Wetterfrosch in U-Haft

24. März 2010 15:20; Akt: 29.03.2010 14:13 Print

Kachelmann bleibt hinter GitternKachelmann bleibt hinter Gittern

Der TV-Star schmort weiter im Knast: Seine Anwälte haben den Haftprüfungsantrag zurückgezogen - aus taktischen Gründen, wie es aus Justizkreisen heisst.

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Nach gut viereinhalb Monaten in U-Haft wird Jörg Kachelmann am 29. Juli 2010 aus der U-Haft entlassen. Mindestens bis zum Prozess im September ist er ein freier Mann. Am 24. März wurde Kachelmann dem Haftrichter in Mannheim vorgeführt. Nach seiner Aussage vor dem Amtsgericht Mannheim wurde der TV-Star in die Justizvollzugsanstalt zurück gebracht. Seither sitzt er in U-Haft. Damals sahen die Richter keinen Grund, den Wettermann auf freien Fuss zu setzen. Kachelmann wird vorgeworfen, seine Freundin mit einem Messer bedroht und vergewaltigt zu haben. Kachelmann bestreitet die gegen ihn erhobenen Vorwürfe. Über seinen Anwalt lässt er ausrichten,m sie seien «frei erfunden». Der Wetterfrosch war am Samstag, 20. März 2010, auf dem Flughafen Frankfurt verhaftet worden. Er kam gerade aus Vancouver zurück, wo er für die ARD zusammen mit Marcus Wasmeier, Katharina Witt und Peter Schlickenrieder (v.l.) von den Olympischen Spielen berichtete. Der 51-jährige Wetterfrosch, der sich seine Kenntnisse der Meteorologie autodidaktisch angeeignet hat, präsentierte 1997 in Wallisellen ZH seinen eigenen TV-Wetterkanal. Seine Karriere bei der ARD hatte er 1990 als «Weatherman» beim Radiosender SWF 3 (inzwischen SWR) gestartet. Kachelmann schaffte es in Deutschland bis ins Unterhaltungs-Fernsehen. Im Mai 1998 trat er erstmals als Moderator der Quizsendung «Einer wird gewinnen» auf. Mit Hans-Joachim Kulenkampff hatte er einen berühmten Vorgänger. Kachelmann gilt als wortgewandt - und als einer, der kein Blatt vor den Mund nimmt.

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Der unter Vergewaltigungsverdacht stehende Moderator Jörg Kachelmann bleibt in Untersuchungshaft. Das hat das Amtsgericht Mannheim am Mittwochnachmittag mitgeteilt. Allerdings handelt es sich nicht um eine Entscheidung über eine Haftprüfung. Der Antrag von Kachelmanns Anwalt auf Haftprüfung sei offenbar zurückgezogen worden.

Über fünf Stunden lang musste der TV-Star heute dem Mannheimer Gericht Red und Anwort stehen. Gebracht hat es offenbar nichts: «Eine neue gerichtliche Entscheidung ist aus prozessualen Gründen nicht ergangen», heisst es in bestem Juristen-Deutsch in der Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft.

Haftantrag aus taktischen Gründen zurückgezogen?

Damit nimmt das Verwirrspiel um eine mögliche Haftentlassung von Kachelmann eine neue Wendung: Erst hiess es, es gebe eine Haftprüfung, was die Anwälte von Kachelmann dementierten, die Staatsanwaltschaft aber bestätigte. Nun ist es definitiv: Kachelmann bleibt in U-Haft. Seine Anwälte zogen offenbar den Haftprüfungsantrag zurück. Die Gründe dafür blieben zunächst unklar.

In Justizkreisen geht man davon aus, dass es taktische Gründe hat. Bei einem Haftprüfungstermin hätte das Gericht zu prüfen, ob der dem Haftbefehl zugrunde liegende dringende Tatverdacht der Vergewaltigung und der Haftgrund der Fluchtgefahr weiterhin besteht. Hätte der Richter über den Haftprüfungsantrag entschieden und die Fortdauer der U-Haft angeordnet, hätten Kachelmanns Anwälte frühestens in drei Monaten erneut einen Antrag stellen können.

Noch am Morgen liessen die Anwälte des 51-jährigen Schweizers verlauten, ihr Mandant werde bei dem Haftprüfungstermin eine «umfassende» Aussage zu den Vorwürfen machen. Sie schätzten die Chancen, dass Kachelmann freikomme, aber bereits zu diesem Zeitpunkt als gering ein.

«Vorwürfe frei erfunden»

«Er bestreitet die Vergewaltigung. Er hat sich vorbehalten, weitere Beweisanträge zu stellen und einen neuen Haftprüfungstermin zu beantragen», so Sprecher Andreas Grossmann. Die Staatsanwalschaft blieb aber dennoch bei ihrer Einschätzung: «Wir schätzen die Aussagen der Frau als glaubhaft ein.» Es bestehe ein dringender Tatverdacht.

Die Faktenlage in dem Fall Kachelmann bleibt auch nach dem Einvernahme-Marathon unklar. Tatsächlich äusserten sich die Anwälte des Wetterfroschs noch nicht einmal zur Frage, ob das mutmassliche Opfer überhaupt eine Beziehung zu Kachelmann pflegte. Seine Anwälte bezeichneten die Vorwürfe der Frau bisher einzig als «frei erfunden und haltlos». Der Opferanwalt Thomas Franz widersprach ihnen: «Die Verletzungen und die Vergewaltigung wurden bei einer Untersuchung in der Gerichtsmedizin auch festgestellt», sagte er.

Keine Einzelzelle für Kachelmann

Wie es weitergeht, ist im Moment noch unklar. Sicher scheint bisher nur: Kachelmann muss zurück zu seinem Zellenkumpan. Für Sonderbehandlungen ist in der Strafanstalt Mannheim nicht genug Platz, wie Gefängnisleiter Romeo Schüssler sagte. «Wir haben derzeit keine Einzelzelle zu vergeben.»

(amc/sda/dapd)