Kuriose Massnahme

22. März 2010 11:27; Akt: 22.03.2010 15:02 Print

Mieter müssen ausziehen wegen KobraMieter müssen ausziehen wegen Kobra

Seit Donnerstag versucht die Feuerwehr in Mülheim an der Ruhr vergeblich eine Kobra einzufangen. Nun greifen sie zu einer ungewöhnlichen Lösung: Die Mieter werden acht Wochen lang ausquartiert.

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Aus diesem Terrarium konnte die giftige Kobra entwischen. (Bild: AFP/STEPHAN WITTE)

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Der 19-jährige Besitzer einer Monokelkobra hatte in der Nacht zu Donnerstag die Feuerwehr alarmiert, nachdem das Tier durch Öffnungen im Belüftungssystem seines Terrariums entwichen sei. Der junge Besitzer hatte das rund 30 Zentimeter lange und fingerdicke Jungtier erst vor wenigen Tagen auf einer Reptilienbörse erworben.

Obwohl Möbel, Holzdielen und Leichtbauwände aus der Dachgeschosswohnung des Besitzers entfernt worden seien, gab es von der Schlange keine Spur. Aus Angst vor einem Biss verliessen die Mieter bereits am Freitag das Drei-Parteien-Haus. Den Angaben zufolge waren 30 Einsatzkräfte von Ordnungsamt und Feuerwehr an der Suche beteiligt, darunter auch Reptilienexperten.

Schlange unterwegs – das wird teuer

Doch die junge Schlange blieb unauffindbar. In dem Gebäude gebe es so viele Verstecke, dass die Suche vermutlich noch Wochen dauern würde, sagte Volker Wiebels, Pressesprecher der Stadt Mülheim. Wahrscheinlich befinde sich die Schlange noch in der Wohnung des Besitzers, meint Feuerwehrsprecher Horst Brinkmann. Das Problem sei, dass das Jungtier noch sehr klein sei und es in dem ausgebauten Dachgeschoss zahlreiche Hohlräume gebe, in denen es sich verschanzt haben könnte.

Weil aber die weitere Suche zu teuer ist, habe man sich nun für die «biologische Lösung» entschieden: Das Wohnhaus wird versiegelt und abgeklebt, sodass die Schlange nicht entkommen kann. Die Mieter des Hauses werden in den kommenden acht Wochen auf Kosten der Stadt anderweitig untergebracht werden, um «jedes Restrisiko auszuschliessen», hiess es weiter.

Sicherheitsmassnahmen getroffen

Bis zu 40 Tage könne das Tier in seinem Versteck ausharren, ohne zu fressen. Geeignete Beute werde sie in dem versiegelten Gebäude nicht finden. Sollte sie bereits ins Freie gelangt sein, hätte sie angesichts der derzeit nasskalten Witterung keine Überlebenschance und wäre bereits verendet. Zudem will die Feuerwehr das Gebäude täglich kontrollieren.

Kurz nach dem Verschwinden des Reptils wurde ein Gegengift aus einem Düsseldorfer Zoo bereit gestellt. Ohne Behandlung kann der Biss der Schlange innerhalb weniger Stunden tödlich enden. Den Besitzer könnte der Grosseinsatz teuer zu stehen kommen. Die Feuerwehr geht von Kosten bis zu 850 Euro (umgerechnet 1220 Franken) pro Stunde aus, für die der Verursacher aufkommen muss.

Steuerzahler wird dafür büssen

Doch wer die Kosten für den tagelangen Grosseinsatz und die Sanierung der Wohnung trägt, ist noch unklar. Bis jetzt sei allein für den Einsatz der Feuerwehr mit einer Summe von mindestens 39 000 Euro zu rechnen, erklärte der Sprecher. Die Wahrscheinlichkeit, dass letztlich der Steuerzahler dafür aufkommen müsse, sei sehr gross, da bei dem 19-Jährigen nicht viel zu holen sei. Der Besitzer des Tieres habe weder Arbeit, noch sei er versichert.

Die Tierschutzorganisation Peta forderte angesichts des Vorfalls einen Einfuhrstopp sowie ein bundesweites Verbot von Wildtieren in Privathaushalten. Die Gefahren, die von ausgesetzten oder entlaufenen giftigen Tieren ausgingen, würden rapide zunehmen, erklärte die Organisation am Montag. Schätzungen gingen davon aus, dass inzwischen rund 150 000 Giftschlangen, 250 000 Riesenschlangen sowie zahllose andere Echsen und Reptilien deutsche Wohnzimmer bevölkerten.

(kle)