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Louis Vuitton vs. Rotes Kreuz
23. Juni 2009 10:38; Akt: 23.06.2009 10:49 Print
Luxushersteller klagt gegen Arme-Leute-Laden
Weil das Rote Kreuz eine nachgemachte Louis-Vuitton-Tasche für drei Euro in seinem Secondhand-Laden verkaufte, wird es von der Nobelfirma verklagt. Der Laden für sozial Schwache muss nun vermutlich schliessen.
Der Luxuswarenhersteller Louis Vuitton fordert vom DRK-Kreisverband Marburg 2600 Euro, weil dieser in seinem Secondhand-Laden ein Markenplagiat für drei Euro verkauft hat.
Wie der Geschäftsführer des Kreisverbands, Rudi Kittel, berichtete, hatte ein Testkäufer des Herstellers die Tasche erworben. Wegen des Vorfalls werde nun der Laden, in dem sich vor allem alleinerziehende Mütter, Hartz-IV-Empfänger und andere sozial Schwache mit Kleidung eindecken, voraussichtlich schliessen müssen.
«Ich kann nicht ausschliessen, dass das noch einmal passiert», sagte Kittel. Die Mitarbeiter des Secondhand-Ladens seien überwiegend Hausfrauen und völlig ausserstande, Markenplagiate zu erkennen. Rechtlich habe das Deutsche Rote Kreuz keine Handhabe. Der Justiziar des DRK-Kreisverbands habe mangels Aussicht auf Erfolg von einem Prozess abgeraten.
«Moralisch höchst bedenklich»
Der Kreisgeschäftsführer bezeichnete das Verhalten des Luxuswarenherstellers als «moralisch höchst bedenklich». Wenn der Secondhand-Laden, in dem das teuerste Stück 20 Euro koste, schliessen müsse, treffe es in erster Linie arme Menschen. Nach Kittels Worten fordern die Anwälte von Louis Vuitton vom DRK neben einer Unterlassungserklärung 2000 Euro Anwaltskosten sowie 600 Euro für den Testkauf.
Der Marburger SPD-Landtagsabgeordnete Thomas Spies forderte Louis Vuitton auf, das Vorgehen gegen den DRK-Laden zu stoppen. «Die Luxusmarke Louis Vuitton sollte Grösse zeigen und sich von einer Rotkreuz-Altkleiderkammer nicht bedroht fühlen», sagte Spies. «Natürlich ist Musterschutz ein wichtiges Instrument, um die Rechte von Unternehmen zu schützen», erklärte Spies. Hier aber sei offenkundig jedes Mass verloren gegangen: «Es handelt sich beim Roten Kreuz nicht um eine Fälscherbande, sondern um eine karitative Einrichtung der Armenhilfe.»
Das Unternehmen Louis Vuitton Deutschland war zu einer Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.
(dapd)

























