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Zugunglück im Wallis
30. Juli 2010 14:58; Akt: 30.07.2010 17:23 Print
Eine Kurve zu früh beschleunigt
Menschliches Versagen war der Auslöser für das schwere Bahnunglück in Fiesch. Dem Lokführer unterlief ein Fehler, den Autofahrer regelmässig begehen.
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Eine Woche nach dem tragischen Zugunglück in Fiesch VS ist die Ursache klar: Der Zug war zu schnell unterwegs. «Der Lokführer hat den Zug beschleunigt, als er das Schild mit der Geschwindigkeitslimite von 55 km/h sah, anstatt abzuwarten, bis er diese Stelle mit allen Wagen passiert habe», erklärte Walter Kobelt, Leiter Unfalluntersuchungsstelle Bahnen und Schiffe (UUS) des Bundes, an der Pressekonferenz am Freitagnachmittag in Brig. In der folgenden Kurve war die Fliehkraft so gross, «dass der Wagen Nummer sechs kippte und die beiden Wagen vor ihm mitriss», so Kobelt weiter. Über 40 Menschen wurden schwerverletzt, eine 64-jährige Japanerin starb bei dem Unglück. Für sie kam jede Hilfe zu spät, die meisten anderen Opfer konnten das Spital in der Zwischenzeit verlassen.
So wäre es korrekt gewesen, doch der Lokführer beschleunigte bereits vor dieser Stelle
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Schweres Zugunglück im Wallis
Lokführer unter Schock
«Wir sind alle zutiefst betroffen», sagt der Verwaltungsratspräsident des Matterhorn Gotthard Verkehrs (MGB), Jean-Pierre Schmid. Das Unternehmen habe in der 80-jährigen Geschichte immer die Sicherheit als erste Priorität gehabt und nun sei zum Jubiläum das schlimmste Ereignis der Geschichte geschehen. «Es beschämt uns ganz besonders, dass es auf die Leistung eines von unserer Mitarbeitern zurückzuführen ist», so Schmid weiter. Die Nachricht über seine Verfehlung traf auch den Lokführer hart: «Der Mann hat einen Schock erlitten und wird psychologisch betreut», sagte Hans-Rudolf Mooser, CEO der Matterhorn Gotthard Verkehrs AG (MGB). Das Unternehmen stehe trotz des tragischen Ereignissen hinter ihm und habe ihm psychologische und rechtlichen Beistand zur Seite gestellt. «Wir stehen in dauerndem Kontakt mit ihm.»
Untersuchungsrichter prüft Strafanzeige
Der zuständige Untersuchungsrichters für das Unglück will sich erst zum Fall äussern, wenn er die Resultate der Unfalluntersuchungsstelle Bahnen und Schiffe (UUS) erhalten hat. Im Vordergrund steht dabei vor allem die Frage, ob er den Zugführer strafrechtlich zur Verantwortung ziehen muss. Der Zugführer arbeitet seit acht Jahren bei der Matterhorn Gotthard Bahn und habe sich nie etwas zu Schulden kommen lassen. Wieso der Mann den Zug vor der dafür vorgesehenen Stelle beschleunigte, blieb unklar. «Er hat keinen Grund angegeben, warum er beschleunigte», sagte Mooser. Die Spekulationen von Walliser Medien, dass die Lokführer unter Zeitdruck stehen wegen der engen Fahrpläne, wies Mooser vehement zurück. «Die Pläne sind eng, aber fahrbar.» Der MGB-CEO räumte aber ein, dass sollte die Untersuchung des Falles andere Fakten an den Tag bringen, man reagieren werde. Die Geschwindigkeitslimiten müssten von jedem und zu jeder Zeit eingehalten werden. Die Beurteilung der Verantwortung des Lokführers liege bei der Justiz, so Mooser. «Mehr gibt es dazu nicht dazu sagen.»
Die Pressekonferenz im Live-Ticker:
15.10 Uhr: Die Pressesprecher haben die Teilnehmer der Medienkonferenz vorgestellt. Unter anderem anwesend sind Vertreter der Matterhorn-Gotthardbahn, der Leiter der Untersuchungen sowie zahlreiche politische Vertreter. Zunächst wird es eine Stellungnahme von Vizepräsident des Staatsrates des Kantons Wallis Jacques Melly geben. Anschliessend wird über den Gesundheitszustand der acht im verbliebenen Spital Personen informiert. Schliesslich soll eine Medienmitteilung des Untersuchungsrichters vorgelesen werden.
15.13 Uhr: Der Vizepräsident des Staatsrats des Kantons Wallis, Jacques Melly, spricht den Vertretern Japans im Namen des Kantons Wallis sein herzlichstes Beileid aus. «All unsere Gedanken sind bei den Opfern dieses tragischen Unfalls.»
15.15 Uhr: Während die Pressekonferenz läuft, hat die Polizei über die Ursache vorinformiert. Wie die Nachrichtenagentur SDA schreibt, ist «das schwere Bahnunglück auf menschliches Versagen zurückzuführen». Der Lokführer war zu schnell gefahren. Die Geschwindigkeitslimite wechselt auf dem Teilstück der Strecke von 35 auf 55 Stundenkilometern, wie schnell der Lokführer tatsächlich mit dem Zug unterwegs war, ist noch unklar.
15.30 Uhr: Der vierte Punkt, die Geleise: «Diese waren in einem einwandfreiem Zustand», sagt Walter Kobelt. Der Leiter Unfalluntersuchungsstelle Bahnen und Schiffe (UUS) des Bundes entkräftete damit die Behauptung des Lokführers, er habe vor dem Unfall eine Verformung der Schienen gesehen, aber nicht mehr bremsen können. Inzwischen ist klar, dass er die Geschwindigkeitslimite in diesem Teilstück nicht einhielt. Wie viele Stundenkilometer er zu schnell unterwegs war, teilten die Verantwortlichen bisher nicht mit.
15.25 Uhr: Walter Kobelt, Leiter Unfalluntersuchungsstelle Bahnen und Schiffe (UUS) des Bundes, gibt eine Erklärung ab. Gemäss Kobelt standen fünf Punkte im Vordergrund der Untersuchungen: Das Wetter habe keinen Einfluss auf das Unglück gehabt. Zudem seien auch die geologischen Merkmale des Gebietes normal gewesen und das Rollmaterial in einwandfreiem Zustand. «Diese Elemente konnten deshalb als mögliche Ursache ausgeschlossen werden», so Kobelt zu den ersten drei Untersuchungspunkten.
15.20 Uhr: Acht Personen befinden sich immer noch im Spital. Sie sind sich allerdings nicht mehr in kritischem Zustand, wie Dietmar Michlig, Generaldirektor des Gesundheitsnetzes Wallis, vor den Medien ausführte. 40 Personen waren beim Unfall schwer verletzt worden, eine 64-jährige Japanerin starb noch am Unfallort.
15.33 Uhr: Der Untersuchungsrichter prüft, ob der Lokführer strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden muss, berichtet die Nachrichtenagentur SDA. Ein Entscheid soll fallen, sobald der Bericht der eidgenössischen Untersuchungsstelle vorliege.
15.35 Uhr: Punkt fünf, das Tempo: Gemäss den Ausführungen von Kobelt beschleunigte der Lokführer den Zug kurz vor dem Unglück auf 56 Stundenkilometern. Erlaubt sind auf dem Teilstück maximal 35 km/h. «Der Zugführer hat den Zug beschleunigt, als er das Schild mit der Geschwindigkeitslimite von 55 km/h sah, anstatt abzuwarten, bis er diese Stelle mit allen Wagen passiert habe», so Walter Kobelt, Leiter Unfalluntersuchungsstelle Bahnen und Schiffe (UUS) des Bundes.
15.55 Uhr: Der Chef der Matterhorn-Gotthardbahn meldet sich zu Wort: «Wir sind eine alte Bahngesellschaft», so Jean-Pierre Schmid, Präsident Matterhorn Gotthard Verkehrs (MGB), «ausgerechnet im 80-Jahr-Jubiläum bricht das schlimmste Ereignis unserer Geschichte über uns herein.» Das Unternehmen habe immer die Sicherheit als erste Priorität gehabt und nun sei dies geschehen. «Es beschämt uns ganz besonders, dass es auf die Leistung eines von unserer Mitarbeitern zurückzuführen ist», so Schmid weiter.
15.50 Uhr: Der Pressesprecher liest die Medienmitteilung des Untersuchungsrichters vor. Der Richter will sich erst zum Fall äussern, wenn er die Ausführungen von Kobelt und dem UUS erhalten hat. Im Vordergrund steht dabei vor allem die Frage, ob er den Zugführer strafrechtlich zur Verantwortung ziehen will.
15.45 Uhr: «Die Zentrifugalkraft war so gross, dass der Wagen Nummer sechs kippte und den Wagen vor ihm mitriss», sagt Kobelt. Der Lokführer hatte eine Kurve zu früh von 35 auf 55 Stundenkilometer beschleunigt.
16.00 Uhr: «Wir sind alle zutiefst betroffen», so Jean-Pierre Schmid, Präsident Matterhorn Gotthard Verkehrs (MGB) in seiner Stellungnahme. Man könne es nicht genügend oft wiederholen, so Schmid, «deshalb nochmals - unser herzlichstes Beileid an die Opfer und deren Angehörigen.»
16.05 Uhr: Jean-Pierre Schmid und der Direktor der MGB haben gemäss eigenen Angaben die Angehörigen der getöteten Japanerin getroffen. Es sei ein bewegendes Treffen gewesen und man habe sich «herzlichst entschuldigt».
16.10 Uhr: Hans-Rudolf Mooser, CEO Matterhorn Gotthard Verkehrs AG (MGB), teilt sein tiefstes Mitgefühl an all die Betroffenen mit. «Beim Mitarbeiter, der die Lokomotive führte, handelt es sich um einen langjährigen Angestellten, der sich nie etwas zu Schulden kommen liess.» Die Geschwindigkeitslimiten müssten von jedem und zu jeder Zeit eingehalten werden. «Die Beurteilung der Verantwortung des Lokführers liegt bei der Justiz, wir werden aus deren Entscheid unsere Lehren ziehen.»
16.20 Uhr: «Der Lokführer wird betreut», so MGB-CEO Mooser. Das Unternehmen stehe trotz des tragischen Ereignissen hinter ihm und habe ihm psychologische und rechtlichen Beistand zur Seite gestellt. «Der Mann hat einen Schock erlitten und leidet», so Mooser. Man stehe in dauerndem Kontakt und Austausch mit dem Lokführer.
16.22 Uhr: Die Fragerunde für die Journalisten ist eröffnet.
16.25 Uhr: «Die Sicherheit hat bei uns Priorität», antwortet MGB-CEO Mooser auf die Frage, ob die Lokführer unter Zeitdruck stehen wegen der engen Fahrpläne. «Die Pläne sind eng, aber fahrbar. Wir müssen solche Spekulationen zurückweisen», so Mooser weiter. Sollte aber die Untersuchung des Falles andere Fakten an den Tag brigen, werde man reagieren. «Mehr gibt es dazu nicht dazu sagen.»
16.26 Uhr: Die japanischen Journalisten wollen wissen, warum der Lokführer zu schnell fuhr. «Er hat keinen Grund angegeben, warum er beschleunigte», hiess an der Pressekonferenz.
16.28 Uhr: «Im Moment können wir wirklich nicht sagen, warum der Lokführer an dieser Stelle beschleunigte», so Mooser. Jeder Fahrer wüsste, dass es Geschwindigkeitslimiten gibt. «Es hat sicherlich nichts mit mangelnden Instruktionen zu tun.»
16.35 Uhr: Die Pressekonferenz ist beendet.
(amc)

























