Systematische Vertuschung

22. März 2010 14:09; Akt: 22.03.2010 14:44 Print

Es regnet Vorwürfe gegen den PapstEs regnet Vorwürfe gegen den Papst

Mit seinem Hirtenbrief wollte Papst Benedikt XVI. klar Stellung beziehen zu sexueller Gewalt in der Kirche. Doch für etliche ist das nur ein weiterer Vertuschungs-Versuch.

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Mit seinem Hirtenbrief zu sexueller Gewalt in der irischen Kirche hat Papst Benedikt XVI. unterschiedliche Reaktionen ausgelöst.

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In seinem am Samstag veröffentlichten Schreiben warf der Papst der katholischen Kirche in Irland «schwere Fehler» beim Umgang mit dem Skandal vor. Er forderte die Täter auf, sich nicht nur vor Gott, sondern auch vor ordentlichen Gerichten zu verantworten. Während Kirchenvertreter die «klare Weisung» und «Entschiedenheit» des Papstes lobten, äusserten sich Vertreter der Opfer enttäuscht.

Auch enttäuscht reagierte der deutsche Theologie-Professor Gotthold Hasenhüttl: Der vom Priesteramt suspendierte Saarbrücker macht den Papst für die systematische Vertuschung sexuellen Missbrauchs verantwortlich. Als Präfekt der Glaubenskongregation habe Joseph Ratzinger - der heutige Papst Benedikt XVI. - allen Bischöfen unter Androhung kirchenrechtlicher Strafen untersagt, Missbrauchsfälle an die Öffentlichkeit zu tragen. Wegen dieses Schreibens vom 18. Mai 2001 sei er der Hauptverantwortliche für die Vertuschung, sagte Hasenhüttl der «Saarbrücker Zeitung».

Brief wird hart kritisiert

Der Hirtenbrief sei enttäuschend, weil er auf die entscheidenden Probleme überhaupt nicht eingehe, meinte Hasenhüttl weiter. Benedikt wolle die Taten «relativieren», indem er schreibe, dass die Missbrauchsfälle kein rein kirchliches Problem seien. Aber wenn die Kirche sich als Hüterin der Moral ausgebe, könne sie nicht so argumentieren. «Wenn in Familien Missbrauch geschieht, ist das keine Rechtfertigung, dass es ihn auch in der Kirche gibt», sagte er.

Vor wenigen Tagen hatte bereits der österreichische Pater Udo Fischer das Wort Vertuschung in einem Interview mit «ZIB 2» erwähnt: «Eigenständig werden sie nicht viel tun, wenn nicht der Papst selbst auftritt und sich entschuldigt, für das was Rom jahrzehntelang an Vertuschungen und Vertuschungsgesetzen verbrochen hat». Doch eine Entschuldigung des Oberhauptes allein reiche nicht. Wenn die Kirche nichts gegen die Vertuschung mache, «werden die Gläubigen noch mehr enttäuscht sein, als sie es ohnehin schon sind», warnte Pater Fischer.

(kle)