Schnellboot gerammt

07. Januar 2010 11:35; Akt: 07.01.2010 11:48 Print

Radikale Walschützer sprechen von KriegRadikale Walschützer sprechen von Krieg

Nach der Kollision zwischen japanischen Walfängern und einem Schnellboot verschärft sich die Tonlage: Die Organisation Sea Shepherd kündigte neue Aktionen an. Australien und Neuseeland riefen zur Zurückhaltung auf. Ein Video zeigt den Ablauf des Crashs.

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Wer rammt hier wen? Video der Kollision, aufgenommen von Sea Shepherd. (Quelle: YouTube) Im Grossformat auf dem Videoportal Videoportal
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Am Mittwoch rammte ein japanischer Walfänger auf hoher See ein Schnellboot von Sea Shepherd. Beide Seiten gaben sich gegenseitig die Schuld an dem Zusammenstoss. Sea Shepherd sprach von einer «unprovozierten Attacke». Beide Schiffe hätten ohne Fahrt zu machen voreinander gelegen, als das japanische Schiff «Shonan Maru 2» plötzlich vorgeprescht sei. Die «Ady Gil» - ein 24 Meter langer windschnittiger, 1,4 Millionen Dollar teurer Trimaran - habe keine Chance gehabt auszuweichen.

Sea-Shepherd-Gründer Paul Watson bezifferte den Schaden auf knapp zwei Millionen Dollar. Die japanischen Walfänger hätten den Streit bewusst eskalieren lassen. Die jährlichen Aktionen gegen den Walfang seien nun zu einem «echten Wal-Krieg» geworden, sagte Watson. Nach seinen Angaben hatte die Crew der «Ady Gil» das Walfangschiff zuvor mit Stinkbomben beworfen, um die Jagd auf die Meeressäuger zu behindern.

«Kriminelles Verhalten»

Die japanische Fischereibehörde wies die Vorwürfe zurück. Eine Kollision mit dem Trimaran sei unvermeidbar gewesen. Die «Ady Gil» hätte ihre Fahrt plötzlich gedrosselt, als sie vor dem Bug des Schiffs der japanischen Walfangflotte gekreuzt habe. Mit einem «extrem riskanten» Sabotage-Manöver habe sie die «Shonan Maru No. 2» und ihre Besatzung bewusst gefährdet, erklärte die Behörde.

Die Crew habe noch versucht, das Boot mit Wasserwerfern fernzuhalten. Die Aktivisten hätten einen «grünen Laserstrahl» auf die Besatzung des Walfängers gerichtet und zudem versucht, die Schiffsschrauben mit Seilen zu blockieren, erklärte das Institut. Es warf den Tierschützern «kriminelles Verhalten» vor.

Walschützer starten Helikopter

Obwohl der kommerzielle Walfang seit 1986 verboten ist, jagen die Japaner in der Antarktis trotz internationaler Proteste weiter - offiziell zu Forschungszwecken. Die Flotte besteht aus sechs Schiffen rund um das Fabrikschiff «Nisshin Maru». Im vergangenen Jahr hatten Sea-Shepherd-Aktivisten die Japaner 3200 Kilometer durch die Antarktis verfolgt. Die Walfänger töteten 680 Wale. In diesem Jahr stehen 850 Zwerg- und 50 Finnwale auf der Abschussliste.

Die «Ady Gil» hatte 2008 unter ihrem früheren Namen «Earthrace» Schlagzeilen gemacht, als sie in fast 61 Tagen die Welt umrundete. Ein amerikanischer Millionär kaufte das Schiff dann für Sea Shepherd. «Die Wale sind uns mehr wert als Schiffe, wir machen deshalb weiter», sagte Watson. Bereits am Donnerstag startete ein Helikopter, um die «Nisshin Maru» aufzuspüren und zu stoppen, sagte Watson der Agentur AP.

Kritik auch von Greenpeace

Neuseeland und Australien kündigten eine Untersuchung des Vorfalls an, der sich rund 2500 Kilometer südlich der Insel Tasmanien ereignet hatte. Sie riefen beide Seiten zur Zurückhaltung auf. Sowohl Menschenleben als auch die fragile Umwelt in der Antarktis seien in Gefahr. Unklar ist jedoch, welche rechtlichen Folgen die Kollision haben könnte. Die Sachlage sei kompliziert, beide Seiten könnten Klage einreichen, sagte Don Rothwell, ein Experte für internationales Seerecht an der Australian National University.

Er übte deutliche Kritik an Sea Shepherd. Die Organisation agiere «an der äussersten Grenze des Gesetzes. Es ist erstaunlich, womit sie immer wieder durchkommt». Die radikalen US-Tierschützer werden für ihr aggressives Vorgehen immer wieder für kritisiert, auch von Greenpeace, deren Aktivisten einst selbst mit spektakulären Aktionen gegen den Walfang für Aufsehen gesorgt hatten. Heute hingegen bemüht sich Greenpeace darum, die Haltung der Japaner gegenüber dem Walfang zu verändern.

(pbl/sda)