will Walfang wieder zulassen

Die Internationale Walfangkommission plant den totalen Tabubruch: Die kommerzielle Jagd soll nach 24 Jahren in beschränktem Umfang wieder erlaubt werden. Umweltschützer sind empört.

  • Artikel per Mail weiterempfehlen
Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Mit ihren neuen Kompromissvorschlag will die internationale Walfangkommission (IWC) die Zahl der getöteten Wale nicht erhöhen, sondern reduzieren. Sie gesteht damit indirekt ein, dass das seit 1986 bestehende Walfang-Moratorium ein Fehlschlag war. Denn unter dem Deckmantel der Wissenschaft erlegt vor allem Japan weiterhin zahlreiche Wale im Südpazifik, dieses Jahr dürften gegen 1100 Mink- und Finnwale harpuniert werden.

«Seit Inkrafttreten des Moratoriums wurden mehr als 33 000 Wale getötet», heisst es im IWC-Entwurf. Jahr für Jahr habe es eine Zunahme gegeben. So wurden 1990 noch rund 300 Wale erlegt. In den letzten fünf Jahren seien es jeweils 1700 bis 1900 gewesen. Neben Japan halten auch Norwegen und Island am Walfang fest und berufen sich auf ihre Tradition. Diese Entwicklung soll nun gestoppt und die Zahl der getöteten Wale verringert werden.

Fangquoten für zehn Jahre

Bislang fand der «wissenschaftliche Walfang» ausserhalb der IWC-Kontrolle statt. Der neue Vorschlag will dieses «Schlupfloch» schliessen und im Gegenzug einen gewissen kommerziellen Walfang erlauben: «Die Kommission wird für die nächsten zehn Jahre Fangquoten bestimmen, die sich auf einem nachhaltigen Niveau befinden werden», heisst es in dem vom IWC-Vorsitzenden Cristian Maquiera veröffentlichten Entwurf.

Umweltschützer reagierten empört. Greenpeace bezeichnete den Plan als «Desaster für die Wale» und warnte vor einer Ausrottung der Meeressäuger. Der WWF anerkennt positive Elemente, gleichzeitig werde jedoch Japans jährliche Walschlächterei legitimiert. «Der Vorschlag könnte es Japan sogar ermöglichen, in ökologisch einmaligen Gebieten auf Walfang zu gehen», sagte Rob Nicoll vom WWF Australien gemäss der «Times».

Australien droht mit Klage

Erst letzte Woche hatte der australische Premierminister Kevin Rudd von Japan ultimativ das Ende des Walfangs verlangt und andernfalls eine Klage vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag angekündigt. Der neue IWC-Vorschlag könnte diesen Plan durchkreuzen, er wurde laut der «Times» in langwierigen Gesprächen von einer Gruppe erarbeitet, der auch Island und Japan angehörten.

Noch ist unklar, wie hoch die Fangquoten sein werden. Darüber entschieden werden dürfte am Jahrestreffen der Walfangkommission im Juni. Falls der Vorschlag eine Mehrheit von 75 Prozent der Delegiertenstimmen erreicht, wird er rechtskräftig und der kommerzielle Walfang nach 24 Jahren wieder zugelassen.

(pbl)