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Mordprozess
12. August 2009 11:31; Akt: 12.08.2009 13:56 Print
32-Jährige wegen Doppelmord vor Gericht
von Lars Rischke/AP - Eine Krankenschwester soll ihren Ex-Mann und ihre Adoptivmutter getötet haben. Ausserdem soll sie versucht haben, ihre Grossmutter und zwei Patienten eines Dresdner Krankenhauses umzubringen.
Wegen zweifachen Mordes und dreifachen versuchten Mordes muss sich eine Krankenschwester aus Dresden seit Mittwoch vor dem dortigen Landgericht verantworten. Die Angeklagte schwieg zu Prozessbeginn zu den schweren Vorwürfen und machte auch keine Angaben zur Person. Verteidigerin Ines Kilian verwies aber darauf, dass ihre Mandantin «die Vorwürfe von Anfang an bestritten» habe.
Die Angeklagte wird ins Gericht gebracht.(Bild: Keystone)
Der Anklage zufolge verwendete die Angeklagte bei allen ihren Opfern eine hohen Dosis Insulin. Diese waren allesamt nicht Diabetiker. Staatsanwalt Christian Richter begründete die Mordanklage damit, dass die Angeklagte heimtückisch vorgegangen und die Arglosigkeit der Opfer ausgenutzt habe. Im Fall ihrer Adoptivmutter soll sie zudem aus Habgier gehandelt haben, um als Allein-Erbin an deren Vermögen in Höhe von mehr als 62.000 Euro zu kommen.
Rechtsmediziner hatten bei der Toten im April 2008 eine Medikamenten-Überdosis als Todesursache festgestellt. Den weiteren Ermittlungen zufolge soll die Adoptivtochter ihr bereits in den Wochen davor mehrere Male Betäubungsmittel verabreicht und WC-Reiniger in die Augen gesprüht haben, um Symptome eines natürlichen Sterbens vorzutäuschen. Nachdem die Kripo-Beamten dies ermittelt hatten, stiessen sie auf weitere, bis dahin ungeklärte Tötungsdelikte.
Anschläge in der Klinik
Laut Anklage soll die Krankenschwester bereits 2001 auch ihren damaligen Ehemann getötet haben, indem sie ihm im Schlaf eine hohe Dosis Insulin spritzte. Ende 2005 soll sie dann versucht haben, ihre 84 Jahre alte Grossmutter auf gleiche Weise zu töten. Die Frau fiel ins Koma, überlebte aber.
Im Februar 2008 soll die Angeklagte in zwei Fällen ausserdem versucht haben, nachts in einer Klinik in Dresden als verantwortliche Stationsschwester Patienten umzubringen. Einem Mann verabreichte sie demnach starke Beruhigungsmittel und legte anschliessend Feuer im Zimmer. Der Mann überlebte, weil die Rauchmelder auslösten und die Feuerwehr rechtzeitig vor Ort war. Einen Tag später spritzte die Krankenschwester laut Anklage einem anderen Patienten Insulin.
Weil eine Assistenzärztin in der Nacht zufällig am Zimmer des Patienten vorbeikam und ein Röcheln hörte, konnte der gerettet werden, erlitt aber schwerste Hirnschäden. Inzwischen verstarb er. Ob dies letztlich auch auf die angeklagte Tat zurückzuführen ist, sollen nun Gutachter klären.
Angeklagte wollte in die Schweiz
Die Angeklagte folgte der Verhandlung ohne äussere Regung. Unmittelbar vor Prozessbeginn hatte sie ihr Gesicht hinter ihren langen dunklen Haaren und einer Sonnenbrille vor den Kameras versteckt. Die Vorsitzende Richterin Birgit Wiegand verlas am ersten Prozesstag mehrere Dokumente. Danach wollte die Angeklagte im September 2008 in der Schweiz in einer Psychiatrie-Klinik als Pflegerin anfangen. Auch ein Haus mit fünf Zimmern hatten sie und ihr derzeitiger Ehemann bereits gemietet.
Bianca D. stammt aus schwierigen sozialen Verhältnissen und kam nur wenige Tage nach ihrer Geburt in ein Kinderheim. Später wurde sie von einem Paar aus Dresden adoptiert. In einem Zeugnis wurde ihr bescheinigt, dass sie stets freundlich und hilfsbereit gewesen sei und sich schnell eingearbeitet habe.
Die mutmassliche Mörderin wurde Mitte 2008 festgenommen und sitzt seither in Untersuchungshaft. Für den Prozess hat das Schwurgericht zunächst 14 Verhandlungstage angesetzt. Wiegand sagte, das Verfahren könnte sich aber bis in das nächste Jahr ziehen.


























