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Schweizer Rekordangler
22. Juni 2009 16:24; Akt: 22.06.2009 16:35 Print
«Wie eine lebende Tonne Stein an der Angel»
von Marius Egger - Joe Waldis ist 70 Jahre alt, Rentner und kommt aus dem Aargau. Doch seit letztem Dienstag kennt ihn halb Irland. Dort hat er im Atlantik einen 480-Kilo-Hai gefangen. Im Interview mit 20 Minuten Online erzählt er detailliert von seinem Kampf - und weshalb ihm auf dem Boot niemand zu Hilfe kam.
Herr Waldis, seit Sie den 480-Kilo-Hai gefangen haben, sind Sie berühmt. Verraten Sie uns: Wie haben Sie das gemacht?
Joe Waldis: Wir sind mit dem Boot hinausgefahren und haben geankert. Das war am Nachmittag, so um 13.30 Uhr in den Küstengewässern des County Claire in Irland. Dann haben wir Makrelen an die Rute gemacht und mit zirka 200 Gramm Gewicht auf Grund gelegt. Ja, und dann wartet man halt, und schaut was passiert.
Mit seinem Riesenfang dürfte Joe Waldis in die Geschichtsbücher eingehen. Gemäss dem irischen Fischer Luke Aston wurde in Europa noch nie ein Fisch mit einem Gewicht von 480 Kilogramm und einer Länge von 3,9 Meter mit einer Angel aus dem Wasser gezogen. Ob es sich gar um den grössten derartigen Fang weltweit handelt, wird laut Waldis derzeit abgeklärt. (meg)
Das tönt aber ziemlich simpel.
Man kann das auch nicht steuern. Nach dem Biss fühlte ich, dass es ein grosser Fisch sein muss. Ich montierte sofort den Rutenhalter und steckte dort die Penn Millennium 80 Pfund ein. Dann ist es losgegangen.
Sie haben 35 Minuten gekämpft.
Der Hai hat immer wieder gezogen. Er hat mir fast die Rute aus der Hand gerissen. In diesen Momenten muss man mit dem Fisch mitgehen und die Rutenspitze genau beobachten. Wenn er aber nachgibt, muss man die Schnur sofort aufrollen. Man dreht dann so gut es geht, obwohl es sich anfühlt, wie wenn eine lebende Tonne Stein an der Angel hängen würde.
Wurde es gefährlich?
Nein. Ich wusste ja auch nicht, was dran war. Der Fisch probierte einfach immer wieder, runter zu ziehen. Ich dachte deshalb erst, es sei ein Rochen. Diese versuchen zurück auf den Grund zu gehen. Das fühlt sich ähnlich an. Und der ausgelegte Köder war für Rochen, Conger und Tope-Haie ausgelegt.
Mit einem so grossen Hai haben Sie nicht gerechnet?
Überhaupt nicht. Doch plötzlich sagte Luke, der Skipper: «Oh god, it’s a Sixgill!» (Stumpfnasen-Sechskiemerhai).
Da wussten Sie, was es geschlagen hat?
Ich spürte es vor allem. Aber zum Glück war Luke dabei. Er stand neben mir und half mir mit seinem Wissen. Ohne Luke hätte ich es nicht geschafft. Ich hab ja noch nie so ein Riesenfisch dran gehabt.
Der Skipper stand nur daneben und gab Anweisungen?
Ja, er durfte nicht helfen, sonst wäre der Rekord ungültig. Dieser zählt nur, wenn man den Fisch alleine aus dem Wasser zieht.
Mussten Sie den Rekord beweisen?
Luke – der Skipper - musste ein Gesuch ausfüllen. Sonst muss man nichts beweisen. Das ist natürlich Ehrensache.
Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie wussten, was für ein Fang an Ihrer Angel hängt?
Ich konnte gar nicht denken. Ich musste mich voll auf die Rutenspitze konzentrieren. Am Boot gafften wir den Fisch am Maul um den Zug von der Schnur zu nehmen. Der Hai hatte dermassen grosse Kräfte, dass er den Stahlhaken (Gaffen) fast wieder gerade gezogen hat.
Sie konnten ihn rechtzeitig sichern?
Wir sicherten den Hai mit dicken Tauen.
Und dann ging die grosse Feier los?
Nein. Ich war nass, wie nach einem Sauna-Besuch. Der Kampf war extrem anstrengend. Deshalb musste ich erst mal relaxen. Ich hockte mich in die Kabine und habe mich beruhigt. Im Hafen wurde der Fisch dann mit einem Hubstapler aufs Pier gezogen.
Hat man Sie am Hafen erwartet?
Ja, da war ziemlich was los. Die Meldung vom Fang machte wie ein Lauffeuer die Runde. Die Einheimischen empfingen uns, staunten und schossen Bilder. Für die Iren wars ein Freudentag. Die haben ja noch nie einen solchen Fisch gesehen. Ich übrigens auch nicht. Ich hätte auch nie im Traum daran gedacht, dass ich einen solchen Fisch fangen würde.
Ging dann wenigstens die Party los?
Nein, der Hai wurde anschliessend von Universitätsprofessoren vermessen und gewogen. Die Waage des Fischhändlers reichte nur bis 250 Kilo. Darum musste eine grosse Spezialwaage organisiert werden. Der Fisch wog 1056 Pfund und hatte eine Länge von 3,9 Meter. Für mich ist das heute noch unglaublich. Den Fisch haben wir dann dem Fischhändler überlassen.
Hätten Sie nicht ein grosses Geschäft machen können?
Das wollte ich gar nicht, es geht beim Hobbyfischen nicht ums Geld und auch nicht um einen Rekord. Mit diesem Fang wollte ich den Leuten zeigen, was an dieser Küste im Meer schwimmt.
Haben Sie den ganzen Fisch beim Händler gelassen?
Drei Steaks hab ich in die Schweiz mitgenommen. Vor Ort habe ich allerdings schon davon gegessen. Der schmeckt wie Kalbfleisch und riecht überhaupt nicht nach Fisch.
Weniger Freude dürfte der Tierschutz haben.
Ich habe keine bedrohte Tierart aus dem Wasser gezogen. Selbst die Uni-Professoren bestätigen, dass dieser Sixgill-Hai nicht bedroht ist und waren dankbar für die gewonnenen Daten. Bei einem Rekord gibt es aber immer Neider.
Sie haben kein schlechtes Gewissen?
Eigentlich waren wir ja auf dem Meer, um Rochen und Tope-Haie zu fischen. Diese Fische werden aber nur gekennzeichnet, um zu verfolgen, wo sie sich überall hinbewegen. Die habe ich alle wieder gekennzeichnet freigelassen.
Auf dem Höhepunkt sollte man aufhören. Gehen Sie wieder fischen?
Ich war schon am nächsten Tag wieder draussen und habe einen 35 Pfund Tope rausgezogen. Den hab ich natürlich wieder freigelassen. Aber es war schon unglaublich mit diesem Sixgill: Von dem Fang träumen alle Hochseefischer. Aber Sie können das nicht planen. Das passiert einfach.


























