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Umstrittene Werbung
05. November 2009 11:06; Akt: 05.11.2009 14:23 Print
Behindertenplakate: Es war die IV
von Annette Hirschberg - Hinter den diffamierenden Plakaten gegen Behinderte steckt die IV. Sie wollte mit positiven Auflösungen der Sprüche die «perfiden Vorurteile ins Visier» nehmen, denen Behinderte im Alltag vielfach ausgesetzt sind. Ob das genügt, die aufgebrachten Behindertenorganisationen zu besänftigen?
Seit Montag hängen in der ganzen Schweiz Plakate mit behindertenfeindlichen Aussagen. Dass hinter den Sprüchen, die gängige Vorurteile gegen Behinderte widerspiegeln, die Invalidenversicherung (IV) steckt, wurde schon am ersten Tag vermutet (20 Minuten Online berichtete). Die IV wollte aber erst nächsten Montag als Auftraggeber in Erscheinung treten und die positive Auflösung der Plakate präsentieren.
Auflösung vier Tage früher
Doch der Sturm der Entrüstung, den die Plakate in der Bevölkerung und unter den Behindertenorganisationen ausgelöst haben, zwang die IV zu schnellerem Handeln. Vier Tage früher präsentiert sie die Auflösung der Spruchkampagne. So heisst es nun «Behinderte liegen uns nur auf der Tasche - wenn wir ihre Fähigkeiten nicht nutzen» oder «Behinderte kosten uns nur Geld - bis sie mal zeigen können, was sie wirklich drauf haben». Ab sofort werden die neuen Spruch-Plakate in der ganzen Schweiz aufgehängt.
Behinderte sollen Arbeit nicht verlieren
An der eilig einberufenen Medienkonferenz am Donnerstagmorgen verteidigt die IV die Kampagne. Mit den negativen Aussagen wollte man die Leser wachrütteln, um dann durch die positive Auflösung das Bewusstsein im Umgang mit Behinderten zu verändern. «Behinderte sollen ihre Arbeit gar nicht erst verlieren oder wieder ins Berufsleben zurückfinden», sagt Alard du Bois-Reymond, Leiter des Geschäftsfelds IV.
«Gut gemeint, aber nicht gut gemacht»
Die Behinderten-Organisationen können diese Aussagen nicht besänftigen. «Die positiven Aussagen ändern nichts», sagt Mark Zumbühl von Pro Infirmis. Die Kampagne falle in ein Umfeld, in dem jede Verdeutlichung die gängigen Vorurteile nur bestätige. Die positive Auflösung schaffe es nicht, diese Vorurteile zu beseitigen. Für Zumbühl zeigt sich: «Das Gegenteil von gut gemacht ist gut gemeint.»
«Die Behinderten wurden an den Pranger gestellt»
Auch der im Rollstuhl sitzende FDP-Nationalrat Marc F. Suter spart nicht mit Kritik. «Der Schaden ist angerichtet», sagt er. Die Plakataktion habe Vorurteile geschaffen, die in der breiten Bevölkerung gar nicht existierten. «Die Behinderten wurden einfach pauschal an den Pranger gestellt, daran ändert die Auflösung nichts», so Suter. Er habe viele Mails von Behinderten oder deren Eltern erhalten, die durch die Plakate tief verletzt wurden. «So eine Kampagne dürfte nicht vom Staat lanciert werden», findet Suter. Er will sich noch persönlich bei Bundesrat Didier Burkhalter beschweren.
«Die Verantwortlichen haben sich entschuldigt»
Erleichtert über die frühe Auflösung ist Bruno Schmucki von der Behindertenorganisation Procap. «Es war wichtig, den in der Luft hängenden Vorwürfen schnell zu widersprechen», sagt er. Zudem hätten sich die Verantwortlichen bei allen entschuldigt, die sich die Plakate verletzt fühlten. In Zukunft, so Schmucki, müsse zuerst getestet werden, ob so eine Kampagne die Betroffenen verletze. Procap selbst will nun versuchen, die Diskussion rund um die Kampagne weiterzutreiben. «Wir wollen auf die Anliegen der Menschen mit Behinderungen aufmerksam machen.»
Zustimmung auch von Behinderten
Nicht alle Behinderte stossen sich an der Kampagne. Der Leiter des Zentrums für selbstbestimmtes Leben Peter Wehrli, der selber auf den Rollstuhl angewiesen ist, beglückwünschte die IV für den Mut. «Endlich hat die IV den Stier bei den Hörnern gepackt» sagte er. Ständig seien die Behinderten Opfer von unausgesprochenen Vorurteilen. Ständig werde unterschwellig ein negatives Bild verbreitet, kritisierte Wehrli. Es sei an der Zeit gewesen, dass die Vorurteile offen auf den Tisch kämen, um sie in einer öffentlichen Diskussion ausräumen zu können.
Laut du Bois-Reymond zeigt das Medieninteresse, dass dies gelingen könnte. Die Kampagne ist die dritte Phase einer vierjährigen Medienkampagne, mit der die Invalidenversicherung die berufliche Integration von Behinderten fördern will. Pro Jahr gibt die IV dazu 1,5 Mio. Fr. aus.
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Alle 160 Kommentare





























Für solche Aktionen darf kein Ged... !
Ich finde es absolut daneben, das man teure TV und Plakat Werbung produziert aber dann gross in der Weltgeschichte rum posaunt, dass der IV das Geld an allen Ecken und Enden fehlt. Staatliche Institutionen sollte es inskünftig untersagt bleiben, auch nur einen Rappen in Werbegelder investieren zu dürfen. In der heutigen Zeit gibt es genug Möglichkeiten, ein Thema einer breiten Diskussion unterziehen zu können ! Die Medien plappern einander eh alles nach !!
sozialpädagoge
was heisst hier positive aussagen? was ist mit denen die nicht 120% schaffen können,die nicht als erste im büro sind? das ist sinnlose verklärung und es nützt niemanden auf dieser ebene von nutzen zu diskutieren. die aktion führt zu einer gefährlichen nähe zu aussagen eines gewissen herrn singers, sicher ist dieser herr nicht unbekannt und die verantwortlichen heute sollten lieber überlegen statt unbedacht hinter etwas zu stehen was schweizersche behindertenpolitik 20 jahre zurückwirft.
IV Chef tritt ab
Herr Alard du Bois Reymond wird 2010 Direktor beim Bundesamt für Migration ,jetzt ist es klar er musste der SVP schmeicheln. Die Migranten tun mir jetzt schon leid.