Blutbad von Winnenden

11. März 2009 14:03; Akt: 11.03.2009 23:53 Print

Amokläufer hatte eine «doppelte Identität»Amokläufer hatte eine «doppelte Identität»

Ein Amokläufer hat im deutschen Winnenden 17 Menschen getötet, bevor er selbst durch eine Polizeikugel starb. Der Amokschütze soll ein ehemaliger Schüler der Albertville-Realschule in Winnenden sein.

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Beim Amokläufer Tim K. von Winnenden handelt es sich um einen ehemaligen Schüler der Albertville-Realschule. Der 17-jährige Tim K. legte 2008 seine Mittlere Reife an der Albertville-Realschule ab. Tim K. stammte aus Weiler zum Stein, das zu Leutenbach bei Winnenden gehört. Sein Elternhaus ist zwölf Kilometer von der Albertville-Realschule entfernt. Er wird von Anwohnern und seinem Umfeld als unauffälliger und zurückhaltender Einzelgänger mit einer Vorliebe für Waffen beschrieben. Tim K.s Mutter ist laut Medienberichten Kindergärtnerin, der Vater ein erfolgreicher Unternehmer. Tim K. soll eine jüngere Schwester haben. Der Vater ist Mitglied in einem Schützenverein und besitzt deshalb legal 16 Schusswaffen. Eine der Waffen wurde später bei einer Hausdurchsuchung des Elternhauses nicht gefunden. Im November 2009 wird Ks. Vater schliesslich angeklagt, weil sein Sohn viel zu leicht an seine Schusswaffe gekommen war. Die Familie ist nach Angaben des Bürgermeisters normal in die 5000 Einwohner zählende Gemeinde und ins Vereinsleben integriert. Der 19-jährige Nachbar und Freund von Tim K., Michael V., beschrieb diesen als unauffälligen Typ mit Brille und kleinem Bart, der in letzter Zeit deutlich an Gewicht zugenommen habe. Er habe mit Tim früher im örtlichen Verein Tischtennis gespielt. Tim K. sei ein verschlossener Einzelgänger gewesen, der von Horrorvideos und Spielen mit Soft-Air-Waffen fasziniert gewesen sei. Tischtennis war seine Leidenschaft, behaupten ehemalige Kollegen. Fotos zeigen Tim K., wie er ein wenig unsicher, aber stolz einen Pokal präsentiert. «Er hatte Soft-Air-Waffen in seinem Zimmer hängen», sagte Kollege V. Sie hätten damit auch gespielt, «es hat dabei blaue Flecken gegeben». Ausserdem habe Tim K. in den Monaten vor seiner Tat viel Zeit mit Killerspielen am Computer verbracht. «Wir haben bei ihm unter anderem das Spiel «Counterstrike» gefunden», sagte Polizeisprecher Klaus Hinderer in Waiblingen. Der 17-Jährige war zwischen April und September 2008 wegen Depression in psychiatrischer Behandlung. Nach fünf Sitzungen brach er aber die Behandlung ab. Eine Mitschülerin behauptet, Tim K. sei gemobbt worden: «Er schrieb seinen Eltern, dass er leide und nicht mehr weiter könne», sagte sie. Mitschüler hätten sich über ihn lustig gemacht, die Lehrer hätten ihn ignoriert. Mitschüler bezeichnen Tim K. zudem als Angeber, der mit Geldsummen geprahlt habe, die ihm sein Vater gegeben habe. Dagegen beschreibt die Wirtin des Schützenhauses SSV Leutenbach Tim K. als «ganz lieb» und «nicht auffällig». Er sei ein «schmaler, hübscher junger Mann» gewesen. Während des Amoklaufs soll Tim K. schwarze Kampfkleider getragen haben. Die Tatwaffe, eine 9mm-Beretta-Pistole, hatte Tim K. aus seinem Elternhaus. «Der Täter muss die Waffe im Schlafzimmer der Eltern an sich genommen haben», hiess es. Er habe «Munition im dreistelligen Bereich» bei sich gehabt. Die Mehrzahl der Opfer waren Mädchen und Frauen. Die Behörden bezeichneten die überwiegende Zahl von weiblichen Opfern als «auffällig». Am 11. März, gegen 12.30 Uhr, kommt es auf einem Parkplatz zum Schusswechsel mit der Polizei. Der Amokläufer erschiesst zwei Passanten und verletzt zwei Polizeibeamte schwer, ehe er sich selbst richtet.

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Laut ehemaligen Schulkollegen soll der mutmassliche Täter T. K. ein «ruhiger Mensch» gewesen sein, der gerne Ballerspiele am Computer spielte. Er stamme aus gutem Hause, wird ebenfalls berichtet.

Ein ehemaliger Schüler

Nach Angaben von Kultusminister Helmut Rau, CDU, handelte es sich bei K. um einen nach aussen «völlig unauffälligen» ehemaligen Schüler. Er habe die Schule im vergangenen Jahr mit Mittlerer Reife abgeschlossen und danach eine Ausbildung begonnen. Der Jugendliche sei «nie in irgendeiner Form» auffällig geworden, betonte Rau. Offensichtlich habe er eine «doppelte Identität» gehabt.

Der mutmassliche Täter hat die Schule im Jahr 2008 abgeschlossen haben. Der Vater sei Mitglied in einem Schützenverein und besitze deshalb legal 16 Schusswaffen, eine davon sei bei einer Hausdurchsuchung des Elternhauses nicht gefunden worden. Das Elternhaus wurde von der Polizei durchsucht.

Täter ist tot

Der mutmassliche Täter kam im 40 Kilometer entfernten Wendlingen ums Leben. Bei einer Schiesserei in einem Autohaus seien zudem zwei Passanten getötet und zwei Polizisten verletzt worden, teilte die Polizei mit.

Der Täter hatte zuvor an einer Realschule in Winnenden zwölf Menschen - neun Schüler im Alter zwischen 16 und 17 Jahren und drei Lehrer - getötet. Auf der Flucht erschoss der Mann einen weiteren Menschen auf dem Gelände der an die Schule angrenzenden psychiatrischen Klinik (20 Minuten online berichtete).

Die Bluttat ruft Erinnerungen an den Amoklauf von Erfurt wach: Am 26. April 2002 hatte ein Ex-Schüler des Gutenberg-Gymnasiums innert drei Stunden 16 Menschen und dann sich selbst erschossen.

(sda/kle)