Unwetter in Italien

07. November 2011 17:07; Akt: 07.11.2011 19:52 Print

Der Schlendrian der Politiker steht am PrangerDer Schlendrian der Politiker steht am Pranger

Nach den schweren Unwettern werden in Italien die Vorwürfe gegen die Politiker immer lauter. Trotz Warnungen von Hydrologen wurden notwendige Schutzbauten nicht errichtet. Wut macht sich breit.

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In Genua wehen die die Fahnen auf Halbmast. Die ersten der sechs durch die schweren Unwetter und die Wassermassen des Wildbaches Fereggiano und des Flusses Bisagno getöteten Menschen wurden am Montagvormittag beigesetzt, wie das italienische Staatsfernsehen RAI meldet.

Italien macht sich nach den schweren Unwettern ans Aufräumen. In Genua helfen Studenten und andere Freiwillige dabei mit - mit Schaufeln versuchen sie den tonnenweise angeschwemmten Schlamm von den Strassen zu kriegen. Eine Sisyphusarbeit. Derweil ermittelt die Justiz: zu viel und zu schlecht sei gebaut worden, lautet einer der Vorwürfe. Das habe die Katastrophe mitverursacht. Doch es gibt noch andere Gründe.

Genua, Cinque Terre, Elba, Rom, Neapel: Binnen zwei Wochen sind in ganz Italien bei Unwettern 16 Menschen ums Leben gekommen. Im Kreuzfeuer der Kritik stehen die Politiker - und ihre Untätigkeit. «Die Zerstörung von Genua war vorhersehbar - heute fühle ich mich ohnmächtig», sagt der politisch aktive Komiker Beppe Grillo, der aus Genua stammt.

Korruption und Schlamperei

Wie recht er mit dieser Aussage hat, weiss Experte Renzo Rosso. Gegenüber der RAI erklärte der Wissenschafter, hydrologische Untersuchungen hätten ergeben, dass in 70 Prozent der italienischen Gemeinden Vorkehrungen gegen Hochwasser und Verbauungen von Bächen und Flüssen angezeigt wären. Aber nur gerade 40 Prozent dieser Kommunen hätten überhaupt etwas unternommen.

Allerdings fehle es an allen Ecken und Enden an Geld. Italien gebe für den Hochwasserschutz immer noch gleich viel Geld aus wie 1952 - dabei benötige man heute für effiziente Schutzmassnahmen viermal mehr Geld. Schlimmer noch, durch Korruption und Schlendrian versandeten ein Grossteil der zur Verfügung stehenden Mittel in anderen Kanälen.

Kein Wunder fordern Grillo und Oppositionspolitiker, dass die Verantwortlichen nun zur Rechenschaft gezogen werden - und zwar auf allen Stufen, bis hinauf zu Berlusconi: «Das Italien des Betons wird lebendig begraben. Es gibt keine Regierung, es gibt keine Opposition, sondern bloss einen Buisness-Ausschuss, der das Land schamlos unter sich aufteilt», sagt der verärgerte Grillo.

Es wird noch schlimmer

Wie notwendig Schritte gegen mögliche Unwetterschäden sind, zeigt ein Blick in die Zukunft. Das milde Herbstwetter habe dazu geführt, dass das Meer auch jetzt noch im November extrem warm sei. Entsprechend viel Feuchtigkeit sei so in die Atmosphäre gelangt. Unwetter-Alarme der Stufe 2 (die höchste in Italien) wie eben in Genua, werden aber zunehmen, erklären Klimaforscher der Uno gegenüber der Zeitung La Repubblica.

Zwischen dem 14. und 19. November versammeln sich die Katastrophenschutz-Experten in Kampala, Uganda, und diskutieren die künftigen Risiken von Extremevents. In ihrem Bericht warnt die Task Force: «Überschwemmunge und Stürme werden immer heftiger» und die Experten des Weltklimarats prophezeien wegen des anhaltend hohen C02-Ausstosses, «Hitze und tropische Stürme werden in Europa zur Norm», schreibt die Repubblica.

Das wird massiv ins Geld gehen. Einer der grossen Rückversicherer, die Munich Re, zählte 2010 insgesamt 950 Katastrophen. 90 Prozent davon seien auf die meteorologischen Veränderungen zurückzuführen. Kostenpunkt: 130 Milliarden Dollar.

Hier finden Sie die Videos der Unwetter:


Video: Eine verzweifelte Bewohnerin auf der Strasse, die sich in einen reissenden Bach verwandelt. (YouTube)

Folgende Videos: Wie vom Tsunami getroffen. Fluten in Genua (Quelle: YouTube)


Video: Autos werden wie Spielzeuge von den Wasser- und Schlammmassen weggespült (YouTube)


Video: Strassen verwandeln sich in Springbrunnen (YouTube)


Video: Aufräumarbeiten in Genua (YouTube)

(uwb/kub)

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  • Franz W. Seibold am 07.11.2011 21:00 Report Diesen Beitrag melden

    Politisch-idiotische Schuldzuweisungen

    Wenn eine unerwartet grosse Wassermenge nicht mehr rechtzeitig abfliessen kann, hat das mit menschlichem Versagen nichts zu tun. Dann ist das eine sogenannte Ueberschwemmung die hie und da einmal passieren kann. Man darf keine Menschen für Naturkatastrophen verantwortlich machen. Und im Nachhinein ist man dann so wie so immer klüger, - und hat alles kommen sehen. Offenbar nutzen gewisse Menschen solche Ereignisse um Streit und politischen oder gar pekunitären Gewinn daraus zu schlagen anstatt zu helfen wo Not am Menschen ist. Geschämig!

  • Roli A. am 07.11.2011 18:23 Report Diesen Beitrag melden

    Tragische Versäumnisse seit Jahrzehnten!

    Das Votum von Bebbe Grillo zu zitieren, dürfte wohl sehr deplaziert sein, weil dieser immer und über Alles in die gleiche Ecke lästert. In Genua muss die linke Stadträtin wohl den Entscheid betreffend offen lassen der Schulen auf sich nehmen und hat Sie schweren Muttes auch gemacht. Aber ob eine Person für das Alles Verantwortlich sein kann, meine ich ist zu billig auch wenn Sie wohl dafür den Hut nehmen muss. Italien hat viele Versäumnisse aber auch diese wieder der letzten Regierung an zu lasten, scheint mit in Ihrem Artikel auch wieder bedenklich.

  • Giovanni am 07.11.2011 18:22 Report Diesen Beitrag melden

    Italienische Politik - leider

    Traurig das Ganze- leider ist man geneigt zu sagen dass nur Politiker am Ruder sind die auch gewählt wurden - Berlusconi macht ja Gesetze dass ihm nichts passiert - da ist es doch logisch dass Lokalpolitiker ihre Kohle auch ins Trockene bringen wollen - und das was sie tun müssten nicht tun und dafür Geld einheimsen... dem sagt man Korruption... leider interessiert dies das Wasser nicht und es trifft einmal mehr die Unschuldigen.