Trend gebrochen

02. November 2011 13:56; Akt: 02.11.2011 16:48 Print

Erste Erfolge im Kampf gegen SkimmingErste Erfolge im Kampf gegen Skimming

Die Fälle von Skimming an Bankomaten, in Geschäften oder bei der SBB haben 2011 massiv zugenommen. Nun scheint aber ein Durchbruch gelungen zu sein.

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Mit den in dieser Bildstrecke vorgestellten Tricks können Bankomat-Betrüger ihre Opfer um Tausende von Franken erleichtern. Besonders perfid: Eine direkt im Sichtschutz des Bankomaten versteckte Kamera zeichnet die Eingabe des Pin-Codes auf. Den Miniatur-Kameras reicht ein stecknadelgrosses Loch zum Ausspähen der Geheimnummer. Der neuste Trick ist «Cash Trapping»: Im Dezember 2011 warnt Hersteller Wincor Nixdorf vor der Masche, dass dem Kunden ein defekter Bankomat vorgegaukelt wird. Um Kreditkarten-Daten oder Bargeld zu ergaunern, manipulieren «Skimmer», wie die Diebe im Fachjargon heissen, die Bankautomaten mit raffinierten Mitteln. In diesem Fall wurde die Originaltastatur (rechts oben) mit einem Aufsatz versehen (links). Im Beispiel unten wurde gleich die ganze Frontplatte ersetzt. Hier hat sich jemand ganz viel Mühe gegeben: In eine gefälschte Frontplatte wurde sogar Elektronik für eine Statusanzeige und den Kreditkartenleser eingebaut, inklusive Akkupack. Hier sollte aber schon der Laie misstrauisch werden: Stümperhafte und lose Kartenaufsätze, die in niedersächsischen Bankautomaten entdeckt wurden. Manchmal muss man aber tatsächlich zweimal hinsehen, bis man die immer professioneller angefertigten Kreditkarten-Fänger entdeckt. Auch hier wurde eine nahezu perfekte Installation gebaut, um später Kreditkarten zu klonen. Hier installierten findige Pin-Diebe eine Miniatur-Kamera, die in einem Prospekthalter untergebracht ist und alle Tastatureingaben mitfilmt. Klar werden hier alle Kreditkarten akzeptiert: Hinter der Abdeckung filmt eine Spion-Kamera das Tastaturfeld. Das Abwehrsystem von Synfis erkennt 30 Arten von Manipulationen und stört das Magnetfeld von Skimming-Modulen. Das hat seinen Preis: Pro Automat kostet die Gegenmassnahme etwa 1500 Franken.

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Über 10 Millionen Dollar haben Datendiebe dieses Jahr bereits mit manipulierten Schweizer Geldautomaten ergaunert, und dabei sind die Kunden der PostFinance noch nicht einmal berücksichtigt. Doch nun zeigen die Gegenmassnahmen Wirkung: Statt zwei bis drei Skimming-Fälle pro Tag gibt es noch etwa zwei pro Woche.

Dies sagte Alain Bichsel, Sprecher der auf die Verarbeitung von Kartentransaktionen spezialisierten SIX Card Solutions, auf Anfrage der sda. Vor wenigen Tagen hatten die Bundesbehörden eine sprunghafte Zunahme von manipulierten Geldautomaten und Zahlterminals im ersten Halbjahr 2011 gemeldet. Dieser Trend scheint jedoch gebrochen.

Rasche Sperrung

Grund dafür sind laut Bichsel die Sensibilisierung der Kunden und die Gegenmassnehmen von Banken, Automatenherstellern und SIX Card Solutions. Die Geräte seien technisch aufgerüstet, die Kontrollen verstärkt und die Kartensperrungs-Prozesse verbessert worden, sagte er.

Karten würden etwa sofort gesperrt, wenn in kurzem Abstand Bezüge in der Schweiz und im Ausland getätigt würden. Das Gleiche passiert mit Karten, die an manipulierten Automaten benutzt wurden. Dank dieser Massnahmen seien die Betrugsfälle in den letzten Monaten markant zurückgegangen. Trotzdem konnten Betrüger bis Ende August knapp 10 Millionen Dollar von Schweizer Bankkonten abheben, wie Bichsel sagte.

Bald haben die Banken aber noch eine weitere Waffe im Kampf gegen die Skimming-Banden: SIX Card Solutions hat ein Tool entwickelt, mit dem die Bankkunden ihre Karten für bestimmte Länder sperren lassen können. Dies ist darum wirksam, weil die mit Skimming erschlichenen Kartendaten nur in jenen Ländern eingesetzt werden können, in welchen die Geldautomaten ausschliesslich mit dem Magnetstreifen funktionieren.

Dazu gehören etwa die USA, die Dominikanische Republik, Russland oder die Ukraine. In diesen Ländern werden auch die meisten Bezüge mit ergaunerten Kartendaten getätigt. In der Schweiz ist dies nicht möglich, weil hier für einen Bezug auch die Daten des Chip nötig sind. Dieser lässt sich im Gegensatz zur Magnetkarte kaum kopieren.

PostFinance zieht mit

Auch die PostFinance setzt auf die Einschränkung des Bargeldbezugs im Ausland. Die Post-Tochter will ihren Kunden demnächst anbieten, dass sie die Postcard für bestimmte Länder sperren können, wie Sprecher Alex Josty eine Meldung des «Blick» vom Mittwoch bestätigte. Wann das Angebot lanciert wird, ist noch nicht bekannt.

PostFinance wickelt über die Hälfte der Zahlungen in der Schweiz ab. Beim Skimming hatte das Unternehmen bisher Glück: Postomaten seien bisher nicht oder nur so dilettantisch manipuliert worden, dass keine Karten ausspioniert werden konnten, sagte Josty.

Allerdings wurden Postkunden Skimming-Opfer, als sie an Automaten von Banken Geld bezogen. Zahlen gibt PostFinance nicht bekannt. Die betroffenen Kunden seien entschädigt worden, sagte Josty. Das gilt auch für Bankkunden: Den Schaden tragen die Finanzinstitute.

(sda)

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  • Juli am 03.11.2011 06:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Big Brother

    Eine Cam? Das ich nicht lache... Das ruft dann sofort wieder die Datenschützer auf den Plan. Vielleicht müssen wir uns daran gewöhnen überwacht zu werden, damit Verbrecher schneller überführt werden können. Gilt auch für Telefon und Mail-Überwachung.

  • simon 08/15 am 02.11.2011 17:06 Report Diesen Beitrag melden

    bankenproblem

    ich frage mich ja, warum dies das problem der bürger sein sollte. die karten-automaten sind sache der bank. das so etwas überhaupt möglich ist, zeigt wieder sehr schön, das die banken dieses risiko eingehen wollen. cam welche den bankomaten überwacht, würde reichen. womit man die manipulation des verbrechers am automaten direkt dann auch verfolgen könnte. aber das scheint ja nicht gewünscht zu sein.

    • MAD am 02.11.2011 17:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Stop bank-bashing

      Skimming ist wie ein pc-virus: man kann erst aufrüsten, wenn bekannt ist wo das problem liegt. Zudem wird ein allfälliger schaden von den banken bezahlt. Also wo wird das risiko auf den kunden abgewälzt? Unterscheidet doch mal zwischen banken und investmentgaunern - das sind völlig verschiedene institute/berater.

    • etwa nicht? am 02.11.2011 18:08 Report Diesen Beitrag melden

      ofer

      pc viren werden aber oft von softwerherstellern selbst gemacht..

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  • Dr Chrigu am 02.11.2011 16:17 Report Diesen Beitrag melden

    Weg mit dem Magnetstreifen

    Mit den aktuellen Skimming Methoden wird der Magnetstreifen kopiert und zusammen mit dem (durch Kameras oder aufgesetzte Tastaturen gewonnene) Code auf neue Karten übertragen. In den meisten Ländern ist aber der Kartenchip relevant und nicht der Magnetstreifen. Ich verstehe nicht, warum nicht nur noch Karten mit Chip und ohne Magnetstreifen ausgegeben werden. Wer in die wenigen Länder fährt, die noch mit dem alten System funktionieren (USA, etc.) können sich ja dann eine speziell dafür bestellte Karte mit Magnetstreifen bestellen.

    • Sam muss es wissen am 02.11.2011 17:03 Report Diesen Beitrag melden

      Die Antwort heisst VPAY

      VPAY heisst das Analogprodukt von Maestro (MasterCard) aus der VISA-Linie. Dieses Produkt unterstützt nur den Chip. Frage mich, warum dieses Produkt in der Schweiz noch nicht eingeführt wurde ...

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