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Drogenkrieg
27. August 2010 07:25; Akt: 27.08.2010 21:01 Print
Wer sind die 72 Toten?
In Mexiko haben Experten mit der Identifizierung der 72 ermordeten mutmasslichen illegalen Einwanderer begonnen. Es ist ein schwieriges Unterfangen.

In dieser leerstehenden Farm wurden 72 illegale Einwanderer ermordet. (Bild: Keystone/AP)
Anhand von bei einigen Toten gefundenen Dokumenten werde versucht, die Herkunft und die Identität der 58 Männer und 14 Frauen festzustellen. Ermittlern gelang es bisher 31 der Getöteten zu identifizieren.
Infografik Drogen MexikoUnter den insgesamt 72 Mordopfern seien mindestens vier Menschen aus El Salvador sowie ein Brasilianer, sagte ein Vertreter der Staatsanwaltschaft im mexikanischen Bundesstaat Tamaulipas, der Nachrichtenagentur AFP.
Weitere Einzelheiten wurden nicht genannt. Aufgrund der Vielzahl der Leichen werde die Identifizierung und die Autopsie der Opfer einige Zeit in Anspruch nehmen, sagte der Beamte.
Der Botschafter von El Salvador in Mexiko, Hugo Castillo, ging ebenfalls davon aus, dass die Identifizierung der Toten keine leichte Aufgabe sei. Illegale Einwanderer reisten normalerweise ohne Ausweisdokumente, daher müssten die Ermittler in den Taschen der Toten nach den kleinsten Hinweisen auf ihre Herkunft suchen.
Die Ermittler gingen nach ersten Erkenntnissen davon aus, dass es sich bei den Getöteten um illegale Einwanderer aus Brasilien, Ecuador, Honduras und El Salvador handelt, die in die USA einreisen wollten. Vertreter dieser Länder waren am Donnerstag nach Tamaulipas gereist, um die mexikanischen Ermittler bei der Identifizierung der Toten zu unterstützen.
Entsetzen in Lateinamerika
Die Entdeckung der 72 Toten auf einer Farm nahe der Stadt San Fernando hatte in Mexiko und anderen lateinamerikanischen Ländern Entsetzen ausgelöst. Fotos vom Tatort zeigten die Mordopfer in zwei Reihen nebeneinander liegend mit verbundenen Augen und auf dem Rücken gefesselten Händen.
Mexikos Präsident Felipe Calderón verurteilte das Massaker in einer Erklärung scharf und schrieb den Mord an den mutmasslichen Einwanderern den blutigen Auseinandersetzungen zwischen dem in Tamaulipas dominierenden Golf-Drogenkartell und der Bande der «Zetas» zu.
Die «Zetas» haben sich von dem Golf-Kartell abgespalten und machen ihrem früheren Arbeitgeber seit einigen Jahren die Schmuggelrouten für Drogen streitig.
Ermittler verschwunden
Unterdessen verschwanden in dem Fall nach Behördenangaben zwei Ermittler. Laut Staatsanwaltschaft handelt es sich um einen Polizisten und einen Sonderermittler. Die Zeitung «La Jornada» berichtete am Freitag, in der Nähe des Tatorts sei die enthauptete Leiche des Sonderermittlers gefunden worden.
Gleichzeitig sei man auf einen weiteren geköpften Polizisten gestossen. Es sei aber nicht klar, ob dies der verschwundene Polizist sei. Eine Bestätigung dieser Information lag von offizieller Seite zunächst nicht vor.
Unbekannte verübten in dem Bundesstaat unterdessen Bombenanschläge auf einen Fernsehsender und eine Polizeistation. Die beiden Bomben waren am frühen Freitagmorgen in Fahrzeugen in der Stadt Ciudad Victoria an der Grenze zu den USA explodiert. Verletzt wurde niemand. Racheakte der Mafia gegen Medien und Polizisten sind in Mexiko keine Seltenheit.
(sda)


























