Erdbeben in Italien

06. April 2009 06:09; Akt: 06.04.2009 19:51 Print

150 Tote, Notstand ausgerufen150 Tote, Notstand ausgerufen

Ein schweres Erdbeben in Mittelitalien hat mindestens 150 Menschen, darunter viele Kinder, das Leben gekostet. Der Zivilschutz rechnet mit noch mehr Toten und schätzt die Zahl der Obdachlosen auf 100 000 Menschen. Ministerpräsident Silvio Berlusconi rief den Notstand aus.

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Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano besucht am Gründonnerstag 2009 die Erdbebenregion in den Abruzzen. Lange Schlangen vor der Frühstücksausgabe in den Zeltlagern, die überall aufgebaut wurden. Frühstück für Hund und Frauchen. Rund 17 000 Menschen wurden auf einen Schlag obdachlos, wegen starker Nachbeben stieg diese Zahl auf 28 000. 17 000 Menschen leben nach dem schweren Erdbeben in Zeltlagern, 10 000 Obdachlose sind in Hotels an der Küste untergebracht. Ein Priester spendet Trost und segnet Zeltstadtbewohner. Viele Bewohner der Notunterkünfte haben ihre Familie verloren. Aber in all dem Leid gibts auch Spiel und Spass für die Kleinen. Sie werden unter anderem von Clowns abgelenkt. Traumatisiert bleiben werden sie trotzdem, sagen Experten. Ministerpräsident Silvio Berlusconi kam nicht eben gut an, als er sagte, man müsse die Nächte in Zelten als Camping-Weekend betrachten. Das Schweizerische Rote Kreuz schickte Zelte für 1000 Personen ins Erdbebengebiet. Die Menschen verloren nicht nur ihr Haus, sondern auch ihre Autos. Erneuter Schock: Nachbeben versetzten die Überlebenden in Panik. Noch am Donnerstag vormittag bebte die Erde. Die Kuppel der Kirche Anime Sante stürzte er st bei einem Nachbeben am Dienstag ein. Praktisch 100 Prozent des kulturellen Erbes von L'Aquila ist ganz oder teilweise zerstört worden. Wo die Kirchen nicht vollends zerstört sind, klaffen riesige Löcher ... oder schmale Risse. Die Kirche von Paganica wurde durch das Erdbeben zerstört. In Onna steht kaum ein Stein mehr auf dem andern. Ein Feuer in der Schubkarre wärmt wenigstens ein bisschen. Wohnungen, total zerstört. Die Anwohner sind erschüttert Das Strassenschild ist das einzige, was in dieser Strasse nach Onna noch steht. Was von seinem Zuhause übrig blieb: Ein Mann sitzt auf den Überresten seines Hauses in Onna. Ein Gebäude hat dem Erdstoss widerstanden, die Nachbarhäuser stürzten ein. Die zerstörte Innenstadt von L'Aquila. Ein Beatles-Cover in den Trümmern. Eine Hundestaffel aus Spanien hilft bei der Suche nach Überlebenden. Fieberhafte Suche nach den Toten oder Verletzten. Mit Baggern oder blossen Händen graben die Helfer nach Verschütteten... und finden leider häufiger tote als lebende. In der Nacht auf Dienstag setzt schwerer Regen ein und erschwert die Rettungsarbeiten. Doch es gibt Erfolgsmomente: Diese beiden Helfer bergen nach 24 Stunden eine junge Frau lebend aus den Trümmern. Auch noch nach 42 Stunden wurden Verschüttete lebend geborgen. Feuerwehrleute retten eine Frau aus dem oberen Stockwerk eines Wohnhauses ... Es ist die 98 Jahre alte Maria, die das Beben unverletzt in ihrem Bett überlebte und häkelte, bis die Retter kamen. Am Tag danach: schiere Verzweiflung beim Gang durch das zerstörte Dorf Onna. Ministerpräsident Silvio Berlusconi bedankt sich am Mittwoch bei freiwilligen Helfern. Die seismographischen Aufzeichnungen des Erdbebens Das Beben war auch in den Marken und in Rom zu spüren. Das Epizentrum lag im Gebiet nördlich von L'Aquila (Abruzzen) in etwa fünf Kilometer Tiefe.

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Nach den Angaben der Polizei gab es über 1500 Verletzte. Geplant ist die Einrichtung von Zeltlagern, in denen die Opfer vorübergehend untergebracht werden sollen. Laut der italienischen Nachrichtenagentur ANSA mussten vor dem Spital in L'Aquila Verletzte unter freiem Himmel behandelt werden, die Notaufnahme war überfüllt. Nur ein einziger Operationssaal könne genutzt werden. Die Universitätsklinik der Stadt blieb wegen Einsturzgefahr geschlossen. Schwerverletzte wurden per Helikopter in benachbarte Spitäler transportiert.

Schwieriges Durchkommen für Rettungskräfte

Ganze Familien sind nach Angaben der Lokalbehörden noch unter den Trümmern von eingestürzten Gebäuden verschüttet. Durch Nachbeben stürzten weitere zuvor bereits beschädigte Häuser ein. Auch die Strassen von L'Aquila und den umliegenden Ortschaften waren mit Trümmern übersät.

Die Rettungsmannschaften kamen nur mühsam voran. Freiwillige versuchten, die Menschen mit den Händen aus den Trümmern zu graben. Stimmen von Personen, die um Hilfe riefen, waren zu hören. Hunde wurden bei der Suche nach den Verschollenen eingesetzt.

Bis zu 15 000 Gebäude wurden durch das Beben einer Stärke von mindestens 5,8 auf der Richterskala beschädigt. Das Zentrum lag nach Angaben des Zivilschutzes in nur fünf Kilometern Tiefe. Experten überprüfen nun die Sicherheit der Brücken, der Stromleitungen und der Strassen in dem betroffenen Gebiet.

Notstand ausgerufen

Inzwischen traf der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi in L'Aquila ein. Zuvor hatte er den Notstand ausgerufen und eine Reise nach Moskau abgesagt. «Es ist die schlimmste Tragödie, die sich in Italien im neuen Jahrtausend ereignet hat», sagte Berlusconi.

Der Präsident der Region Abruzzen, Gianni Chiodi, sprach von einer «dramatischen Situation, die von Stunde zu Stunde schlimmer wird». «Wir versuchen Hilfe zu bringen, aber die Lage ist wirklich sehr schwierig», sagte er.

Italiens Zivilschutz-Chef Guido Bertolaso wehrte sich gegen den Vorwurf, Warnungen von Experten in den Wind geschlagen zu haben. Trotz der gehäuften Erdstösse der vergangenen Tage in der Region sei nicht absehbar gewesen, wann es zu einem starken Beben kommen konnte, sagte Bertolaso (20 Minuten Online berichtete).

Der Papst zeigte sich zutiefst betroffen. Er bete für die Opfer, vor allem für die Kinder, die beim Erdbeben ums Leben gekommen sind. Auch der italienische Staatspräsident Giorgio Napolitano zeigte sich betroffen. Er appellierte, Solidarität für die Opfer und ihre Familien zu zeigen.

Internationale Hilfsangebote

Bereits gingen zahlreiche Hilfsangebote aus aller Welt in Italien ein. Nach einer ersten Einschätzung der Lage brauche Italien jedoch keine Unterstützung aus dem Ausland, sagte Agostino Miozzo vom Zivilschutz.

Das Epizentrum des Erdbebens lag in den Abruzzen, östlich von Rom, wo die Erdstösse ebenfalls zu spüren waren. Unter Italien stossen zwei Bruchkanten von Erdplatten aufeinander.

Ausschnitte einer Direktübertragung aus der Erdbebenregion

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(Quelle: APTN Video)

(sda)