Erdbeben in Indonesien

30. September 2009 16:18; Akt: 01.10.2009 08:02 Print

Opferzahl steigt - Tausende unter TrümmernOpferzahl steigt - Tausende unter Trümmern

Sumatra droht nach dem Erdbeben im Chaos zu versinken. Augenzeugen berichten von eingestürzten Häuserzeilen, ausgebrochenen Feuern und zerstörten Brücken. Mindestens 75 Menschen sind ums Leben gekommen. Tausende Tote liegen vermutlich unter den Trümmern. Hilfe ist noch keine in Sicht.

(Quelle: Youtube)

Nur wenige Stunden nachdem ein Seebeben ein Tsunami im Südpazifik ausgelöst und die Samoa-Inseln mit einer Flutwelle überrollte, bebte vor der Insel Sumatra die Erde mit einer Stärke von 7,6. Die Bewohner der nur 50 Kilometer vom Epizentrum des neulichen Bebens entfernten Küstenstadt Stadt Padang rannten panisch aus ihren Häusern, als plötzlich mehrere Gebäude einstürzten.

Ein Augenzeuge aus Padang berichtete von eingestürzten Brücken, ausgebrochenen Feuern und extremer Panik unter den 900'000 Tausend Einwohnern der Küstenstadt. «Es ist noch keine Hilfe angekommen», sagte der Augenzeuge gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, «die Leute stehen auf der Strasse und haben Angst, in ihre Häuser zurückzukehren.»

Strom- und Telefonnetze der Insel brachen nach dem Beben zusammen. Augenzeugen schildern die dramatischen Ereignisse auf Twitter: «Padang liegt völlig im Dunkeln. Alles liegt in Trümmern. Kein Licht, kein Haus mehr, kein Handysignal. Alles tot. Lieber Gott, bitte beschütze meine Familie», beschreibt eine Indonesierin die Lage.

Hilfe trifft erst in 10 Stunden in Padang ein

Inzwischen kündigten die Behörden den Aufbau eines Feldkrankenhauses an. Ein Erdrutsch blockierte aber die Zufahrtsstrassen zu der Stadt. Wie eine Korrespondentin von BBC berichtete, seien zwar Katastrophenhelfer auf dem Weg in die Stadt Padang, doch auf Grund der zugeschütteten Strassen würden diese erst in etwa 10 Stunden bei ihren Opfern eintreffen. Die Zahl der Toten ist inzwischen auf mindestens 75 gestiegen. Mehr als 110 wurden bei dem Beben auf der dicht bevölkerten Insel Java zum Teil schwer verletzt. Da viele entlegene Orte noch nicht erreichbar waren, wurde ein weiterer Anstieg der Opferzahlen befürchtet. Mindestens 10'000 Gebäude wurden bei dem Beben nach offiziellen Angaben schwer beschädigt. Es wird befürchtet, dass mehr als eintausend Menschen ums Leben gekommen sind. Das sagte ein hochrangiger Vertreter der Gesundheitsbehörden am Mittwochabend in Jakarta.

Der Erdstoss war auch in der Hauptstadt Jakarta zu spüren, ebenso in Singapur und Malaysia. Das Pacific Tsunami Warning Centre hat die zuvor ausgesprochene Warnung vor einem Tsunami widerrufen.

Mit blossen Händen

Im Dorf Cikangkareng gruben Bergungsmannschaften mit blossen Händen in den Geröllmassen eines Erdrutsches nach Überlebenden. Der Erdrutsch begrub in dem entlegenen Ort elf Häuser und eine Moschee unter sich; Dorfbewohner bargen fast ohne Hilfsmittel zunächst 13 Leichen. Vermutlich mehr als 50 Menschen wurden verschüttet. «Die Überlebenschance ist so gering, aber wir müssen sie finden», sagte der Verwalter des Bezirks, Maskana Sumitra.

Erst allmählich wird das Ausmass der Katastrophe sichtbar. Viele Opfer seien von herabfallenden Trümmerteilen oder einstürzenden Wänden erschlagen oder verletzt worden. Hinzu kommen Verschüttete in zahlreichen Erdrutschen vor allem in ländlichen Gebieten.

Angst vor Nachbeben

Schweres Räumgerät erreichte noch nicht alle Gebiete des am schwersten betroffenen Bezirks der Provinz West-Java. Polizei, Soldaten und Dorfbewohner gruben auch dort mit den Händen nach Verschütteten. Präsident Yudhoyono warnte vor Nachbeben.

Die US-Geologiebehörde gab die Stärke mit 7,9 an, die indonesische Erdbebenbehörde sprach von 7,6. Es lagen zunächst keine Angaben über Schäden vor. Das Epizentrum lag rund 50 Kilometer nordwestlich der Stadt Padong vor der Westküste von Sumatra. Die Erde bebte um 12.16 Uhr MESZ.

Erst am Dienstag hatte ein Tsunami Teile der Inselgruppe Samoa überflutet, mehr als 120 Menschen getötet und verheerende Schäden verursacht. In der Region kommt es häufiger zu Erdbeben, weil sich die Indische und die Australische Platte unter Sumatra verkeilen.

Schweiz wird helfen

Die Schweiz hat sich am Mittwochabend auf einen Hilfseinsatz im Erdbebengebiet in Indonesien vorbereitet. Die humanitäre Hilfe habe die Einsatzleitung einberufen, sagte Andreas Stauffer, Sprecher des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA), auf Anfrage der AP. Man habe Kontakte mit den Vertretungen vor Ort aufgenommen und prüfe die Entsendung von Leuten. Auch Massnahmen wurden laut dem Sprecher vorbereitet, die man später der indonesischen Regierung als Paket anbieten werde. Falls das Angebot angenommen wird, läuft die Schweizer Hilfe an.

(ddp)