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Flamingo vom Zürichsee
06. Februar 2012 18:04; Akt: 06.02.2012 18:04 Print
Dieser Italiener ist in Gefahr
Er ist die Attraktion: Ein Rosaflamingo aus Italien hat im Zürichsee sein Quartier bezogen. Dem Wildvogel droht Nahrungsknappheit. Das Schicksal seines Kollegen bleibt ihm erspart.
Im Schilfgürtel von Hurden bei Rapperswil trotzt seit Tagen ein Rosaflamingo der beissenden Kälte. Der ungewöhnliche Gast kam vermutlich im August 2011 mit 17 Artgenossen vom Po-Delta. Nach einem Stopp am Vorarlberger Rhein flogen acht Jungvögel und ein ausgefärbtes Tier weiter an den Flachsee, vermutet Ornithologe Kurt Anderegg. Von dort verabschiedeten sich die Flamingos schliesslich in wärmere Gefilde – bis auf einen.
Für den Rosaflamingo von Hurden war der Zug abgefahren. Jetzt kämpft der Italiener alleine in den eiskalten Gefilden ums Überleben. Bislang hat er damit offenbar keine grösseren Probleme. «Ich habe ihn am Sonntag gesehen und gestaunt, wie gut es ihm geht», sagt Anderegg zu 20 Minuten Online. Der Vogel sei eine Runde von fünf bis sechs Kilometern über dem Raum Rapperswil geflogen. Ein Zeichen, dass das Tier noch gut bei Kräften ist. Am Montag wiederholte er seinen Rundflug. Bleibt es noch länger kalt, wird es für den Vogel aber gefährlich.
Das Eis wird zum Problem
«Das grösste Problem ist die Nahrung», sagt Michael Schaad von der Vogelwarte Sempach. Flamingos ernähren sich in seichtem Wasser von Kleintieren auf dem Seegrund. Doch am Zürichsee-Ufer sind bereits einige Stellen mit einer Eisschicht überzogen. Darunter auch Orte, wo der Vogel noch vor wenigen Tagen Futter fand. Gefriert der See weiter zu, wird der Lebensraum für den Flamingo knapp. Und Möglichkeiten, dem Tier zu helfen, gibt es kaum.
«Flamingos füttern ist schwierig, wilde Flamingos einfangen fast unmöglich», sagt Schaad. Entweder findet der Rosaflamingo genügend Nahrung zum Überwintern, oder er findet den Weg in wärmere Gefilde noch rechtzeitig, bevor er zu geschwächt ist.
Als die Aargauer den Vogel abschossen
Kommt es sonst zum Gnadenschuss wie im Januar 2010? Damals verirrte sich ein Flamingo aus dem Zürcher Zoo an den Flachsee. Die Aargauer Behörden gaben dem Vogel nur geringe Überlebenschancen und erschossen das Tier kurzerhand. Sehr zum Ärger des Besitzers. Schaad gibt Entwarnung: «Beim Flamingo aus dem Zürcher Zoo handelte es sich um einen Gefangenschaftsflüchtling. Beim Flamingo vom Zürichsee handelt es sich aber um einen Wildvogel, und die sind geschützt.»
Der frierende Italiener vom Zürichsee hat in den kommenden Tagen andere Probleme. Er muss schauen, dass er genügend Futter findet. Denn die eisigen Temperaturen halten weiter an. Dass er im Zürichsee einfriert, halten Experten für eher unwahrscheinlich. «Das würde er wohl merken und sich rechtzeitig an einen anderen Ort bewegen», sagt Kurt Anderegg.
(meg)



























