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08 novembre 2007 17:08; Act: 08.11.2007 22:00 Print
«Blut auf deinen Händen»
Am Tag vor dem Amoklauf mit neun Toten in einer südfinnischen Schule soll der Täter seine Ex-Freundin bedroht haben, und mit ihr über die Tragödie gesprochen.
Gemäss der finnischen Presse wurde die Ex-Freundin des Amokläufers, der an einer Schule acht Menschen tötete, von E-Mails und Nachrichten bombardiert. Vor allem auf ihrem YouTube Account. «Ich kam nach Hause und und checkte wie üblich meinen Account. Ich habe hunderte Nachrichten erhalten. Viele sagen, ich sei schuld für an der schrecklichen Tat. Ich fühle mich im Moment extrem schlecht», sagte die 22-jährige Dännin einer Zeitung.
Kein Psychopath
Die Frau hatte den Täter via Internet kennengelernt. «Er war kein Psychopath und möchte nicht, dass die Presse ihn so beschreibt. Er war ein super Typ, aber labil.»
Am Tag vorher hatten die Beiden via Internet über eine mögliche Schiesserei geredet. «Dann hat er sich für seine Gedanken entschuldigt.»
Blut auf den Händen
Die Ex-Freundin erzählt weiter: «Er schickte mir Nachrichten, um zu sagen, dass mein neuer Freund mich von ihm entfernte hätte. Er sagte mir, ich werde bald Blut auf den Händen haben. Dann entschuldigte er sich wieder für solche Worte.»
Nach dem Amoklauf an einer Schule in Südfinnland haben sich die Ermittlungen am Donnerstag auf das Motiv des Täters konzentriert. Der 18-Jährige habe offenbar möglichst viel Blutvergiessen anrichten wollen, erklärte die Polizei. Der Schüler erschoss am Mittwoch acht Menschen und richtete seine Pistole anschliessend gegen sich selbst. Im Krankenhaus erlag er seinen schweren Kopfverletzungen. Er hinterliess laut Polizei einen Abschiedsbrief. Zum Gedenken an die Getöteten wehten die Flaggen am Donnerstag landesweit auf Halbmast.
Bei dem Täter handele es sich um einen Aussenseiter und Einzelgänger, der in der Schule schikaniert worden sei, sagte ein Polizeisprecher. Dennoch scheine er wahllos auf seine Opfer gezielt zu haben. Mit den Getöteten verbinde ihn nichts, ausser, dass alle auf dieselbe Schule gingen. Bei den Todesopfern handelt es sich um sechs Schüler im Alter zwischen 16 und 25 Jahren, die 43 Jahre alte Schulkrankenschwester und die 61-jährige Direktorin.
«Man kann sagen, dass das Motiv noch offen ist», sagte der Ermittler Tero Haapala. Eine Erklärung könne hauptsächlich in den Einträgen auf der Website des Täters und seinem Sozialverhalten gefunden werden. Die Ermittler glauben, dass er die Pläne für seinen Amoklauf auf der Internetplattform YouTube angekündigt hat. In einem seiner Beiträge rief er zu einem Volksaufstand gegen «die versklavenden, korrumpierten und totalitären Regime» auf. Er sei bereit zu kämpfen und für sein Ziel zu sterben, schrieb er. «Ich als ein natürlicher Selektor werde alle eliminieren, die ich als unfähig, als Schande für die menschliche Rasse und Versagen der natürlichen Selektion betrachte», heisst es in dem Eintrag weiter.
Nach Angaben der Ermittler begann der Amoklauf des 18-Jährigen in der Jokela-Schule in Tuusula, rund 50 Kilometer nördlich der Hauptstadt Helsinki, gegen Mittag und dauerte rund zwei Stunden. Die Polizei fand den schwer verletzten Schützen in einem Waschraum in der Nähe der Cafeteria. In der Schule wurden ausserdem 69 Patronenhülsen entdeckt. Die Opfer seien in den Kopf oder den Oberkörper getroffen worden, sagte Haapala auf einer Pressekonferenz. Ausserdem habe der Amokläufer versucht, das Gebäude in Brand zu setzen. Er habe auf dem Boden und an den Wänden im ersten Stock eine brennbare Flüssigkeit ausgeschüttet, sie aber nicht angezündet.
Polizeisprecher Göran Wennqvist sagte, der Schüler habe ein Schreiben hinterlassen, in dem er sich von seiner Familie verabschiede und seinen Hass auf die Gesellschaft erläutere. Laut Polizei beschlagnahmten die Ermittler ausserdem mehrere Bücher und Unterlagen.
Der Täter war nach Polizeiangaben Mitglied in einem Schützenverein und hatte seit dem 19. Oktober eine Lizenz für eine Kleinkaliber-Pistole. Die Waffe hatte er zusammen mit Munition in den Tagen vor dem Massaker in einem örtlichen Waffenladen erworben. Er sei vor der Tat nicht straffällig gewesen und komme aus einer normalen Familie.
Vor der Schule stellten Schüler am Donnerstag Kerzen auf. Zur Betreuung trauender Einwohner von Tuusula wurde in einer Kirche ein Krisenzentrum eingerichtet. Dort standen Experten zu Gesprächen bereit. Staatspräsidentin Tarja Halonen nahm in der Kathedrale von Helsinki an einem Trauergottesdienst teil.
20minuten.ch

























