Die Löcher von Hellikon

12. Januar 2010 12:21; Akt: 03.02.2010 10:01 Print

Experten erforschen die mysteriösen LöcherExperten erforschen die mysteriösen Löcher

von Amir Mustedanagic, Hellikon - Zwei riesige Krater haben dem aargauischen Hellikon zu unverhoffter Berühmtheit verholfen: Heute wird die Tiefe der Erdlöcher untersucht. Die Experten haben nicht nur mit den eisigen Temperaturen zu kämpfen, sondern auch mit Schnee.

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Der Krater der ersten Doline, die am 20. Dezember entdeckt wurde. Am 12. Januar 2010 seilten sich Höhlenforscher in die Erdlöcher ab und machten die ersten Bilder. Knapp 14 Meter misst der tiefere der beiden Krater. Die Forscher entdeckten weiterführende Gänge. Diese waren sind jedoch unpassierbar. Gefahr in idyllischer Schneelandschaft: Die Dolinen in Hellikon im Kanton Aargau. Trotz der Abschrankungen gibt es immer wieder Schaulustige, welche die Löcher im Feld aus der Nähe betrachten. Am Dienstagmorgen sind die Geophysiker eingetroffen. Sie untersuchen den Untergrund mit elektrischen Messungen. In einer Begehung nehmen die Wissenschaftler einen ersten Augenschein von den Löchern. Die warme Luft aus dem Untergrund steigt als Dampf aus dem Boden. Der Schnee erschwert die Untersuchungen. Ziel ist herauszufinden, wie weit sich die unterirdischen Hohlräume erstrecken. Möglicherweise sind sogar Häuser gefährdet. Die Wissenschaftler verlegen Kabel für den elektrischen Strom Dieser wird über Stangen in den Boden eingeführt. Und mit einem Messgerät gemessen. Die Medien sind zahlreich vor Ort. Für die Löcher im Boden interessieren sich auch Höhlenforscher. Sie wollen in die Dolinen einsteigen. Ausgerüstet dafür sind fünf Personen. Begleitet von den Medien begeben sich die Höhlenforscher zu einer Doline. Dort begutachten sie zuerst das Loch im Boden. Der Höhlenforscher Fabrice Franz steigt in die Doline ein. Er ist von einem Kollegen gesichert. Doch die Höhle führt nicht weit. Und zu instabil ist das Erdreich. Die Doline droht einzustürzen.

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Weiss, nichts als weiss und mittendrin ein roter Absperrzaun. Die Sicherheitsvorkehrung der Gemeinde Hellikon AG erhält auf dem schneebedeckten Feld von Bauer Karl Schlienger eine zusätzliche Signalkraft: Bis hier her und nicht weiter! Die Gemeindeverantwortlichen kämpfen seit Tagen mit Schaulustigen, die die erste Helliker Sensation von nahe besichtigen wollen: Zwei 20 Meter tiefe Krater und einen ebenso tiefen Riss in einem Feld.

Gefährliche Arbeit des Geowissenschaftlers

Die Höhlentouristen unterschätzen die Gefahr der scheinbar friedlich dampfenden Löcher. Tatsächlich ist es ein faszinierender Anblick, wenn warme Luft aus den Löchern entsteigt und sich in Dampfwolken verwandelt. Doch der Schein trügt: «Ein falscher Tritt und ein bisschen Pech und wir stürzen ein», sagt Christoph Donié. Der Geowissenschaftler untersucht mit einem Kollegen seit Dienstag früh den aargauischen Acker im Auftrag der Gemeinde. Noch beruhen seine Annahmen auf einem ersten Augenschein, doch für den Experten ist jetzt schon klar: Hier muss etwas Grösseres sein.

«Die Risse und Krater verändern und weiten sich aus», sagt Donié. «Das ist ein Anzeichen dafür, dass es womöglich tief hinab geht.» Wie tief, wollen die Experten mit geoelektrischen Untersuchungen feststellen. Indem sie elektrischen Strom in den Boden senden und den Widerstand messen, wollen sie im Verlaufe des Dienstags eine erste grobe Kartierung des Untergrundes und der sogenannten Dolinen erstellen.

Möglicherweise sind auch Häuser bedroht

In einem ersten Schritt findet die Untersuchung auf einem Gebiet von 50 Quadratmeter rund um die Krater statt. «Je nach Ausgang der ersten Untersuchung müssen wir vielleicht das Gebiet erweitern», sagt Frau Gemeindeammann Kathrin Hasler. Sie sei zwar Laie, aber sie fürchte, dass sich die Hohlräume unter dem Feld über ein noch grösseres Gebiet erstrecken. Bedroht sei dann nicht nur die Zubringerstrasse neben dem Feld, sondern auch die Häuser am Hang darunter. «Wenn der Krater bis zum Hang reicht, könnte er rutschen – das müssen wir frühzeitig wissen», so Hasler weiter. Hauptziel der Gemeinde ist es deshalb, eine Ahnung des Umfangs der Gefahr nach dem heutigen Tag zu haben. «Wie wir das Feld dann sanieren oder aufschütten, ist Zukunftsmusik», so die Frau Gemeindeamann.

Obwohl die Experten bereits gegen 8 Uhr früh die Arbeit aufgenommen haben, können sie mit den Messungen noch nicht beginnen. Einerseits kämpfen sie mit den 30 Zentimetern Schnee, die auf dem Feld liegen, andererseits mit den Fragen der zahlreichen Medienschaffenden. Die ersten Fotografen und Kamerateams haben sich bereits eingefunden, im Verlaufe des Tages werden weitere erwartet. «Die Löcher haben uns unverhofft berühmt gemacht», freut sich Hasler. Nach den vergangenen Tagen sei sie jedenfalls schon sehr medienerprobt. «Und ein bisschen etwas Unheimliches haben die Löcher ja schon.»

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  • André Fischer am 03.02.2010 14:06 Report Diesen Beitrag melden

    an den Kopfschüttler

    Wie man über "so was" Witze machen kann? Ganz einfach, indem man über Humor verfügt. Und zur Beantwortung Ihrer zweiten Frage. Ja, das würde ich wohl.

  • Reto Kieser am 27.01.2010 22:55 Report Diesen Beitrag melden

    mit Kies auffüllen zum 2ten

    Manchmal zweifle ich schon etwas an Entscheidungsträgern: Mit Kies auffüllen und erledigt ist das ganze. Ein Gutachten hat ja nichts gebracht. Also nichts für die Gemeinde, für den Gutachter vermutlich $$$. Im Sponsoring Zeitalter dürfte für Werbefläche ein gratis Kieslieferant aufzutreiben sind: . Oder so.

  • julius am 27.01.2010 16:36 Report Diesen Beitrag melden

    Hellikon-Löcher

    Soeben habe ich (gerüchteweise) vernommen, dass das schweizerische Landesmuseum im Sommer 2010 diese Löcher für die Oeffentlichkeit ausstellen wird. Die SBB planen viertelstündliche Extrazüge nach Zürich. Ein Spezialzug fährt jeweils langsam durch die Löcher.