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WHO in Sorge
25. April 2009 08:43; Akt: 27.04.2009 09:57 Print
68 Tote durch neues Virus - Furcht vor Pandemie
Ein völlig neuer Erreger der Schweinegrippe hat in Mexiko bisher 68 Menschen das Leben gekostet und die Sorge vor einer Pandemie ausgelöst, also einer Ausbreitung auf mehrere Kontinente. Bereits ist das Virus in den USA entdeckt worden.
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Die Geschichte der Grippe
In 20 der 68 Todesfällen konnte der Erreger eindeutig nachgewiesen werden, wie Gesundheitsminister José Angel Cordoba am Freitag mitteilte. Mindestens 1004 Menschen sind an der Grippe erkrankt. Auch in Texas und Kalifornien haben sich nach Angaben der dortigen Behörden mindestens acht Menschen infiziert. Die Ausbreitung der Seuche alarmierte die Weltgesundheitsorganisation WHO.
Buspassagiere in Mexiko schützen sich mit Atemschutzmasken vor dem Virus.(Bild: Reuters)
Sogar an der Pressekonferenz zum Thema trägt ein Journalist eine Schutzmaske.
Grippeviren wandeln sich heimtückisch
Grippeviren gehören zu den wandlungsfähigsten Erregern, die bekannt sind. Die Entwicklung gänzlich neuer Typen ist zwar selten, aber extrem gefährlich. Meist springen dabei Viren von Vögeln, oder wie jetzt in Mexiko, von Schweinen auf den Menschen über.
Wenn sie in dessen Körperzellen auf andere, ältere Grippeviren treffen, kann sich ihr Erbgut mischen und völlig neue Erregertypen entwickeln. So zog zwischen 1918 und 1920 die Spanische Grippe um die Welt und kostete mindestens 25 Millionen Menschen das Leben. Manche Experten gehen sogar von rund 50 Millionen Todesopfern aus.
Der Erreger, ein Grippevirus vom Typ H1N1, war aussergewöhnlich aggressiv. Er bedrohte vor allem junge, gesunde Menschen zwischen 20 und 40 Jahren und nicht wie Grippeviren anderer Typen hauptsächlich Kleinkinder und ältere Menschen.
1957 folgte die Asiatische Grippe und 1968 die Hongkong-Grippe. Benannt sind die Erreger jeweils nach der Region, in der sie erstmals isoliert werden. Sie können sich von dort aus aber über die gesamte Welt ausbreiten.
Grossen Schrecken verbreitete daher die Vogelgrippe, die Ende 1997 in Hongkongs Hühnerställen grassierte und an der mehrere Menschen starben. Zum Glück konnte das Virus nur von Vögeln auf den Menschen und nicht von Mensch zu Mensch übertragen werden, so dass eine weltweite Epidemie ausblieb.
Der aktuelle Erreger entspricht nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) einer neu entstandenen Variante des Typs H1N1, der sowohl bei Menschen als auch bei Schweinen und Vögeln vorkommen kann. Schweine gelten als besonders gefährlich, weil sich verschiedene Grippeviren in ihnen gleich gut vermehren und auch mischen können.
(sda)
Schulen und Museen geschlossen...
Allein 13 der bestätigten Todesfälle wurden in Mexiko-Stadt registriert. Vier Fälle gab es in der zentral gelegenen Stadt San Luis Potosi, zwei nahe der US-Grenze in Baja California und ein Fall im südmexikanischen Staat Oaxaca.
Aus Sorge vor einer weiteren Ausbreitung der Schweinegrippe schlossen die Behörden in Mexiko-Stadt Schulen, Museen, Bibliotheken und Theater. In Bussen und U-Bahnen wurden Schutzmasken an Fahrgäste verteilt. Staatspräsident Felipe Calderón berief das Kabinett zu einer Krisensitzung ein.
...Krankenhäuser besser nicht betreten
Staatspräsident Felipe Calderón sagte, seine Regierung habe die Laborergebnisse zur Art des Virus erst am Donnerstag erhalten. «Wir tun alles, was notwendig ist», sagte Calderón nach einer Krisensitzung der Regierung. «Wir sind uns bewusst, wie ernst das Problem ist.»
Die Regierung hält
Virus springt von Mensch zu Mensch
Der Erreger weist genetische Merkmale des Schweins, von Vögeln und auch des Menschen auf - in einer Art, wie es die Forscher bislang noch nicht beobachtet haben. «Wir sind sehr, sehr besorgt», sagte WHO-Sprecher Thomas Abraham. «Wir haben es mit einem neuen Virus zu tun, und er verbreitet sich von Mensch zu Mensch.» Der Grippe-Experte Arnold Monto von der Universität Michigan sagte, bisher sei die Schweinegrippe in den meisten Fällen direkt vom Schwein auf den Menschen übertragen worden.
Auffällig ist, dass der neue Erreger seine Opfer bislang in einer Bevölkerungsgruppe gefunden hat, die normalerweise eher weniger anfällig ist: junge Leute und Erwachsene mittleren Alters. Ein möglicher Grund dafür könnte sein, dass die üblicherweise anfälligsten Gruppen - Alte und Kleinkinder - gegen andere Grippeviren geimpft worden sind und das diese Impfungen auch etwas Schutz vor dem neuen Erreger bieten.
Der Pandemie-Experte Michael Osterholm von der Universität Minnesota sagte, möglicherweise sei es bereits zu spät, den Ausbruch einzudämmen. In Mexiko-Stadt gebe es täglich hunderte und tausende von Reisenden. Es sei zu vermuten, dass es bereits zahlreiche weitere Infektionen gebe, die bisher noch nicht bekannt seien.
Spanische Grippe kostete 40 Millionen Menschenleben
Wissenschaftler warnen schon seit längerem davor, dass ein neues Grippevirus eine Pandemie, eine weltweite Ausbreitung der Infektion, auslösen könnte. Bei der Spanischen Grippe 1918/19, der schwersten bislang bekannt gewordenen weltweiten Erkrankungswelle, starben mindestens 40 Millionen Menschen. Der Erreger war ursprünglich ein reines Vogelvirus
Grippe-Pandemien variieren in ihrer Stärke. Die letzten beiden, 1957 und 1968, waren relativ mild, dabei starben zwei beziehungsweise eine Million Menschen. Was aber bei einer weiteren weltweiten schweren Erkrankungswelle tatsächlich passieren würde, ist auch für die Forscher derzeit nur schwer abzusehen. Im Schnitt liegen nach Berechnungen der Weltgesundheitsorganisation WHO 27,5 Jahre zwischen zwei Pandemien.
(dapd)


























