Waldbrände in Russland

11. August 2010 17:39; Akt: 11.08.2010 17:46 Print

Keine radioaktive Gefahr für die SchweizKeine radioaktive Gefahr für die Schweiz

Die mit radioaktiven Partikeln verschmutzte Luft aus den Waldbrandgebieten in Russland stellt nach Ansicht der Behörden keine unmittelbare Gefahr für die Schweiz dar.

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Rund um die Hauptstadt loderten noch vier Wald- und fünf Torfbrände. In ganz Russland stünden noch Hektar in Flammen, hiess es am 18. August. Oleg Mikhailov (42) birgt Münzen, die er im von Bränden versehrten Dorf Kartonosovo in der Region Riazan gefunden hat (180 Kilometer südöstlich von Moskau), 12. August 2010. Kartonosovo. Feuerwehrmann in der Nähe des Dorfes Ryabinovka in der Region Riazan. Ein Löschflugzeug wirft seine Ladung etwas ausserhalb der Stadt Schatura ab, 110 Kilometer südöstlich von Moskau. Feuerwehrmann vor Schatura. Dicke Luft in Moskau. Hund mit Schutzmaske am 10. August 2010. Seit Wochen lodernde Wald- und Torfbrände haben Mitte August dafür gesorgt, dass Moskau unter einer dicken Smogschicht begraben liegt. Auf den internationalen Flughäfen kam es wegen der schlechten Sicht zu langen Verspätungen, mehrere Flüge wurden in andere Städte umgeleitet. Die Sterblichkeitsrate in der russischen Hauptstadt schnellte im Vergleich zum Saisondurchschnitt auf fast das Doppelte. Jeden Tag werden 700 Todesfälle gemeldet. Die Schadstoffe in der Luft waren gegenüber dem Grenzwert um das Zwei- bis Dreifache erhöht. Dicke Luft auf dem Roten Platz. Grund für den Smog sind die in Russland seit Wochen wütenden Wald- und Torfbrände. Laut der Umweltschutzorganisation WWF wurden mehr als 7000 Brandherde gezählt. Tausende Einsatzkräfte bemühen sich darum, die Flammen einzudämmen. Die Regierung hat die Zahl der Soldaten massiv aufgestockt. Mittlerweile sind nach Angaben des Verteidigungsministeriums 10 000 Mann im Einsatz. Sie sollen Brandschneisen anlegen ... ... und Wasserleitungen bauen. Regierungschef Wladimir Putin sagte bei einem Besuch von Feuerwehrleuten in der besonders betroffenen Region um die Stadt Woronesch, die Lage bleibe angespannt und gefährlich. Die Feuerwalze bedroht nach Angaben der russischen Regierung auch 89 erdölverarbeitende Betriebe. Die Raffinerien verfügen weder über automatische Feuerlöschanlagen noch über Giftgas-Warnsensoren. Wegen der heranrückenden Waldbrände haben die russischen Behörden ausserdem die Atomanlage in Sarow gesichert. Alle radioaktiven und explosiven Materialien wurden aus der 500 Kilometer östlich von Moskau gelegenen Anlage abtransportiert. Der Rauch der Waldbrände um Moskau zog sogar bis in die U-Bahn der Hauptstadt. Die Dächer der vielen Hochhäuser waren nicht mehr zu sehen. Der Rauch hüllte die Zehn-Millionen-Einwohner-Stadt in dichten Smog. An den zahlreichen Waldbränden sei nicht allein die aktuelle Hitze Schuld, betonte die Umweltorganisation WWF. Eine mangelhafte Vorsorge und ein miserables Waldmanagement seien die Hauptursachen für die Brandkatastrophen. «Hier rächen sich die Fehler aus den vergangenen Jahrzehnten», erklärte der WWF. Illegaler Holzeinschlag, die Übernutzung der Wälder und grossflächiger Kahlschlag hätten zu der aktuellen Lage massgeblich beigetragen.

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«Wir haben nirgends Hinweise auf erhöhte Radioaktivität, auch nicht bei unseren europäischen Partnerorganisationen», sagte Christian Fuchs, Sprecher der Nationalen Alarmzentrale (NAZ) am Mittwoch. Die Berechnungen zeigten, dass mindestens bis Freitag keine Luftmassen aus Russland bis in die Schweiz gelangten.

«Die Luftströmungen laufen kurzfristig eher Richtung Ostseeraum und Baltikum und nicht nach Westeuropa», sagte auch Heinz Maurer von MeteoSchweiz. Wegen der Brände auf radioaktiv verseuchten Gebieten berechnet MeteoSchweiz seit Dienstag im Auftrag der NAZ, mit welcher Geschwindigkeit und Richtung sich die Luftmassen aus Russland bewegen.

Auch bei einer veränderten Wetterlage geht die NAZ davon aus, dass nur sehr kleine Mengen radioaktiver Partikel bis in die Schweiz gelangen könnten. Definitive Aussagen über Auswirkungen für Mensch und Umwelt könnten aber erst dann gemacht werden.

Sehr tiefe Werte

«Wir haben keine erhöhte Radioaktivität gemessen - trotz äussert empfindlicher Messstationen», erklärte Philipp Steinmann von der Sektion Umweltradioaktivität beim Bundesamt für Gesundheit (BAG).

Er geht davon aus, dass sich die Partikel nur lokal verbreiten. «Es gab auch schon in früheren Jahren Waldbrände in radioaktiv verseuchten Gebieten in Russland. Auch damals konnten wir in der Schweiz keine erhöhten Messwerte feststellen», sagte Steinmann.

«Derzeit messen wir nur zwischen 0,2 und 1,5 Mikro-Bequerel pro Kubikmeter, das heisst nur ein Millionstel oder weniger des Grenzwertes».

Zugelassen ist in der Schweiz ein maximaler Immissionsgrenzwert von 3 Becquerel pro Kubikmeter Luft (Bq/m3). Bei einem Wert von 30 Bq/m3 prüfen die Behörden Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung. Die Einheit Bequerel misst den Zerfall radioaktiver Teile pro Sekunde.

Empfindliche Messstationen

Das BAG betreibt ein Netz von Hoch-Volumen-Aerosolsammlern (HVS), die bereits auf kleinste Erhöhungen der Radioaktivität reagieren. In 5 Messstationen an den Standorten Oberschrot bei Plaffeien/FR, Monte Ceneri/TI, Güttingen/TG, Cern bei Genf und Klingnau/AG werden Aerosole auf grossen Filtern gesammelt und wöchentlich ausgewertet.

Zudem verfügt der Bund über das Messnetz RADAIR, das bei erhöhter Strahlung automatisch Alarm schlägt. Informiert werden die Behörden in der Schweiz zudem über Partnerorganisationen in Europa. Sollten tatsächlich radioaktive Partikel aus Russland nach Europa gelangen, würden Finnland und Polen als erste Alarm schlagen, sagte Steinmann.

(sda)