WHO in Sorge

25. April 2009 08:43; Akt: 27.04.2009 09:57 Print

68 Tote durch neues Virus - Furcht vor Pandemie68 Tote durch neues Virus - Furcht vor Pandemie

Ein völlig neuer Erreger der Schweinegrippe hat in Mexiko bisher 68 Menschen das Leben gekostet und die Sorge vor einer Pandemie ausgelöst, also einer Ausbreitung auf mehrere Kontinente. Bereits ist das Virus in den USA entdeckt worden.

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In 20 der 68 Todesfällen konnte der Erreger eindeutig nachgewiesen werden, wie Gesundheitsminister José Angel Cordoba am Freitag mitteilte. Mindestens 1004 Menschen sind an der Grippe erkrankt. Auch in Texas und Kalifornien haben sich nach Angaben der dortigen Behörden mindestens acht Menschen infiziert. Die Ausbreitung der Seuche alarmierte die Weltgesundheitsorganisation WHO.

Schulen und Museen geschlossen...

Allein 13 der bestätigten Todesfälle wurden in Mexiko-Stadt registriert. Vier Fälle gab es in der zentral gelegenen Stadt San Luis Potosi, zwei nahe der US-Grenze in Baja California und ein Fall im südmexikanischen Staat Oaxaca.

Aus Sorge vor einer weiteren Ausbreitung der Schweinegrippe schlossen die Behörden in Mexiko-Stadt Schulen, Museen, Bibliotheken und Theater. In Bussen und U-Bahnen wurden Schutzmasken an Fahrgäste verteilt. Staatspräsident Felipe Calderón berief das Kabinett zu einer Krisensitzung ein.

...Krankenhäuser besser nicht betreten

Staatspräsident Felipe Calderón sagte, seine Regierung habe die Laborergebnisse zur Art des Virus erst am Donnerstag erhalten. «Wir tun alles, was notwendig ist», sagte Calderón nach einer Krisensitzung der Regierung. «Wir sind uns bewusst, wie ernst das Problem ist.»

Die Regierung hält 500 000 Impf-Einheiten bereit. Sie sind für Mitarbeiter im Gesundheitsdienst vorgesehen, die das höchste Ansteckungsrisiko haben. Für die allgemeine Bevölkerung stehen keine Impfstoffe parat. Im Gegenteil: Die Behörden riefen die Menschen auf, Krankenhäuser zu meiden. Auch sollte man auf die sonst zur Begrüssung üblichen Küsse und das Händeschütteln verzichten.

Virus springt von Mensch zu Mensch

Der Erreger weist genetische Merkmale des Schweins, von Vögeln und auch des Menschen auf - in einer Art, wie es die Forscher bislang noch nicht beobachtet haben. «Wir sind sehr, sehr besorgt», sagte WHO-Sprecher Thomas Abraham. «Wir haben es mit einem neuen Virus zu tun, und er verbreitet sich von Mensch zu Mensch.» Der Grippe-Experte Arnold Monto von der Universität Michigan sagte, bisher sei die Schweinegrippe in den meisten Fällen direkt vom Schwein auf den Menschen übertragen worden.

Auffällig ist, dass der neue Erreger seine Opfer bislang in einer Bevölkerungsgruppe gefunden hat, die normalerweise eher weniger anfällig ist: junge Leute und Erwachsene mittleren Alters. Ein möglicher Grund dafür könnte sein, dass die üblicherweise anfälligsten Gruppen - Alte und Kleinkinder - gegen andere Grippeviren geimpft worden sind und das diese Impfungen auch etwas Schutz vor dem neuen Erreger bieten.

Der Pandemie-Experte Michael Osterholm von der Universität Minnesota sagte, möglicherweise sei es bereits zu spät, den Ausbruch einzudämmen. In Mexiko-Stadt gebe es täglich hunderte und tausende von Reisenden. Es sei zu vermuten, dass es bereits zahlreiche weitere Infektionen gebe, die bisher noch nicht bekannt seien.

Spanische Grippe kostete 40 Millionen Menschenleben

Wissenschaftler warnen schon seit längerem davor, dass ein neues Grippevirus eine Pandemie, eine weltweite Ausbreitung der Infektion, auslösen könnte. Bei der Spanischen Grippe 1918/19, der schwersten bislang bekannt gewordenen weltweiten Erkrankungswelle, starben mindestens 40 Millionen Menschen. Der Erreger war ursprünglich ein reines Vogelvirus

Grippe-Pandemien variieren in ihrer Stärke. Die letzten beiden, 1957 und 1968, waren relativ mild, dabei starben zwei beziehungsweise eine Million Menschen. Was aber bei einer weiteren weltweiten schweren Erkrankungswelle tatsächlich passieren würde, ist auch für die Forscher derzeit nur schwer abzusehen. Im Schnitt liegen nach Berechnungen der Weltgesundheitsorganisation WHO 27,5 Jahre zwischen zwei Pandemien.

(dapd)