Graffitibekämpfung

29. Oktober 2009 12:00; Akt: 29.10.2009 12:28 Print

Schmieren statt malen - wegen strenger PolizeiSchmieren statt malen - wegen strenger Polizei

von Adrian Müller - Hausdurchsuchungen, DNA-Tests, beschlagnahmte Handys: Die Schweizer Städte kämpfen mit allen Mitteln gegen Schmierfinken, welche nicht einmal vor Kirchen halt machen. Pikant: Die Repression verstärke die Schmierereien gar, sagen Insider.

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Da die Polizei und Hausbesitzer immer härter gegen die Sprayer vorgehen, entstehen mehr Schmierereien statt kunstvolle Graffitis. (Bild: Keystone)

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Die Zahlen sind aufsehenerregend: In den letzten fünf Jahren haben sich die Anzeigen wegen Sprayereien und «Tags» im Kanton Bern von 1000 auf 4000 vervierfacht, ein Drittel davon betrifft die Stadt Bern. Für die Polizei ist die Anzeigenflut eine «Belastung», wie es Franz Märki, Mediensprecher der Kantonspolizei Bern, ausdrückt. Alleine in der Bundesstadt seien konstant «mehrere Beamte» mit den Ermittlungsarbeiten wegen Sprayereien beschäftigt - sie bringen gut 10 Prozent der Fälle vor den Richter.

Weniger Graffitis wegen Repression

Die Hausbesitzer der Berner Altstadt kämpfen seit 2005 mit der Aktion «Casa Blanca», welche vorsieht, die Fassaden innert wenigen Tagen zu reinigen und konsequent Anzeige zu erstatten, gemeinsam gegen Graffitis an den Sandsteinmauern. Mit zwiespältigem Erfolg: Die Stadt mache zwar nun an manchen Orten einen saubereren Eindruck, aber: «Das Problem hat sich nicht gelöst, sondern verlagert.» Gerade wegen des rigorosen Vorgehens gegen die Sprayer würden nicht mehr aufwendige Graffitis gemalt, sondern oftmals nur noch Tags geschmiert, erklärt Polizeisprecher Märki. Dieser Tage seien beispielsweise das Berner Amtshaus und die Lorrainebrücke mit dem Kürzel «031» verunstaltet worden. Von den Tätern fehlt - wie so oft - jede Spur.

Keine Ehrfurcht vor dem Herrgott

Weshalb die Schmierfinken der Polizei oftmals durch die Lappen gehen, weiss Priska Rast von der Graffiti-Fachstelle der Stadt Zürich. «Sprayer malen immer seltener aufwendige Graffitis.» Der Trend gehe eindeutig zu Tags und neuerdings gar zu Klebern. Das im Kanton Zürich mit Abstand am häufigsten benutzte Motiv sei das Kürzel «FCZ», sagt Martin Sorg von der Kantonspolizei. Bei diesen oftmals nur wenige Augenblicke dauernden Aktionen sei es für die Polizei extrem schwierig, die Täter in flagranti zu erwischen.

«Gäbe es einen Gott, müsste man ihn töten»: Dieser Schriftzug strahlte kürzlich von der Winterthurer Stadtkirche - und ist nur eine von viele üblen «Markierungen», welche Sprayer hinterlassen. Besonders in der Altstadt sei es in den letzten vier Wochen zu vielen Sprayereien gekommen», sagt die Winterthurer Polizeisprecherin Alexandra Pfister. «Wir haben bisher keinen einzigen Täter erwischt.»

Sprayer in Lebensgefahr

Einen grossen Fang gemacht hat hingegen diesen Sommer die Luzerner Kantonspolizei. Sie erwischte auf frischer Tat eine Sprayer-Gruppe, die es faustdick hinter den Ohren hatte. Wie die Ermittlungen einer Sonderkommission ergaben, begingen die 12 Sprayer in den Kantonen Luzern und Zug 170 Straftaten (darunter auch Einbrüche und Autodiebstahl) und richteten dabei Schäden von einer halben Million Franken an. «Die Täter werden immer skrupelloser, sie versprayen ganze Häuserzüge ohne Rücksicht auf Verluste», bilanziert Simon Kopp von der Kapo Luzern. Auch die Berner Polizei geht mit allen Mitteln gegen die Sprayer vor. Weil bei einer Polizeikontrolle ein 19-jähriger, vorbestrafter Berner Spraydosen und Cannabis auf sich trug, starteten die Beamten das volle Ermittlungsprogramm: DNA-Test, Hausdurchsuchung, Fingerabdrücke. Zudem wurden Computer und Handy beschlagnahmt, schreibt der «Bund».

Beliebtes Ziel von Sprayern sind auch die SBB. «Pro Jahr werden um 1200 Bahnwagen verunstaltet», sagt Sprecher Roman Marti. Zwar würden Kameras und verstärkte Lichtquellen auf Abstellgleisen die Sprayereien eindämmen, trotzdem müsse die SBB jedes Jahr 5 bis 7 Millionen Franken für die Beseitigung von Vandalenakten ausgeben. Marti appelliert an die Jugendlichen. «Sprayer setzen auf den Bahngeleisen ihr Leben aufs Spiel, denn auch in der Nacht fahren Züge. Bereits hat es mehrere tödliche Unfälle gegeben.»

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  • Herr Puber aus KCBR am 24.11.2010 15:27 Report Diesen Beitrag melden

    Immerhin

    Immerhin kaufen sich mit dem Geld Dosen und keine keine Drogen!!! Aber mit den Sprayern ist es wie früher in der Schule einfach nicht drauf eingehn. Wen der Klassenfiesling wieder gmeine Sachen sagt nicht hin hören. EINFACH IGNORIEREN.

  • Mr.Propper am 12.11.2009 21:19 Report Diesen Beitrag melden

    Falscher Weg

    Die übertriebene Repression (Zum Beispiel in Bern) zeigt ihre Folgen. Sprayer werden gezwungen von der Dose auf den Marker zu greiffen. Ist das der Sinn der Sache? Nein! Ich sage anstatt die Polizeikräfte in diesem Sektor zu verstärken sollte man sie in anderen Gebieten einsetzen: Diebstahl & Gewalttätigkeiten. Denn da hat die Polizei zu viele Lücken als tolerierbar sind. Noch was: Ein Todsicherer Weg um die gern genannten "Schmierereinen" zu verminder ist eine Legale Wand. Nur soviel dazu. Doch das wollen unsere Politiker von Mitte bis Rechts nicht sehen. Mehr Polizei ist devinitiv Falsch!

  • adrian am 02.11.2009 13:28 Report Diesen Beitrag melden

    "schmierereien" ...

    ... können durchaus ästhetisch sein und das bild der grauen stadt aufwerten.