Gemeinden im Funkloch

07. Januar 2010 14:47; Akt: 07.01.2010 15:47 Print

Leben ohne Handy-EmpfangLeben ohne Handy-Empfang

von Amir Mustedanagic - Häfelfingen hat 270 Einwohner und keine Handyantenne. Wer in der Baselbieter Gemeinde ein SMS schreiben will, muss auf den Hügel steigen - oder auf gutes Wetter hoffen. Doch sie sind damit nicht alleine.

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Eine Idylle ohne Antennenstrahlung: In Häfelfingen ist Handyempfang kein Selbstverständnis, sondern ein wetterabhängiges Gut.

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Der Mensch von heute ist sich gewohnt, jederzeit und an jedem Ort erreichbar zu sein - Handy sei Dank. In der Baselbieter Gemeinde Häfelfingen sieht die mobile Telefonwelt noch anders aus. «Wenn ich mit dem Handy telefonieren will, muss ich auf den Hügel hinter dem Hof», sagt Susanne Strub. Die Frau des Gemeindepräsidenten ist sich das gewohnt. In Häfelfingen sitzen die Einwohner in einem Funkloch. Eine Handyantenne gibt es nicht - weder von Swisscom noch von Sunrise oder Orange.

Fast im ganzen Dorf herrscht Funkstille. «An manchen Stellen haben wir Empfang – entsprechend richte ich mich danach ein», so Strub weiter. Gemütlich vor dem Fernseher sitzen und eine SMS an eine Freundin schreiben, ist in Häfelfingen aber kaum vorstellbar. Ausser das Wetter ist günstig, sagt Gemeindepräsident Eugen Strub: «Je nach Witterungsverhältnissen kann man manchmal auch im Haus telefonieren, ansonsten muss man eben nach draussen.» Spielt das Wetter gerade nicht mit, piepst in den Häusern von Häfelfingen in der Regel kein Mobiltelefon. Doch die Baselbieter sind mit ihrem Schicksal nicht alleine.

Häfelfingen kein Einzelfall

Wie die «NZZ» berichtet, sitzen in der Aussenwacht der Zürcher Gemeinde Hadlikon und der Gemeinde Schönenberg die Swisscom-Kunden seit diesem Jahr ebenfalls im Funkloch. Der Telekomriese musste per Ende Jahr seine Antenne im Dorf abstellen. Nach zehn Jahren verlängerte der Liegenschaftsbesitzer den Vertrag mit Swisscom nicht. Die Suche nach einer Alternative blieb bisher erfolglos, wie Sprecherin Myriam Ziesack sagt. Die Swisscom-Kunden in den beiden Zürcher Gemeinden ist der Handyempfang nur unter freiem Himmel möglich – und auch da nicht immer einwandfrei.

Doch nicht nur Swisscom kämpft um die Antennenstandorte. Auch Sunrise und Orange laufen die Antennen-Verträge aus: «In der Regel finden wir rechtzeitig eine Alternative», sagt Roger Schaller von Sunrise gegenüber 20 Minuten Online. Klappt es dennoch nicht, hilft man sich mit Provisorien aus. Eine solche provisorische Abdeckung herrscht seit Juni 2008 in Erlenbach. Dort sorgt eine mobile Station auf der anderen Seeseite in Oberrieden für minimalen Empfang. Das sei aber nur möglich, weil auf dem See keine Hindernisse vorhanden seien, wie Schaller gegenüber der «NZZ» erklärte. Totale Funklöcher kämen deshalb «selten bis nie vor».

Glücklich ohne «Gespräche über Belanglosigkeiten»

In Häfelfingen ist das Funklochproblem allerdings nicht ungewollt. Die Einwohner wehrten sich vor sieben Jahren erfolgreich gegen den Versuch eines Mobilfunkanbieters, eine Antenne aufzustellen. Das Leben im Funkloch scheint sie denn auch nicht zu stören: In einer Umfrage der «Basler Zeitung» äusserten sich die meisten Einwohner positiv. Es sei zwar manchmal lästig, aber eigentlich ein Gewinn. Man müsse nicht jederzeit erreichbar sein und tausche nicht nur Belanglosigkeiten aus, so der Tenor. Ihre Meinung werden die Häfelfinger wohl so schnell nicht ändern. Gemeindepräsident Eugen Strub hat jedenfalls keine Klagen erhalten: «Die Leute machen immer mal einen Spruch, aber offizielle Beschwerden gab es noch keine.»

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  • Berner am 12.01.2010 21:33 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur Handy

    Auch die ADSL-Versorgung ist nur mit der kleinsten Bandbreite möglich. Und dies nur 500m ausserhalb der Gemeindegrenze von Bern! Hoffen wir auf den Ausbau von Handy und Festnetzbandbreiten. Flächendeckend!

  • OMero am 12.01.2010 09:41 Report Diesen Beitrag melden

    Festnetz

    Ich glaube die meisten Leute vergessen haben, das es immer noch Festnetz gibt. Und wenn man ISDN hat, kann man sogar vom Festnetz aus Sms schreiben!!

  • rico tecon am 11.01.2010 09:25 Report Diesen Beitrag melden

    Für was ein Handy?

    Ich brauche kein Handy. Das ist die unreifste Technologie der neuen Zeit. Wer meint, das Handy nütze ihm etwas im "Notfall", dem sei gesagt, dass nicht einmal 1% Notfalltelefonate ausmachen im mobilen Netz.

    • lully am 14.01.2010 15:28 Report Diesen Beitrag melden

      technikverweigerer?

      @rico tecon was willst du damit sagen? dass handys immer dann kaputt gehen wenn man einen notfall hätte? siehst du die 1% nun als minuspunkt für handys oder was? könnte diese zahl evtl. auch mit der unfallzahl ansich zusammenhängen? hast du zahlen über den anteil notrufe, die übers handy reinkommen? mir sind leider keine bekannt, aber ich schätze vage, diese zahl wird die 1% doch leicht übersteigen! denk mal drüber nach...

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