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Beschneidung in den USA
06. Oktober 2011 11:01; Akt: 06.10.2011 11:20 Print
Gouverneur stoppt den «Vorhaut-Mann»
von Martin Suter - Mit einer Volksinitiative wollte ein Kalifornier die Beschneidung von Knaben verbieten. Dazu entwarf er einen Comic – und löste damit eine Antisemitismus-Kontroverse aus.

Zwei Ausgaben von «Foreskin Man». Links das als antisemitisch empfundene Cover.
Kaliforniens Gouverneur Jerry Brown hat für den Kampf gegen die Beschneidung männlicher Neugeborener nichts übrig. Am Sonntag setzte er mit seiner Unterschrift ein Gesetz in Kraft, das den Städten und Gemeinden im grössten US-Gliedstaat untersagt, die Entfernung der Penis-Vorhaut bei Babys zu verbieten. Solche Verbote widersprächen dem Grundrecht auf «persönliche, medizinische und religiöse Freiheit», argumentieren die Befürworter des Gesetzes.
Das sieht Matthew Hess anders. «Kalifornien hat einen grossen Schritt rückwärts gemacht», sagte Hess, der als Präsident der Organisation «Male Genital Mutilation Bill» den Kampf gegen die «Genitalverstümmelung beim Mann» anführt. Für Hess ist die Beschneidung ein «chirurgischer Eingriff, welcher der Entscheidung eines Erwachsenen überlassen werden sollte. Er sollte keiner Person aufgezwungen werden, weder einer männlichen noch weiblichen.»
«Antisemitische Bilder»
Hess und seine Mitstreiter sind jetzt wieder weit von ihrem Ziel entfernt, die nach ihrer Auffassung «schmerzhafte und sexuell schädigende Praxis» zu verbieten. Noch im Frühjahr wähnten sie sich auf gutem Weg. Zur Verblüffung ganz Amerikas gelang es ihnen, in San Francisco die für eine Volksinitiative nötigen gut 7000 Unterschriften zu sammeln. Es sah so aus, als würden die Wähler in der für soziale Experimente bekannten Stadt im November über ein Beschneidungsverbot abstimmen.
Doch dann beging Hess einen Fehler. Um sein Anliegen unter die Leute zu bringen, veröffentlichte er einen Online-Comic mit dem Titel «Foreskin Man», worin der als blonder Superman gezeichnete «Vorhaut-Mann» neugeborene Knaben vor der Beschneidung schützt. Die zweite Episode hiess «Monster Mohels» und zeigte die bösen Beschneider (Mohels) als orthodoxe Rabbiner in schwarzer Tracht. Die Proteste liessen nicht auf sich warten. Sofort rügte die jüdische Anti-Defamation League den Comic als «respektlos und tief beleidigend», nannte ihn eine Ansammlung von «grotesk antisemitischen Bildern und Themen.»
Richterin annulliert Abstimmung
Damit ging dem Anliegen die Legitimität verloren. In Kaliforniens Hauptstadt Sacramento wurde das nun eingeführte Gesetz gegen Beschneidungsverbote eingebracht. In Santa Monica gab eine Gesinnungsgenossin von Hess das Vorhaben auf, 2012 ein ähnliches Verbot über eine Volksabstimmung einzuführen. Schliesslich hiess in San Francisco eine Richterin die Klage von Befürwortern der Beschneidung gut. Die Regelung medizinischer Prozeduren sei Aufgabe des Gliedstaats, nicht der einzelnen Städte, urteilte die Richterin und annullierte die Abstimmung.
Die Emotionen gingen hoch, weil die Beschneidung im jüdischen Glauben eine zentrale Bedeutung hat. Nach dem Alten Testament schloss Gott mit Abraham einen Bund unter der Bedingung, dass alle Knaben beschnitten werden. Aus diesem Grund wird bei männlichen Neugeborenen jüdischer Abkunft zu weit über 90 Prozent die Vorhaut entfernt, in der Regel am achten Lebenstag. In der Nazizeit separierten Hitlers Schergen Juden von Nichtjuden mit einem kurzen Blick auf den Penis.
«Die Sexualität beschädigt»
Während in Europa fast nur jüdische und muslimische Knaben beschnitten werden, ist diese Praxis in den USA viel weiter verbreitet. 79 Prozent der Amerikaner erklären sich als beschnitten. Noch 2005 wurde die Prozedur in Geburtskliniken bei 55 Prozent aller Neugeborenen vorgenommen. Populär wurde sie nach dem Zweiten Weltkrieg, vor allem weil die Beschneidung Infektionen und die Übertragung von Krankheiten erschwert. In Afrika gilt sie heute bei Erwachsenen als effektivste Massnahme gegen die Verbreitung von HIV/Aids.
Das prüde Amerika bejahte die Beschneidung aber auch als Mittel gegen Masturbation. «Sie hat meine Sexualität beschädigt», sagt der Vorkämpfer Hess. Als Endzwanziger habe er immer weniger Lust empfunden, und daran sei der Verlust seiner Vorhaut schuld. Jetzt widme er sein Leben dem Ziel, andere vor dem gleichen Schicksal zu bewahren. «Wir wollen nicht antisemitisch sein», sagte er dem «San Francisco Chronicle», «wir wollen pro Menschenrechte sein.»
Ein Trost für Hess mag sein, dass auch ohne seine Initiative die Beschneidung von Knaben in den USA an Popularität einbüsst. Ein wichtiger Grund dafür ist banal: In immer mehr Bundesstaaten wird die Prozedur aus Kostengründen von der Krankenversicherung für Minderbemittelte nicht mehr übernommen. In den 16 Staaten, wo Eltern selbst dafür aufkommen müssen, nahm die Beschneidungsquote um 24 Prozent ab.
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Alle 225 Kommentare






























Nur tiefere Comic?
Intrassant, dass ein Tierschutzgesetz zum Wohle der Tiere offenbar leichter umsetzbar ist, als den Schutz der Würde des Menschen.
Mit und ohne
Ich bin froh gibt es die Beschneidung. Ohne die Beschneidung wäre es mir nicht möglich gewesen mit einer Frau intim zu werden. Nichteinmal richtig selbsbefriedigen konnte ich mich.Bin Froh das ich das machen lassen konnte. Und würde es jedem raten dem es gleich erging. Mein Kleiner bruder wurde dafür als Baby beschnitten. Scheint bei uns in der Familie zu liegen. Jedem das seine. Und hört doch auf zu sagen es sei körperverletzung. Was ist denn auch mit vielen jungen Mädchen die heutzutage im Babyalter die Ohrlöcher gesteckt werden!?
Alles gute!
Die Ohren sind aber noch dran! Die Vorhaut piercen wäre ein akzeptabler Vergleich. Die Vorhaut ist viel empfindlicher als die Eichel. Sie ist mit den Fingerspitzen und Lippen zu vergleichen. (20000Nervenenden) Schön, dass man dir als Erwachsner Mann chirurgisch helfen konnte. Es war aber deine Entscheidung. Und wenn ihr in der Familie alle diese Gene habt, ist es auch ok. Aber dadurch, etwas positives für alle gesunden Menschen begründen zu wollen ist schon sehr bedenklich.
Beschneidung verbieten!
Ich (freiwillig beschnitten) finde man sollte die Beschneidung nach der Geburt verbieten. In meinen Augen ist dies eine Verletzung der Menschenrechte. Unnötige körperliche Eingriffe sind ein Verbrechen. Jeder soll später selbst entscheiden können, ob er das möchte oder nicht. Für mich kommt Menschenrecht vor Religion. Körperverstümmelung durch Fremdeinwirkung darf doch nicht legal sein. In meinen Augen ist Zwangsbeschneidung ein krimineller Akt.
Kriminell
Manny, du hast recht. Zwangsbeschneidung ist als krimineller Akt zu bezeichnen.