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New York
27. April 2010 12:09; Akt: 27.04.2010 12:23 Print
Obdachloser «Held» stirbt – niemand hilft
Diese Bilder schockieren New York: Ein Mann, der eine Frau vor einem Angreifer gerettet hat, verblutet auf dem Trottoir – und die Leute laufen achtlos vorbei.
Das Video wurde von der «New York Post» auf ihrer Website veröffentlicht. Es zeigt einen Vorfall im Stadtteil Queens am frühen Morgen des 18. April: Ein Mann verfolgt eine Frau, ausserhalb des Blickwinkels der Kamera kommt es zu einer Auseinandersetzung. Hugo Tale-Yax, ein 31-jähriger Obdachloser aus Guatemala, der sich ab und zu als Tagelöhner verdingt, versucht der Frau zu helfen. Das Video zeigt dann den fliehenden Mann, während Tale-Yax mit mehreren Messerstichen in der Brust auf dem Trottoir zusammenbricht.
Ein übler Vorfall, doch wirklich schockierend ist, was danach geschieht – oder eben nicht. Während mehr als einer Stunde laufen mindestens 25 Leute an dem verblutenden Obdachlosen vorbei, ohne zu helfen. Einmal tauchen zwei Männer auf, stehen um den Körper und diskutieren anscheinend über ihn. Sie fotografieren ihn sogar mit dem Handy, doch auch sie unternehmen nichts, ebenso wenig ein Passant, der den Körper des bewusstlosen Mannes schüttelt, seinen Arm anhebt und dann weitergeht.
Viele illegale Einwanderer
Schliesslich hält ein Feuerwehrauto, doch es ist zu spät: Hugo Tale-Yax ist tot. Die «New York Post» bezeichnet den Guatemalteken als «barmherzigen Samariter» und «gefallenen Helden», und die schockierten New Yorker fragen sich, wie herzlos ihre Stadt geworden ist. Es gibt aber auch differenzierte Stimmen, die etwa darauf verweisen, dass sich der Vorfall in einer armen Gegend im Viertel Jamaica ereignet hat, in der viele, oft illegale Einwanderer aus Zentralamerika und auch zahlreiche Obdachlose leben.
«Es gibt hier viele Alkoholiker, die besinnungslos auf dem Boden liegen», sagte Alexis Perez, ein 29-jähriger Hauswart, der «New York Times». Uber Bautista, ein 37-jähriger Maschinist, mutmasste, dass es sich bei den Passanten um illegale Einwanderer handelte, die nicht erwischt werden wollten. Ein anderer Anwohner meinte, die Leute «kümmern sich nur um ihre Angelegenheiten». Und am Montag berichtete die «New York Post», die bedrängte Frau habe den Angreifer gekannt und sich deshalb nicht bei der Polizei gemeldet.
Dennoch erinnern sich manche New Yorker an einen berüchtigten Vorfall von 1964, als eine Frau namens Kitty Genovese ebenfalls in Queens in der Nähe ihrer Wohnung erstochen wurde. Zahlreiche Anwohner hörten ihre Schreie, niemand rief die Polizei. Seither wird diese Art der Untätigkeit in der Psychologie als «Genovese-Syndrom» bezeichnet.
(pbl)

























