Anschläge gegen Vasella

06. August 2009 18:12; Akt: 07.08.2009 09:26 Print

Die Kirche ist versprayt, die Gemeinde schweigtDie Kirche ist versprayt, die Gemeinde schweigt

Vor der Grabschändung in Chur und dem Brand seines Jagdhauses im Tirol wurde Novartis-Chef Daniel Vasella schon an seinem Wohnort in Risch ZG von militanten Tierschützern heimgesucht. Doch die Sprayereien wurden sofort abgedeckt. Niemand im Dorf will darüber sprechen.

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Die katholische Kirche am Wohnort von Novartis-Chef Daniel Vasella. Der Sockel ist mit einer weissen Plane umhüllt. Der Stoff verbirgt die Spayereien militanter Tierschützer. Sie verschmierten die Kirche in der Nacht auf den 17. Juli. Nur an einer Stelle hat es einen Riss: Mord ist dort in grossen Lettern zu lesen. Die Plane aus dickem Baustellenvlies umspannt die Kirche zu zwei Dritteln. Mit Latten und Nägeln wurde es auf der Kalksteinfassade befestigt. Der Denkmalschutz muss jetzt entscheiden, wie die Sprayereien beseitigt werden können. Novartis-Chef Daniel Vasella ist im Sommer 2009 zur Zielscheibe von militanten Tierrechtlern geworden. Laut Novartis haben sich Beschädigungen gegen Autos und Häuser in letzter Zeit «eher gehäuft» (August 2009). 10 Tage nach der Kirche, in der Nacht vom 26. auf den 27. Juli, wurde in Chur das Grab von Vasellas Mutter Ursula geschändet. Die Urne wurde ausgegraben und auf den Grabstein schmierten die Täter: «Drop HLS now» Am 3. August 2009 brannte das Jagdhaus von Daniel Vasella in Bach im Tirol lichterloh. Ursache: Brandanschlag. Novartis glaubt an eine Serie: «Wir haben keinen Zweifel daran, dass es sich immer um dieselbe Täterschaft handelt», lässt der Konzern verlauten. Die Täter werden im Umfeld von Organisationen wie der britischen Stop Huntingdon Animal Cruelty (SHAC) vermutet. Drei Tage nach der Tat, am 6. August 2009, taucht im Internet ein Bekennerschreiben einer «Tierschutzorganisation» namens MFAH Austria auf. MFAH steht für «Militant Forces against Huntingdon Life Science». Wie MFAH und SHAC zusammenhängen, ist unklar. Die MFAH beschreibt im Bekennerschreiben die Tat detailliert. So sollen Brandbomben mit über 60 Liter Benzin platziert worden sein. «Um eine möglichst grosse Wirkung zu erzielen, wurden Benzinkanister im Vordach und in der Garage des Hauses gestellt», heisst es wörtlich. Weiter steht auf der Homepage der Organisation an die Adresse Vasellas: «Wir werden dein Privatleben attackieren wann immer möglich.» Für Novartis steht fest: «Die Situation mit SHAC ist endgültig eskaliert.»

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Eine bläulich-weisse Baustellenplane umgibt zurzeit die katholische Kirche St. Verena in Risch ZG. Sie ist fest montiert mit Latten und Nägeln. Doch die schneeweisse Kirche über dem Zugersee, die für malerische Hochzeiten bekannt ist, soll nicht etwa renoviert werden.

Die gleichen Täter wie in Österreich?

Das breite Tuch verbirgt vielmehr riesige Sprayereien, die Unbekannte in der Nacht zum 17. Juli hingeschmiert haben. Es sind Drohungen und Beleidigungen an die Adresse von Novartis-Konzernchef Daniel Vasella, der in dieser Gemeinde seinen Wohnsitz hat. Was genau sich unter dem Tuch verbirgt, ist unklar. Einzig das Wort «Mord» in silbergrauen Lettern lässt sich durch einen Schlitz in der Plane erspähen. Gemäss dem US-Sender CNBC sollen die Worte «Vasella ist ein Mörder. Vasella muss sterben» da stehen.

Was auch immer an die Kirchenmauern von Risch geschmiert wurde - die Sprayereien erscheinen nach den beiden jüngsten Anschlägen gegen den Novartis-Chef in einem neuen Licht. In der Nacht zum 27. Juli wurde in Chur das Grab von Vasellas Mutter geschändet, eine Woche später wurde auf Vasellas Jagdhaus im Tirol ein Brandanschlag verübt. Die Urheber stammen in beiden Fällen aus dem Umkreis der militanten britischen Tierschutz-Organisation SHAC. Dass sie auch in Risch zugeschlagen haben, liegt nahe.

Ein Dorf schweigt

Im Dorf, wo neben Pharmakonzernchef Vasella etliche weitere schwerreiche Mitbürgern Wohnsitz haben, schweigt man über die Sprayereien. «Das geht mich nichts an, dazu sage ich nichts», meint eine Frau. Der Chef des Hotels «Waldheim», das direkt oberhalb der Kirche liegt, verweigert sich dem Gespräch. «Dazu geben wir keine Auskunft», so ein Angestellter. «Für Fragen ist die Kantonspolizei Zug zuständig», heisst es auch bei der Pfarrei.

Schwierige Renovationsarbeiten

Die geheimnisvollen Parolen auf der Kirche sollten wohl so schnell wie möglich verborgen werden. Doch das Gotteshaus hat eine Kalksteinfassade und steht unter Denkmalschutz. «Da gestaltet sich die Renovation des Gotteshauses schwierig», sagte Kapo-Sprecher Marcel Schlatter gegenüber der «Neuen Zuger Zeitung».

Wie lange es dauert, bis die Fassade der Kirche wieder heil und unbefleckt ist, ist darum noch unklar. Den Rischern kann es aber vermutlich nicht schnell genug gehen.