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Es hat sich «ausorakelt»
13. Juli 2010 19:57; Akt: 13.07.2010 21:15 Print
Krake Paul geht in Rente und wird Ehrenbürger
Krake Paul hat weltweit viele Freunde, doch nirgends sind die Fans zahlreicher als in Spanien. Dort wird ihm vor dem verdienten Ruhestand nun eine besondere Ehre zuteil.
Tintenfisch Paul aus dem Sea Life-Aquarium im deutschen Oberhausen sorgte mit seinen WM-Prophezeihungen für weltweites Aufsehen: Er erfreute und enttäuschte beinahe ganze Nationen. «Paul hat einen grossartigen Job geleistet», findet Sea Life-Mitarbeiter Daniel Fey im obigen Video. Acht Mal habe das Tierchen richtig gelegen, was einer hundertprozentigen Trefferquote während der ganzen Fussball-WM entspreche.
Video
Lucky orakelt: Spanien wird Weltmeister!
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Neun Gehirne
Weshalb Paul so treffsicher ist, erklärt Fey so: «Tintenfische haben insgesamt neun Gehirne» (acht davon in den Fangarmen). Das entspreche der Intelligenz eines zweijährigen Kindes. Mit einem Augenzwinkern fügt er hinzu: «Wir haben nur eines. Wie sollen wir da nur wissen, was er denkt?»
Wider Erwarten griff Paul sogar bei der Final-Vorhersage ins richtige Töpfchen - sehr zur Freude der Spanier. Obwohl er bis zu diesem Zeitpunkt nur Spiele, an denen die deutsche Nationalelf teilnahm, prophezeihte.
Ehrenbürgertitel
Die Freude über den WM-Sieg scheint in der nordwestspanischen Gemeinde Carballiño noch so gross, dass der Stadtrat das Weichtier einstimmig zum Ehrenbürger der Gemeinde erklärt hat. Dies berichtete die örtliche Presse am Dienstag. Mit der Anerkennung wolle sich der Ort nahe Orense dafür bedanken, dass «Pulpo Paul» (Tintenfisch Paul) den WM-Sieg Spaniens richtig vorhergesagt habe.
Ausleihen, Auszeichnen, Kaufen
Zudem will Bürgermeister Carlos Montes den tierischen Fussballexperten für ein paar Tage ausleihen. Das Tier soll in der galicischen Ortschaft anlässlich eines grossen Gastronomiefestes am 8. August ausgestellt werden. Für adäquaten Transport und Unterbringung sei gesorgt. Doch das reicht dem Bürgermeister noch lange nicht: Montes will ausserdem nach Oberhausen reisen, um dem heimlichen WM-Helden Spaniens eine Auszeichnung zu überreichen. Sie besteht aus einer durchsichtigen Urne, wie sie bei Pauls Vorhersagen benutzt wurde. Aber mit dem Wappen Carballiños.
Bekanntlich ziehen sich Gegensätze an: Die Gemeinde lebt ausgerechnet von der Verarbeitung von Tintenfisch, der in Galicien zur Nationalspeise gehört. Dass Paul am Gastronomiefest wohl als Einziger seiner Artgenossen nicht unters Messer kommt, versicherte der spanische Geschäftsmann Manuel Pazos: «Die Deutschen brauchen keine Angst zu haben, wir wollen Paul nicht verspeisen». Der Fischfabrik-Betreiber hatte diese Woche bereits 30'000 Euro geboten, um das Orakel zu kaufen und damit Touristen anzulocken (20 Minuten Online berichtete). Neuerdings legte er noch 5000 Euro drauf: «Für das Tor von Andrés Iniesta im Finale.»
Paul ist alt
Obwohl die Krake beim Tippen nie alt aussah - in Wirklichkeit ist Paul nicht mehr der Jüngste: Das Tier hat bereits zweieinhalb Jahre auf dem Buckel. In freier Wildbahn werden Oktopoden durchschnittlich zwei Jahre alt, in Gefangenschaft etwas mehr.
«Ausorakelt»
Ob wir Zweibeiner in die Zukunft sehen könnten, wenn wir mit neun Gehirnen ausgestattet wären, sei dahingestellt. Fest steht: «Paul wird künftig nicht mehr orakeln, weder im Fussball noch in anderen Bereichen», bestätigte Tanja Munzig, Pressesprecherin von Sea Life. Der Tintenfisch ginge künftig seiner eigentlichen Berufung nach: Kindern Freude bereiten. Obwohl längst nicht nur die Kleinen vor Pauls Aquarium stehen bleiben werden.
(dga/sda)


























