Elend im Jemen

10. Februar 2012 11:48; Akt: 10.02.2012 13:54 Print

Das ist das Pressebild des JahresDas ist das Pressebild des Jahres

Berührend, verblüffend, frisch: 57 Fotografien wurden mit dem World Press Award ausgezeichnet. Das Siegerbild zeigt die intime Seite des Arabischen Frühlings.

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ein Bild aus dem Jemen: Eine Verwandte hält einen verwundeten Demonstranten in der Hauptstadt Sana'a. (Fotograf: Samuel Aranda) Die drogenabhängige Prostituierte Maria aus Kiew, Ukraine. (Fotograf: Brent Stirton) Eine Sängerin performt in einem Restaurant in Sotschi, Russland, dem Austragungsort der Olympischen Winterspiele 2014. (Fotograf: Rob Hornstra) Ein Model posiert am 9. Juli 2011 in einer Kreation von Designerin Yolande Mancini vor einer Schneiderstube an der Dakar Fashion Week. (Fotograf: Vincent Boisot) Senioren-Ehepaar in Buenos Aires, er rüstig, sie alzheimerkrank. (Fotograf: Alejandro Kirchuk) Nordkoreas Staatsgründer Kim Il-sung hängt überall - hier in einem Innenhof eines Mietshauses in Pjöngjang. (Fotograf: Damir Sagolj) Tahani aus dem jemenitischen Bergdorf Hajjah wurde mit Majed (beide rechts) verheiratet, als sie sechs war. Auch ihre frühere Schulfreundin Ghada (l.) musste ihren Mann bereits im Kindesalter ehelichen. Rund die Hälfte aller jemenitischen Frauen werden schon als Mädchen verheiratet. (Fotograf: Stephanie Sinclair) Demonstranten skandieren am 10. Februar Parolen auf dem Tahrir-Platz in Kairo. Einen Tag später tritt Ägyptens langjähriger Machthaber Hosni Mubarak zurück. (Fotograf: Alex Majoli) Ein Schiff inmitten von Trümmern nach dem Tsunami vom 11. März in Japan. (Fotograf: Paolo Pellegrin) Chieko Matsukawa hält ein Diplom ihrer Tochter in die Kamera, das sie drei Wochen nach dem Tsunami vom 11. März in den Trümmern ihrer zerstörten Heimatstadt Higashimatsushima gefunden hat. (Fotograf: Yasuyoshi Chiba) Polizisten führen am 25. Oktober 2011 eine Demonstrantin gegen Polizeigewalt und Einkommensunterschiede in Harlem, New York, ab. (Fotograf: Tomasz Lazar) Ein Eisbär klettert an einer Klippe der russischen Insel Nowaja Semlja. (Fotografin: Jenny E. Ross) Dem Rhinozeros links haben Wilderer die Hörner mit einer Motorsäge abgetrennt. (Fotograf: Brent Stirton) Zwei irische Rugbyteams kämpfen in einem Match mit Starkregen. (Fotograf: Ray McManus) Turmspringer beim Training an den Schwimm-Weltmeisterschaften in Schanghai, 17. Juli 2011. (Fotograf: Adam Pretty) Kleider und Schuhe von Jugendlichen, die am 22. Juli auf der Flucht vor Massenmörder Anders Behring Breivik ins Wasser vor der Insel Utoya gesprungen sind. (Fotograf: Niclas Hammerstrom) Die iranisch-dänische Schauspielerin Mellica Mehraban, leicht verschleiert. (Fotografin: Laerke Posselt) Ein Polizei-Rekrut in Kundus, Afghanistan. (Fotograf: Ton Koene)

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Gekrümmt lehnt er mit nacktem Oberkörper an der Schulter der verhüllten Frau. Ihre Arme hat sie um ihn gelegt, ihre Hände stecken in Gummihandschuhen. Wir befinden uns in einer Moschee in Sana'a, der Hauptstadt des Jemen. Sie dient als Feldlazarett. Draussen tobt der Protest gegen Präsident Ali Abdullah Saleh. Die Zustände erinnern an einen Bürgerkrieg. Die Schmerzen des Mannes lassen sich nur erahnen.

Der spanische Fotograf Samuel Aranda hat diesen Moment am 15. Oktober eingefangen. Und damit den Oscar der Pressefotografie gewonnen, den World Press Photo Award. «Das Foto steht für die gesamte Region», begründete Jurymitglied Koyo Kouoh in Amsterdam die Auszeichnung im wichtigsten Fotowettbewerb der Welt. «Es präsentiert Jemen, Ägypten, Tunesien, Libyen, Syrien – einfach alles, was während des arabischen Frühlings geschah.»

Das Besondere an dem Foto sei, dass es in einer bedeutenden Entwicklung «eine private, intime Seite» zeige. Aranda war im Auftrag der «New York Times» im Jemen.

Im Zuge der revolutionären Bewegungen in der arabischen Welt hatten Anfang 2011 auch im Jemen Proteste gegen Saleh eingesetzt. Der seit 1978 amtierende Staatschef unterzeichnete im November nach monatelangen Protesten mit hunderten Toten ein Abkommen zum Machtverzicht. Im Gegenzug wurde ihm Straffreiheit zugesichert. Bis zur Präsidentschaftswahl am 21. Februar ist Saleh als Ehrenpräsident formell noch im Amt.

Insgesamt zeichnete die 19-köpfige Jury in neun Kategorien 57 Fotografen aus 24 Ländern aus. Die besten Fotos finden Sie in der Bildstrecke oben.

(mlu/sda)

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  • Sam der Realist am 12.02.2012 19:49 Report Diesen Beitrag melden

    Gestelltes Kitsch

    Ich wette, das Siegerbild ist ein gestelltes und mit Photoshop bearbeitetes Bild! Eigentlich nur ein Kitsch welches Emotionen erwecken will! Der Egon hat mit seiner Aussage vollkommen Recht.

  • Elisabeth am 11.02.2012 22:48 Report Diesen Beitrag melden

    Schlimm und erniedrigt Frauen

    Die Fotos sind nur eines: deprimierend. Von Kunst kann ich evtl. in drei/vier Fotos entdecken. Was heute Kunst genannt wird bei Gemälden, Fotos, Skulpturen, Theater usw. ist manchmal grauenhaft. Da lobe ich mir einen Monet, Degas, Toulouse Lautrec etc.. Meine Tochter hat schon vor einigen Jahren mit 8Jahren gemeint: Das ist doch keine Kunst, das kann ich auch (nur hätte niemand was dafür bezahlt!).

    • hermann am 12.02.2012 20:18 Report Diesen Beitrag melden

      komische ansicht

      Sie bestimmen also, was Kunst ist und was nicht?

    einklappen einklappen
  • Der Egon am 11.02.2012 12:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erstaunlich

    Das ist dann wohl der Zerfall der Pressefotografie...von 18 Bildern verdienen gerade mal drei die Bezeichnung "Pressebild".